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Die Natur ist eines ihrer Steckenpferde: Michèle Forstmaier übernimmt ab 1. Mai das Bürgermeisteramt in Lengdorf.

Fokus auf Klimaschutz und A94

Unerschrockene Newcomerin: Michèle Forstmaier ist ab 1. Mai Bürgermeisterin von Lengdorf

Demokratie, davon ist die künftige Bürgermeisterin von Lengdorf, Michèle Forstmaier, überzeugt, ist am besten in der Kommune praktizier- und erfahrbar.

Lengdorf – Demokratie, davon ist Michèle Forstmaier überzeugt, ist am besten in der Kommune praktizier- und erfahrbar. Als Bürgermeisterin von Lengdorf will sie künftig für lebendige Demokratie in der Gemeinde sorgen.

Politisch engagiert hat sich die 49-Jährige bereits in der Vergangenheit. Beim „Mehr Demokratie e. V.“, wo sie vor allem die kommunale Daseinsfürsorge im Blick hatte, saß sie im Landesvorstand, beim Verein „Energiewende im Landkreis Erding“ hat sie sich früh für Klimaschutz und den sparsamen Umgang mit Ressourcen eingesetzt. Und im Widerstand gegen die A94 war sie bereits vor Jahrzehnten aktiv.

Klimaschutz geht zu langsam voran

Dass sie in wenigen Tagen als ehrenamtliche Bürgermeisterin in dem Dorf vereidigt wird, in dem sie seit 15 Jahren lebt, ihre Söhne Kindergarten und Schule besucht haben und sie im Gartenbauverein die Kasse prüft, ist für sie nur logische Konsequenz. „Vor allem beim Thema Klimaschutz, das mich seit 25 Jahren begleitet, geht es mir zu langsam. Ich denke, dass man hier auf kommunaler Ebene mehr bewirken kann“, sagt sie. Genauso folgerichtig ist für die studierte Architektin, dass sie nicht für eine ökologisch ausgerichtete Partei kandidierte, sondern für die Freien Wähler. „Ich war immer parteiunabhängig. Da haben die Freien Wähler Lengdorf gut gepasst, die von ihrer Geschichte her eine parteiunabhängige Wählergruppe waren und von ihrem Selbstverständnis her noch immer sind“, erklärt sie.

Trotzdem seien ein „paar Tage Grübeln“ nötig gewesen, als sie von den FW gefragt wurde, ob sie als Bürgermeisterin kandidieren wolle. „Erst mal musste ich für mich klären, will ich das überhaupt?“, gesteht sie. Wichtig sei aber auch gewesen: „Klappt das mit der Familie. Was sagt die dazu?“. Dass sie sich für das Amt entscheiden würde, habe dann schnell festgestanden.

Newcomerin gewinnt dank ihrer Überzeugungskraft gegen Amtsinhaberin

Dass sie als Newcomerin tatsächlich mehr Stimmen als Amtsinhaberin Gerlinde Sigl erhalten hat, führt sie zum Großteil auf ihre Überzeugungskraft zurück. „Es gab aber sicher auch Leute, die mich nicht wegen meiner Position zum Klimaschutz gewählt haben, sondern weil sie entweder wegen der A94 enttäuscht waren oder die sich einen frischen Wind in der Gemeinde gewünscht haben“, räumt sie ein.

Inspiriert worden sei sie von der Gemeinde Wildpoldsried. Der kleine Ort im Ostallgäu wurde als „Energiedorf“ bekannt, weil er bedeutend mehr Strom erzeugt als er selbst verbraucht. „Das hat mir gezeigt, dass, wenn die richtigen Leute da sind, auch etwas vorwärtsgeht“.

Der Bruder ist im Dorfener Stadtrat

Mit einem Schmunzeln quittiert Forstmaier die Frage, ob sie bei ihrer Entscheidung, aktiv in die Kommunalpolitik zu gehen, von ihrem Bruder beeinflusst wurde. Gerald Forstmaier ist in der Nachbarkommune Dorfen seit vielen Jahren Stadtrat der grün-alternativen Liste. „Das hat nichts mit einem Familien-Gen zu tun“, sagt sie und lacht. Aber freilich werde sie sich bei ihm erkundigen, wie man mit bestimmten Dingen in der Dorfener Kommunalpolitik umgeht.

Tatsächlich gebe es jedoch eine Person, die sie in ihrem Entschluss bestärkt habe: Heiner Müller-Ermann, Sprecher und Galionsfigur des A94-Widerstands: „Er hat immer gesagt, wenn ihr was vorwärts bringen wollt, müsst ihr in die Politik gehen“, sagt sie.

Steuereinbrüche wegen Corona-Pandemie

Und vorwärts bringen will Forstmaier einiges, trotz Corona – vor allem im Bereich energiesparendes Bauen, das schon Thema ihrer Diplomarbeit war, und im Klimaschutz. „Wir müssen prüfen, was finanziell auf uns zukommt, wie hoch die Einbrüche bei Gewerbe- und Einkommensteuer sein werden“, kündigt sie an. Dass sie jeden Tag im Rathaus sein wird („aber nicht den ganzen“), hat sich die ehrenamtliche Bürgermeisterin fest vorgenommen. Denn immerhin gebe es für sie neben den regulären Amtsgeschäften einiges zu lernen. Vor allem mit Geschäftsführer Norbert Niedermeier hat sie bereits Kontakt, die übrigen Mitarbeiter der Verwaltung schätzt sie als „kompetent und erfahren“.

Da sie es im Gemeinderat künftig mit ihrem Lebenspartner Franz Obermaier zu tun haben wird, der für LOS, eine Fusion von SPD und ökologisch engagierten Lengdorfern steht, führt zur Frage, ob es daheim am Küchentisch noch mehr politische Gespräche geben werde als in der Vergangenheit. „Die Gefahr besteht tatsächlich“, sagt Forstmaier und lacht. „Aber den Kindern zuliebe werden wir auch über andere Dinge sprechen.“ Ihre Freizeit will die Bürgermeisterin mit dem ungewöhnlichen Geburtsort New York weiter im Garten verbringen, wo sie ihr eigenes Gemüse aus Samen vorzieht. Und ab und zu will sie am Wochenende zum Bergwandern gehen.

Das Gespräch mit Forstmaier fand im gebührenden Abstand zueinander vor dem Wohnhaus der Familie statt. Von der Autobahn – die Isentalbrücke liegt nur wenige hundert Meter entfernt – ist an diesem windigen Nachmittag nicht viel zu hören. „Das variiert mit der Windrichtung, außerdem ist momentan eh wenig Verkehr“, erklärt Forstmaier. Zwei ihrer Söhne sind corona-bedingt zu Hause, ihr Partner und der älteste Sohn außer Haus. Anwesend ist lediglich die Adoptivkatze, eine gute Mäusefängerin, wie Forstmaier erklärt, die Streicheleinheiten einfordert, ehe sie sich zur Siesta im Gartenstuhl niederlässt.

Anne Huber

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