Seit Pandemie-Beginn waren die Räume ungenutzt. Nun hat die NBH seinen Treff in Isen für immer geschlossen. Denn es wird wohl noch dauern, bis sich wieder Menschen treffen können.
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Schweren Herzens räumt NBH-Einsatzleiterin Patrizia Brambring den Treff an der Bischof-Josef-Straße aus. Der Verein hat sich entschlossen, die Räume aufzugeben, da sie seit März ungenutzt blieben.

„Seit März kam niemand mehr“

Mietvertrag gekündigt: Nachbarschaftshilfe schließt ihren Treff in Isen

  • Henry Dinger
    vonHenry Dinger
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Seit Pandemie-Beginn waren die Räume ungenutzt. Nun hat die NBH seinen Treff in Isen für immer geschlossen. Denn es wird wohl noch dauern, bis sich wieder Menschen treffen können.

Isen – Patrizia Brambring räumt noch das letzte Geschirr aus den Schränken der Einbauküche. Die Nachbarschaftshilfe (NBH) Isen-Lengdorf-Pemmering schließt ihren Treff an der Bischof-Josef-Straße in Isen. Der Mietvertrag ist bereits gekündigt, auch die meisten Möbel haben Abnehmer gefunden. Für NBH-Einsatzleiterin Brambring ist das eine schwere Sache. „Ich habe sehr viel Herzblut in den Treff gesteckt“, sagt sie tapfer, „und ich möchte keinen Tag davon missen.“

Vor sieben Jahren, im Frühjahr 2013, wurde die Begegnungsstätte in einer Erdgeschosswohnung ins Leben gerufen. Er sollte Menschen, die aus verschiedenen Gründen von der Nachbarschaftshilfe betreut werden, zusammenbringen. Alle, die hierherkamen, hatten alters- oder krankheitsbedingte Probleme, waren einsam oder wollten ein warmes Mittagessen in Gesellschaft genießen. Das gab es immer dienstags und freitags, danach waren unter Leitung von Brambring Gedächtnisspiele und leichte Gymnastikübungen angesagt.

„An guten Tagen waren 16 oder 17 Leute da“, erinnert sich die 58-Jährige. Montags stand der „Gedächtnisnachmittag“ auf dem Plan, erst wöchentlich, dann vierzehntägig. „Das war auch für pflegende Angehörige eine Hilfe“, so Brambring. Sie wussten ihre Schützlinge gut aufgehoben und konnten in den zwei Stunden etwas erledigen.

Auch Yoga-Kurse, Musik-Nachmittage, Erzählstunden und Clown-Aufführungen fanden statt. Am Nachmittag gab es Kaffee und Kuchen. „Ich bin allen, die hier viel Freizeit geopfert haben, sehr dankbar“, sagt Brambring. Sie habe Menschen erlebt, die melancholisch kamen und gut gelaunt wieder gingen.

„Wir haben gemeinsam gegessen und hatten viele Gelegenheiten zum Lachen“, erinnert sich Anneliese Liebhardt. Die 85-Jährige war von Anfang an dabei, hat Weihnachtsfeiern mitorganisiert oder kleine Geschenke zu Geburtstagen. „Eine gute und schöne Einrichtung für alte und einsame Menschen“, sagt die rüstige Seniorin. Lobende Worte findet sie vor allem für Einsatzleiterin Brambring, die die Teilnehmer auch abgeholt und heimgebracht hat. „Sie hat sehr viel Zeit geopfert, und das alles ehrenamtlich.“ Wie alle regelmäßigen Treff-Besucher hat sie übers Telefon vom endgültigen Aus der Einrichtung erfahren.

„Ich habe jeden Gast persönlich angerufen“, erklärt Brambring. Einige hätten am Telefon geweint. Die Entscheidung, den Treff zu schließen, fällte der Verein in einer Vorstandssitzung im Oktober.

„Seit März kam niemand mehr“, begründet die resolute Helferin den Schritt. Sie rechne nicht damit, dass sich die Lage so schnell ändert, im Herbst nicht und im Winter gleich gar nicht. Sie schätzt, dass es vielleicht noch ein Jahr dauert, bis sich die Risikogruppe wieder zu Treffen wagt, „aber wissen kann es natürlich niemand“.

Die Mietzahlung für die Räume sei aber weitergelaufen. Die Nachbarschaftshilfe finanziert ihre Unterstützung und Betreuung nur zu etwa einem Fünftel aus den Beiträgen der zurzeit etwa 460 Mitglieder, der dickste Batzen sind Einnahmen aus Spenden. „Die Spenden haben wir aber nicht bekommen, um damit nicht genutzte Räume zu finanzieren.“

Der Verein muss ohnehin etwas strenger aufs Geld schauen, denn coronabedingt kommen auch weniger Zuwendungen herein. Für Brambring, die seit 26 Jahren ehrenamtlich für die NBH im Einsatz ist, ist es wichtig zu wissen, dass alle ihrer Schützlinge zu Hause bei ihren Angehörigen gut betreut werden. Und sie betont, dass von der Schließung des Treffs die übrigen Leistungen der NBH nicht betroffen sind. „Besonders jetzt in der Krise sind wir für alle da, die unsere Hilfe brauchen.“

Dass dieses „wir“ oft sie selbst ist, die die Menschen vor Ort betreut oder Essen ausliefert, ist dem Umstand geschuldet, dass sie ihre Helfer nicht gefährden möchte. Trotz der Enttäuschung über den Verlust ihres geliebten Treffs schaut sie optimistisch in die Zukunft.

„Es heißt, wenn sich eine Tür schließt, geht eine neue Tür auf.“ Das könnte im Beispiel einer Begegnungsstätte für die NBH zunächst das Pfarrheim sein und später vielleicht ein Objekt, das im Ort erst noch entstehen muss. Die vielen Spiele jedenfalls nimmt sie mit zu sich. „Die hebe ich gut auf. Die brauchen wir irgendwann wieder“, ist sich die NBH-Einsatzleiterin sicher.

Henry Dinger

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