Mit Gemeinde unzufrieden

Hausärztin kehrt Lengdorf den Rücken

Lengdorf - In Lengdorf gibt es keine Arztpraxis mehr. Die Ärztin Emilie Schneider-Rosenbeiger macht für die Schließung die Gemeinde verantwortlich.

Emilie Schneider-Rosenbeiger hat ihre Praxis im alten Rathaus in der Brückenstraße Mitte Oktober zugesperrt und praktiziert nur noch in Buch am Buchrain. 2014 entschied sie sich dafür, Buch zum Hauptstandort zu machen und Lengdorf nur noch als Filiale weiterzuführen. Grund für ihre Entscheidung war, dass die Kommune ihren wiederholten Bitten nach Renovierung des von ihr angemieteten kommunalen GebäudeKs nicht nachgekommen sei. Zwar habe sie auf eigene Kosten Fenster einbauen lassen und die Bäder renoviert. „Das undichte Dach wäre allerdings Sache der Gemeinde gewesen. Aber dafür war kein Geld da“, sagt die Ärztin, die 19 Jahre in Lengdorf gelebt und praktiziert hat.

Das sieht Bürgermeisterin Gerlinde Sigl (CSU) anders. Die Kommune sei der damaligen Lengdorfer Ärztin sogar bei der Wahl der Heizung entgegenkommen. Dass das Dach nicht repariert wurde, gegründet Sigl damit, dass man „auf ein altes Haus mit schlechter Bausubstanz kein neues Dach macht“. Dazu kommt, dass der Kommune seit Längerem vorschwebt, das alte Rathaus abzureißen und auf dem Gelände ein kleines Wohn- und Geschäftshaus zu errichten. Gespräche mit einem möglichen Investor sollen demnächst aufgenommen werden. In einem neuen Haus könne sie sich auch Praxisräume für einen Arzt vorstellen, sagt die Bürgermeisterin.

Eine Zukunftsvision, für die die ehemalige Lengdorfer Ärztin keine Chancen sieht. „Der Gemeinde Lengdorf ist nicht klar, dass sie keinen Arzt mehr kriegen können“, sagt Schneider-Rosenbeiger. Dass sich nicht ohne Weiteres ein Hausarzt in Lengdorf niederlassen kann, bestätigen die Aussagen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Demnach wäre es zwar theoretisch möglich, dass sich im hausärztlichen Planungsbereich Erding Süd, zu dem Lengdorf gehört, ein Hausarzt niederlässt. Voraussetzung allerdings ist, so der KVB, dass der regionale Zulassungsausschuss zustimmt, dem paritätisch Vertreter der Krankenkassen und sowie Ärzte und Psychotherapeuten angehören. Der Planungsbereich Erding Süd liegt mit einem Versorgungsgrad von 108,4 Prozent – die Zahl gibt das Verhältnis zwischen Ärzten und Einwohnern an– knapp unter der Zulassungssperre von 110 Prozent.

Auch nach Ansicht der Freien Wähler „ist die Arztpraxis in Lengdorf verloren“. Ein Antrag, die Ärztin bei der Suche nach neuen Räumen zu unterstützen, den die FW-Fraktion im März 2015 im Gemeinderat gestellt hatte, war abgelehnt worden. „Für eine ländliche Gemeinde wie Lengdorf bedeutet ein Arzt am Wohnort ein großes Plus an Lebensqualität, ganz besonders für ältere Mitbürger und junge Familien“, erklärt FW-Rätin Ursula Angenend,

Schneider-Rosenbeiger blickt nach knapp zwei Jahrzehnten emotionslos auf die Lengdorfer Zeit zurück. In der Gemeinde selbst ist sie allerdings noch zu Hausbesuchen bei alten Patienten unterwegs.

Anne Huber

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zwölf Handys aus Fußballerumkleide geklaut
Vorsichtig waren die Junioren-Kicker nicht gerade. Diebe fanden beim Spiel im Sepp-Brenninger-Stadion ein Dutzend Smartphones und ließen sie mitgehen. Die Polizei …
Zwölf Handys aus Fußballerumkleide geklaut
„Riesensaustall“ Breitbandausbau
Alles andere als rund läuft’s in Buch am Buchrain beim Breitbandausbau. Bürgermeister Ferdinand Geisberger (CSU) vermisst die Kommunikation.
„Riesensaustall“ Breitbandausbau
Tier-Leasing: Hier kauft man den Braten schon als Ferkel
Massentierhaltung ist Andrea Struck ein Dorn im Auge. Ihr liegt das Wohl von Kuh und Schwein am Herzen. Deswegen kauft die Finsinger Gemeinderätin ihr Fleisch nicht im …
Tier-Leasing: Hier kauft man den Braten schon als Ferkel
Ein kleines Grünwald für Dorfen
Etwa sechs Hektar umfasst die Fläche, auf der Freibad, Sportanlagen und Volksfestplatz liegen. Mit dem Neubau des Sport- und Freizeitzentrums am Stadtrand würde dieses …
Ein kleines Grünwald für Dorfen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.