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Bauprojekt mit Zündstoff: das Lengdorfer Feuerwehrgerätehaus.

Kostensteigerung um 20 Prozent

Feuerwehrhaus Lengorf wird teuer: Planer stehen in der Kritik

Etwa 1,9 Millionen Euro sollte das Feuerwehrhaus in Lengdorf kosten. Nun steigen die Kosten auf 2,2 Millionen Euro. Die Gründe lesen Sie hier.

Lengdorf – 360 000 Euro mehr für den Bau des Lengdorfer Feuerwehrgerätehauses – das hat den Gemeinderat in jüngster Sitzung beschäftigt. Vor allem die Steigerung der Planungskosten um 120 000 Euro stieß auf Kritik. Statt der ursprünglich geschätzten 1,883 Millionen Euro sprach Planer Franz Schaffmayer nun von 2,245 Millionen Euro Gesamtkosten. Bürgermeisterin Gerlinde Sigl (CSU) wies darauf hin, dass die Nachträge vom Gemeinderat genehmigt worden seien. Für den Planer war „das Verhör“, wie er die Nachfragen der Räte bezeichnete, verständlich. Schaffmayer betonte aber: „Ich habe nicht davon profitiert, dass höhere Kosten entstanden sind“. Er nannte drei wesentliche Gründe für die Kostensteigerung.

Aufgebracht waren die Räte vor allem wegen der Steigerung bei den Baunebenkosten. Der Satz von 15 Prozent der Baukosten, so sagen Planer und Verwaltung jetzt, sei von vornherein zu gering angesetzt gewesen. Mit 21 Prozent liege man nun durchaus im Rahmen. Schaffmayer wies auch auf den unvorhergesehenen Einsatz eines Prüfstatikers hin, wodurch Kosten in Höhe von 110 000 Euro entstanden seien.

Hochwasserschutz war nicht berücksichtigt worden

Zudem sei er 2015 davon ausgegangen, dass lediglich ein neuer Regenwasserkanal vom Gebäude zum bestehenden Anschlussschacht nötig sei, berichtete Schaffmayer. Dass ein Feuerwehrhaus eine aufwendige Abscheideeinrichtung braucht, hatte er unberücksichtigt gelassen. Bei der Planung eines Feuerwehrgerätehauses hätte er von der Notwendigkeit eines Ölabscheiders wissen können, warf Ursula Angenend (FW) dem Planer vor.

Auch der nötige Hochwasserschutz – es muss sichergestellt sein, dass die Anlagen nicht überflutet werden – war außen vor geblieben. Die Folge ist, dass zwischen den ursprünglich veranschlagten und den tatsächlichen Kosten eine Lücke von rund 130 000 Euro klafft. „Ist die Kostensteigerung wegen der Hochwassergefährdung entstanden?“, wollte Gemeinderat Bodo Lampe (SPD) in Anspielung auf die Lage des Gebäudes im hochwassergefährdeten Gebiet wissen. Schließlich war die SPD gegen den Bau Am Mühlanger gewesen und hatte für einen Standort im Gewerbegebiet plädiert. Schaffmayer verneinte: „Wir haben nicht 130 000 Euro mehr wegen dem Hochwasser ausgegeben.“

1589 Meter Leerrohre statt wie geplant 125 Meter

Der nächste Grund für die rund 20 Prozent Mehrkosten liegt in der unzutreffenden Planung der Elektroarbeiten. Bei der sogenannten Massenplanung wurden zu geringe Werte angesetzt. Im Lengdorfer Rathaus erklärt man sich die Fehleinschätzung durch den Eigentümerwechsel des Planungsbüros, das die Ausschreibung gewonnen hatte.

„Es wurde ein Mitarbeiter mit der Ausschreibung betraut, der offenbar die Massen unterschätzt hat“, sagte Bauamtsleiter Achim Gebert dazu auf Nachfrage. Wie gravierend diese Fehlschätzung war, machte Markus Benning vom Planungsbüro GT deutlich. So seien beispielsweise nur 125 Meter Leerrohre eingeplant gewesen, tatsächlich verlegt wurden 1589 Meter.

Für Klaus Holnburger (FW) hatte der Planungsfehler ein G’schmäckle. „Im Nachgang lässt sich nicht mehr nachrechnen, wie viel spekuliert wurde“, sagte er und wies auf die gängige Praxis hin, mit zu niedrigen Ansätzen in die Ausschreibung zu gehen. Dagegen betont man im Rathaus, dass die Kostensteigerung auch mit der Teuerung der letzten vier Jahre zu tun hat. „Laut dem Landesamt für Statistik lag die Preissteigerung für gewerbliche Betriebsgebäude im fraglichen Zeitraum bei 13 Prozent“, stellte Gebert klar. „Die daraus resultierende inflationsbereinigte Kostenmehrung liegt damit nur noch bei 5,5 Prozent.“

Anne Huber

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