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Stein des Anstoßes: die Sirene auf dem Lengdorfer Feuerwehrhaus, mit der bei großen Einsätzen die Aktiven alarmiert werden. 

Kritik von Bürgern

Anwohner ärgern sich über Lengdorfer Feuerwehr-Sirene

Warum heult in unseren modernen Zeiten noch regelmäßig die Feuerwehr-Sirene? Manche Bürger wollen sich damit nicht abfinden. Experten haben aber kein Verständnis für Kritik.

LengdorfDem einen stinkt der Kasladen, dem anderen krähen die Hähne zu laut. In Lengdorf sorgt die Alarmierung der Feuerwehr für Irritation. Ein Ehepaar aus der Gemeinde versteht nicht, dass bei Feuerwehreinsätzen die Sirene heulen muss. Vor allem nachts finden sie den Heulton lästig und überflüssig, sagten sie in der Bürgerversammlung.

Kein Verständnis hat man bei der Lengdorfer Feuerwehr für die Beschwerden. Für Kommandant Florian Bauer ist die Sirenen-Alarmierung bei so genannten zeitkritischen Einsätzen sogar unerlässlich.

Lange Zeit blieb es in Lengdorf ruhig. War doch die alte Sirene vor rund 20 Jahren bei Arbeiten am Dach des alten Rathauses abgebaut worden. „Das war der Fehler des Jahrtausends, das hätte nicht gemacht werden dürfen“, sagt Bauer. Durch die alte Luftschutzsirene habe die Bevölkerung nämlich sicher gewarnt werden können.

Der Grund, warum seit einem halben Jahr die Sirene bei Einsätzen der Feuerwehr heult, ist, dass bei manchen Wetterlagen der Analogfunk an seine Grenzen stößt. „Es kommt vor, dass zwei Drittel der Meldeempfänger dann nicht ansprechen“, berichtet der Kommandant. „Wir sind vom Relais in Mittbach im Süden der Gemeinde Isen am weitesten entfernt“, erklärt er die Störsignale.

Bauer, der selbst in der Nähe des Gerätehauses wohnt, fühlt sich und seine Familie durch die Sirene nicht gestört. Sie werde auch nur bei großen Einsätzen, bei denen Hilfsfristen zwingend eingehalten werden müssen, in Betrieb genommen. „Wenn ein Keller unter Wasser steht oder bei einem Kleinbrand im Freien, alarmieren wir nur über Funkmelder“, versichert er.

Rechtlich ist die Feuerwehr auf der sicheren Seite. In Paragraf 1 der „Verordnung über Verwendung über öffentliche Schallzeichen“ heißt es, dass es den Gemeinden, den von ihnen beauftragten Stellen und den Feuerwehren vorgehalten ist, mit Sirenen öffentliche Schallzeichen zu geben, um den Alarm bei Feuer und anderen Notständen als Katastrophen auszulösen.

Zwar gebe es auch die Möglichkeit der zusätzlichen Handyalarmierung über Apps, räumt Bauer ein, ganz zuverlässig sei die Alarmierung über das Internet aber nicht. „Die SMS wird oft zeitverzögert angezeigt. Um die Sirene werden wir in Lengdorf deswegen nicht herumkommen“, ist der Kommandant deshalb überzeugt.

Kreisbrandrat Willi Vogl sieht es genau so: „Auf dem Land wird die Alarmierung über Sirenen immer wichtig sein, da die Meldeempfänger nicht immer angemessen ansprechen. In städtischen Gebieten mit mehreren hunderten Einsätzen pro Jahr ist dies nicht umsetzbar. Dort hat sich der Einsatz des Meldeempfängers bewährt.“

Vogl hat kein Verständnis für Bürger, die sich über den Sirenenalarm beschweren. „Ist man selbst betroffen, kann man froh sein, wenn die Feuerwehr schnell anrückt. Und das schaffen wir auf dem Land mit nur wenigen Einsätzen der Feuerwehr nur über den Sirenenalarm.“

Bauer sieht in der Sirenen-Alarmierung zudem den Vorteil, dass Verkehrsteilnehmer gewarnt werden: „Wenn man die Sirene hört, weiß man, dass gleich Feuerwehrfahrzeuge kommen. Man ist dann aufmerksamer und vorsichtiger.“ Er erinnerte daran, dass ein Kritikpunkt am neuen Feuerwehrgerätehaus in der Ortsmitte gewesen sei, dass die ausrückenden Fahrzeuge eine mögliche Unfallgefahr darstellten.

Dass der Einsatz der Meldeempfänger auch in anderen Orten Schwierigkeiten machen kann, bestätigt das Landratsamt Erding : „Grundsätzlich ist der Einsatz besonders in Kellern, Betonbauten oder Tiefgaragen ein Problem. Vergleichbar ist das mit dem üblichen Handyempfang“, teilt die Behörde mit. Ob das Problem mit der Einführung des Digitalfunks BOS – ein leistungsstarkes und einheitliches Funknetz für alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, auf das die Feuerwehren bayernweit umgestellt werden sollen – behoben sein wird, kann das Landratsamt nicht sagen. Für Kommandant Bauer ist noch eines wichtig: „Wir brauchen eine Sirene auch bei Katastrophen wie etwa Hochwasser.“

Im Landratsamt, das für den Brand- und Katastrophenschutz verantwortlich ist, ist man der Meinung, dass auch in Zukunft bei der Katastrophenwarnung der Bevölkerung das Zusammenspiel aller Möglichkeiten wie Apps, Funkmelder, Sirene und Soziale Medien wichtig sein wird.

Selbst in der Bayerischen Staatsregierung denkt man offenbar darüber nach, „im Zuge der Einführung der Feuerwehralarmierung per Digitalfunk die vielerorts vorhandenen Sirenen auch dazu zu ertüchtigen, dass diese den Ton zur Warnung der Bevölkerung wiedergeben können“. So lautete die Antwort aus dem Jahr 2016 auf eine schriftliche Anfrage eines Landtagsabgeordneten zur Katastrophenwarnung der Bevölkerung. Eine Meinung, die Kommandant Bauer teilt: „Die Sirene unterstützt uns, die Kollegen sicher zu erreichen. Wir werden sie deshalb weiter anwenden.“

Anne Huber

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