Zuletzt in der Diskussion war die Anbindehaltung im Zusammenhang mit der Weltkulturerbe-Bewerbung für Kulturlandschaften in den Alpen. Das obere Bild zeigt zwei Ochsen der Rasse Murnau-Werdenfelser, die im Winter angebunden im Stall stehen.
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Zuletzt in der Diskussion war die Anbindehaltung im Zusammenhang mit der Weltkulturerbe-Bewerbung für Kulturlandschaften in den Alpen. Das obere Bild zeigt zwei Ochsen der Rasse Murnau-Werdenfelser, die im Winter angebunden im Stall stehen.

BBV-Versammlung

Kombinationshaltung von Milchkühen: Erdinger Bauern skeptisch

Wolfang Scholz warb für  ein vom BBV erarbeitetes Modell, bei dem Milchkühe 120 Tage pro Jahr Bewegung erhalten. Unter zuhörenden Landwirten fand sich kein Befürworter.

Lengdorf – Keinen leichten Stand hatte Wolfgang Scholz am Mittwoch bei seinem zweistündigen Vortrag über Milchviehhaltung in Lengdorf. Er versuchte den Erdinger Bauern die Kombinationshaltung der Milchkühe schmackhaft zu machen. Der stellvertretende Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands und Vorsitzende des Verbands der Milcherzeuger Bayern (VMB) stieß dabei aber auf große Skepsis.

In Bayern betreibe noch rund die Hälfte der 30 000 Milcherzeuger die Anbindehaltung, bei der die Kühe im Stall festgebunden werden, sagte Kreisbäuerin Irmgard Posch aus Mittbach (Gemeinde Isen). „Gerade im Landkreis Erding ist diese Art der Stallhaltung stark vertreten“, erklärte Posch, die mit ihrem Mann 50 Milchkühe hält, in ihrer Begrüßungsansprache.

Da die Anbindehaltung von Tierschützern heftig kritisiert wird und in Bundesländern wie Hessen Forderungen erhoben werden, diese zu verbieten, hat der BBV als Alternative nach österreichischem Vorbild die Kombihaltung entwickelt. Dabei erhalten Milchkühe 120 Tage Bewegung im Jahr, auf einer Weide oder in einem Laufstall. Ist der Stall mit Einrichtungen für besseren Komfort der Tiere ausgestaltet – dazu zählen eine Wellnessbox für kranke Kühe, mehr Platz pro Tier, bestimmte Tränkebecken, mindestens acht Stunden Licht im Stall oder Ventilatoren gegen den Hitzestress im Sommer – dann reichen auch 90 Tage Bewegung.

„Die Landwirtschaft schafft es immer weniger, der Gesellschaft zu erklären, was sie tut“, sagte Scholz. Anbindehalter würden bereits heute von den Molkereien „abgestraft“, erklärte der VBM-Vorsitzende, der mit seinem Sohn einen Bauernhof mit 90 Milchkühen in Sachsenried (Landkreis Weilheim-Schongau) betreibt. Er wolle, dass möglichst viele Bauernhöfe erhalten bleiben – und zwar Bauernhöfe, auf denen eine Produktion stattfinde, keine „Alibi-Höfe“, betonte Scholz.

„Wenn wir bei der Anbindehaltung bleiben, dann sterben die Dörfer“, warnte er seine Zuhörer. „Uns bleibt nichts anderes übrig als die Kombihaltung.“ Gerade kleinbäuerliche Betriebe steckten in der Bredouille, da sie dem starken Druck der Molkereien und des Handels ausgesetzt seien. So werde in Schleswig-Holstein bereits „Tierschutz-Milch“ verkauft.

Die Kombihaltung sei zu teuer und der damit verbundene Aufwand zu groß, entgegnete ein Bauer. Viele jüngere Kollegen würden angesichts solcher Aussichten ihren Beruf aufgeben, ergänzte ein weiterer Zuhörer. „Unsere Leute haben die Schnauze voll“, sagte er unter Applaus.

Bei einer von Kreisobmann Jakob Maier spontan organisierten Umfrage zeigte sich, dass kein einziger der anwesenden Landwirte auf Kombihaltung umsteigen will.

Keinen Widerspruch erntete VBM-Chef Scholz dagegen bei der Präsentation verschiedener PR-Aktivitäten seines Verbandes wie der Werbung für Milchprodukte durch die Milchkönigin und -prinzessin, Milchbars auf Bauernmarkt-Meilen in München und Nürnberg oder der Präsentation von bayerischem Käse beim jährlichen Landtags-Sommerfest in Oberschleißheim.

Weitgehend ohne negativen Kommentare nahmen die Zuhörer auch fünf neue Kriterien für das Qualitätsmanagement Milch zur Kenntnis, die Milcherzeuger seit dem 1. Januar einhalten müssen. Neben einer Ermittlung des Trächtigkeitsstatus der Kühe dürfen diese keine haltungsbedingten Mängel aufweisen. Außerdem muss eine effiziente, „antibiotikareduzierte“ Behandlung vorgenommen werden, und es gibt neue Vorschriften für die Lagerung von Arzneimitteln.

Wichtig sei ein ordentliches Erscheinungsbild des Betriebs, da Molkereien Lieferverträge ansonsten kündigen können. Außerdem gebe es neue Bestimmungen zu Tierschutz, Milchhygiene und betrieblichem Umfeld, sagte Scholz. Eine zeitweise Überbelegung des Stalls um zehn Prozent werde dagegen toleriert.

„In den nächsten zehn Jahren wird außerdem eine totale Digitalisierung und Transparenz unserer Erzeugung kommen“, zeigte sich der BBV-Oberbayern-Vize überzeugt. Der BBV habe diese Entwicklung „etwas verschlafen“, sagte er dazu selbstkritisch.

Günter Wirnhier

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