Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Thomas Wittmann (r.) mit einem der kaputten Anhänger-Räder. Sein Bruder Julian (l.) kann es gar nicht fassen, wie man da noch stolz sein kann.

Die Wittmann-Brüder in den USA

Bekanntschaft mit dem Secret Service

  • Anton Renner
    VonAnton Renner
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Einfach abgefahren: Zwei Bayern bringen Stress auf die Manhattan Bridge in New York. Die „Ausreißer“ Julian und Thomas Wittmann aus Lengdorf haben wegen eines kleinen Unfalls dort für riesigen Verkehrsstau gesorgt. Und das ist nicht das einzige Missgeschick, das den Zündapp-Buam in den vergangenen zwei Wochen auf ihrem Weg in Richtung Las Vegas passiert ist.

New York/Lengdorf – Wenn Julian und Thomas Wittmann über ihre Erlebnisse auf dem Weg nach Las Vegas erzählen, ist man mittendrin im Geschehen. Sie ziehen ungläubige Blicke von hunderten Passanten auf sich, wenn sie mit ihren Mopeds inmitten von Limousinen, Straßenkreuzern und SUVs durch Manhatten tuckeln. Die Zündapp-Buam fallen auf – und sind damit in ihrem Element. Zwei alte Mopeds, zwei Bayern in Lederhosen, das sehen die New Yorker nicht alle Tage.

14 Tage haben die Lengdorfer Brüder nach ihrer Ankunft in New York warten müssen, bis der Zoll ihre Mopeds „Alma“ und „Bertha“ endlich freigegeben hat. Dann endlich lassen sie die „grantigen Zöllner“ hinter sich und setzen sich auf ihre Mopeds. Die Fahrt führt quer durch New York. Ein bisschen Easy-Rider-Gefühl macht sich breit. Auch wenn die Brüder nicht auf PS-geschwängerten Harley-Davidson-Maschinen das Lebensgefühl eines Bikers in sich aufsaugen, sondern nur auf museumfsreifen Zündapp-Mopeds. Trotzdem oder gerade deshalb ist das ein Erlebnis.

Auf der Manhattan Bridge stehen die beiden dann unfreiwillig plötzlich völlig im Mittelpunkt des Geschehens: Die Brüder sorgen durch einen kleinen Unfall für einen riesigen Stau. Der Anhänger verfängt sich in zwei Furchen im Straßenbelag – es ächzt und kracht – und in der Folge davon sind die Räder komplett verbogen. Mehr als einen Kilometer weit müssen die Brüder daraufhin ihre Fahrzeuge auf der über zwei Kilometer langen Brücke schieben – im Schlepptau hunderte hupender und schimpfender Autofahrer.

Auch Damenbekanntschaften machen die Brüder (Bild oben). In Princeton waren sie Gast bei einem Football-Spiel. Klare Sache: Ein Bild mit den Cheerleadern musste gemacht werden.

Doch es hängt nicht immer alles auf eine Seite. Die zwei Lengdorfer haben Glück im Unglück: Direkt am Ende der Manhattan Bridge ist ein Fahrradladen. Und dort können die verbogenen Reifen repariert werden. Danach haben die Brüder erst einmal genug vom Big Apple. Nichts wie raus aus der Millionenmetropole. Die Fahrt führt über Philadelphia nach Baltimore und weiter Richtung Princeton. Auf dieser Strecke wird es für die Brüder wieder ungemütlich. Auf den holprigen Straßen passiert es: Der Anhänger hinter dem Moped von Julian hüpft durch die Schlaglöcher und gerät immer mehr ins Schlingern. Schließlich kippt das Gefährt um. Und mit ihm auch Julian und sein Moped. Während Julian unverletzt bleibt, ist für den Anhänger die Reise hier zu Ende: Totalschaden. In der Not rüsten die Brüder auf Satteltaschen um, in die sie ihre paar Habseeligkeiten verstauen und gemeinsam mit den Benzinkanistern an den Mopeds befestigen. Für die zwei Bayern kein Grund zur Panik. Für die Polizei in Washington später schon. Als Julian und Thomas mit ihren Mopeds und den daran hängenden Benzinkanistern auf das Weiße Haus zusteuerten, werden sie vom Secret Service gestoppt. Erst als nach längerer Zeit geklärt ist, dass die beiden nur Weltenbummler und keine bayerischen Terroristen sind, dürfen sie weiterfahren.

Natürlich drängt es die Brüder aus dem weißblauen Freistaat ins Weiße Haus, dem Regierungssitz von US-Präsident Donald Trump. Der war zwar nicht da, dafür aber viele Demonstranten. Wir kamen ins Gespräch mit ein paar Menschen, die vor dem Weißen Haus schon seit einiger Zeit protestieren. Einer davon schon seit 25 Jahren – und das fast jeden Tag“, erzählt Julian. Die Wittmann-Brüder sind über den dauerprotestierenden Mann genau so verwundert wie er über die beiden Zündapp-Buam in ihrem Lederhosen-Outfit.

Weiter geht es am nächsten Tag über die berühmte Panoramastraße Blue Ridge Parkway. „Der ist genau so schön wie er im Lied ,Country Roads’ besungen wird“, schwärmen die Brüder. Doch mit der Idylle ist es schnell vorbei: Ein Hurrikan zieht auf und macht den beiden einen unerwarteten Strich durch ihre weiteren Reisepläne. Denn es wird eisig kalt – und es wartet eine Übernachtung im Zelt auf die Brüder. „Nach Sonnenuntergang war das kaum mehr auszuhalten. So gefroren hat es mich noch nie in meinem Leben“, berichtet Julian.

Weil die Wettervorhersage für Nashville besser ist, als für den weiteren Weg auf dem Blue Ridge Parkway, versuchen die Brüder am nächsten Tag zu trampen. Mit zwei Mopeds im Schlepptau nicht gerade ein aussichtsreiches Anliegen.

Doch irgendwann hält ein Truck an. Am Steuer sitzt US-Kriegsveteran Brendan. Er lädt die Brüder samt Mopeds auf. Allerdings geht die Reise zunächst nicht nach Nashville, sondern auf eine sogenannte „Shooting Range“ –- eine riesige Schießanlage. Für die Wittmanns ist das eher beängstigend als beeindruckend. Der Veteran lässt es dort nicht nur ordentlich knallen, er tischt den Brüdern dazu auch viele Kriegsgeschichten aus Afghanistan auf. Doch der Tag nimmt dann doch noch ein positives Ende. „Beim gemeinsamen Essen mit Brendan wurden wir vom Restaurant-Team für eine bekannte Rockband gehalten. Und so wurden wir zum Essen eingeladen und gefeiert wie richtige Stars“, erzählt Thomas und biegt sich vor Lachen.

Dann geht es weiter nach Nashville. Die Stadt gilt als Zentrum der kommerziellen Country-Musik und wird deswegen „Music City“ genannt. Dort läuft den Zündapp-Buam der Songschreiber und Countrysänger Alan Wade über den Weg. Es wird zum unvergesslichen Treffen für Julian und Thomas. Mit ihm dürfen die Brüder in dessen Studio musizieren. „Da sieht man einfach, was für eine universelle Sprache Musik ist“, schwärmen sie.

Jetzt geht es dann weiter Richtung Las Vegas. „Olle song, dass ma varruckt san. Aba des is uns so was von wurscht, mia machans einfach“, witzeln beide in einem Video auf ihrem Facebook-Kanal. Das weckt natürlich Sehnsüchte: „Warum haben wir sowas nie gemacht ? ! ? !“, kommentiert beispielsweise ein User.

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