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Die Bauern sind nicht grade erfreut über das neue Artenschutzgesetz, dass es bald geben soll. (Symbolbild)

Aufgebrachte Stimmung bei Kreisversammelung

„Leute haben keine Ahnung“: Bauern stinksauer über neues Artenschutzgesetz

Bei der letzten Sitzung des Bayerischen Bauernverbands in Lengdorf (Kreis Erding) gab es mächtig Zoff. Grund war das neue Artenschutzgesetz.

Lengdorf – BBV-Kreisobmann Jakob Maier beklagte im Zusammenhang mit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“, das im Februar 18,4 Prozent der Bayern unterzeichnet hatten, dass die Bauern große Probleme hätten, den Bürgern ihre Anliegen näherzubringen. „Die Leute, die unterschrieben haben, verstehen nichts von Landwirtschaft und kommen nicht zu unseren Veranstaltungen“, ärgerte sich Maier.

Bayerischer Bauernverband: Zoff um neues Artenschutzgesetz

Auch Matthias Borst, stellvertretender Generalsekretär des BBV und Referent des Abends, blies ins gleiche Horn. Bei den Bauern herrsche massiver Frust. „13 Millionen Bürger in Bayern wissen besser, wie man Landwirtschaft betreiben sollte, als die erfahrenen Landwirte“, sagte er.

Die öffentliche Stimmung gegen die Bauern werde durch die „Skandalisierung“ in den Medien, die Kampagnen von Umweltorganisationen wie BUND, Peta, Nabu und Greenpeace sowie durch „pauschale Kampfbegriffe“ wie Massentierhaltung, Agrarindustrie und den Missbrauch von Antibiotika geprägt. „Selbst um das Essen ist ein Glaubenskrieg entstanden“, erklärte Borst, Direktor des Fachbereichs Agrar- und Umweltpolitik beim BBV.

Massiver Frust : Matthias Borst, stellvertretender Generalsekretär des BBV. 

Zoff in Lengdorf: Bauern sauer über neues Artenschutzgesetz

In seinem zweistündigen, häufig von Zwischenfragen und emotionalen Äußerungen unterbrochenen Vortrag, ging Borst auf das erfolgreiche Volksbegehren und die darauf folgenden Entwicklungen vom „Runden Tisch“ bis zum Gesetzesentwurf der Staatsregierung zur Artenvielfalt ein.

Der BBV habe die Position der Bauern bei dem Volksbegehren zu wenig publik gemacht und den „Bienenfreunden“ das Feld überlassen, schimpfte eine Bäuerin. Das Volksbegehren hätten 170 Organisationen unterstützt, verteidigte Borst seinen Verband. „Diese Welle war nicht aufzuhalten.“

Bauernverband unzufrieden: Neues Artenschutzgesetz sorgt für Ärger

Bis Mitte Juli, wenn die zweite und dritte Lesung des Gesetzentwurfs im Landtag ansteht, hätten die Bauern noch eine Chance, gewisse Vorhaben in ihrem Sinn zu beeinflussen, erläuterte Borst. So seien einheitliche Bestimmungen für ganz Bayern angesichts der unterschiedlichen Klimazonen allein in Oberbayern vom Alpenland bis zur Donau nicht praktikabel.

Vorschriften, wonach der Grundwasserstand bei Moorstandorten nicht abgesenkt werden dürfe, würden vor allem den nördlichen Landkreis Erding mit dem im Erdinger Moos liegenden Gebieten treffen. Landwirte sollten bei einem Einsatz bei Projektwochen in Schulen zum Thema „Lebensökonomie“ bezahlt werden, verlangte er.

Alle Teile der Gesellschaft sollten einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten, sagte der Agrarwissenschaftler aus Unterfranken. Außerdem forderte er die Bauern auf, aktiv zu werden und beispielsweise direkt Lokalpolitiker und Abgeordnete anzusprechen. 2020 sei eine Evaluierung – eine Überprüfung – des Gesetzes geplant. „Dann sollte man das ganze Gesetz zurücknehmen, wenn sich herausstellt, dass es nichts gebracht hat“, brachte ein Landwirt die Stimmung im Saal auf den Punkt.

von Günter Wirnhier

Lesen Sie auch: Die Erdinger AfD wirft dem Landkreis Betrug bei den Ergebnissen der Europawahl vor. Der Stadtrat reagiert nun vehement - und auch der OB ist ziemlich sauer.

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