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Ausreißer: Thomas und Julian fahren mit ihren Zündapps über die Manhattan Bridge in New York.

„Ausgrissn“ kommt in die Kinos

Zündapp-Buam erobern die Leinwand

  • Anton Renner
    vonAnton Renner
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Rein in die Lederhosn, rauf aufs Moped und los geht der Trip nach Las Vegas. Vor knapp zwei Jahren sind die Lengdorfer Brüder Julian und Thomas Wittmann in ein großes Abenteuer gestartet. Ihre Erlebnisse kommen jetzt unter dem Titel „Ausgrissn“ als Film in die Kinos.

Lengdorf – Laptop und Lederhose waren gestern. Wer das Leben wirklich erleben will, braucht neben einer Lederhosen auch ein kultiges Moped. Mit beidem ausgestattet sind die Lengdorfer Brüder Julian und Thomas Wittmann im August 2018 aus dem Alltag „ausgrissn“ und mit zwei alten Zündapps ins 12 000 Kilometer entfernte Las Vegas aufgebrochen. Die Erlebnisse auf ihrem irren Trip haben sie filmisch dokumentiert. Daraus entstanden ist das Roadmovie „Ausgrissn“, das ab 13. August bayernweit in die Kinos kommt.

Klo-Gespräche: Die Wittmann-Brüder erzählen ihre Geschichte der Putzfrau (Monika Gruber),

Ihr Alltag ist ihnen schon lange zu eng, zu spießig. Ihr Ziel ist es, raus aus dem Hamsterrad zu kommen. Musikkabarettist und Drehbuchautor Julian (27) und sein Bruder Thomas (24), der Immobilienkaufmann ist, wollen endlich die Freiheit atmen. Und so schmeißen die Brüder vor zwei Jahren alles hin und reißen tatsächlich aus. Ihre Reise geht auf zwei alten, babyblauen Zündapps „C50 Super“, Jahrgang 1968 und 1969, von Bayern aus an die Nordsee, über den Großen Teich nach New York und weiter durch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten – zum Ziel Las Vegas.

Die Zündapp-Buam, wie sie fortan tituliert werden, haben einfach das getan, wovon vermutlich jeder irgendwann träumt: die von der Wiege bis zur Bahre vorgezeichneten Lebenswege hinter sich lassen. Unvoreingenommen und voller Freude stürzen sich die beiden Brüder in ihr großes Abenteuer.

Auf ihrem Roadtrip treffen sie auf die unterschiedlichsten Menschen: Aussteiger, Rocker, Waffennarren, Überlebenskünstler. Die Erlebnisse werden Tag und Nacht filmisch festgehalten: von den Abenteurern selbst, aber auch von einem Kamerateam, das die Wittmann-Brüder in den USA begleitet. Herausgekommen ist eine skurrile Filmkomödie, deren Komik auch vom Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen lebt.

In Gastrollen der Spiel-Rahmenhandlung sind Monika Gruber, Roland Hefter, Angelika Sedlmeier, Hans Stadlbauer, Arnd Schimkat, Winfried Frey, Stephanie Liebl und Werner Rom zu sehen. In die Kinos gebracht wird der Film von Majestic Filmverleih in Berlin, die dazu eigens das Label „Majestic Sunseitn“ ins Leben gerufen hat, unter dem zukünftig weitere bayerische Kinofilme veröffentlicht werden sollen.

Der Film der Zündapp-Buam beginnt mit einer fiktiven Handlung. Nach der Rückkehr der Brüder ist das ganze Dorf im Wirtshaus versammelt, um sich deren filmisches Reisetagebuch anzusehen. Zunächst hat kaum ein Dorfbewohner Verständnis für den Freiheitsdrang der Brüder. Das frustriert Julian und Thomas. Sie verziehen sich, noch während ihr Film läuft, auf die Toilette. Dort treffen sie auf eine Putzfrau, gespielt von Monika Gruber. Ihr tun die „Buam“ leid. Sie spricht ihnen Mut zu, ja bestärkt die Brüder, die Suche nach der Freiheit nie aufzugeben. Und so wird das Klo zum Mittelpunkt der Welt, die Brüder erzählen der Putzfrau mit Begeisterung ihre Reise-Erlebnisse – die nebenan in der Wirtsstube im Film zu sehen sind.

Auch dort tut sich mittlerweile was in den Köpfen der Wirtshausbesucher. „Die ham was erlebt. Die san ned dahoam wia eingesperrt und machen jeden Dog des Gleiche“, seufzt Bedienung Kathl und zeigt Bewunderung für die Brüder. Und auch die skeptischen Stammtischler werden zunehmend nachdenklicher. Plötzlich kommt auch bei ihnen Sehnsucht auf – nach der Ferne, nach nicht gelebten Träumen.

Mittlerweile geraten auch Julian und Thomas ins Grübeln. „Wir san losgfahrn, um die Freiheit zu suchen. Aber wir müssen uns scho a fragen, ob wir in Wirklichkeit ned vor der Unfreiheit dahoam weglaufen“, resümiert Julian. Thomas geht sogar noch einen Schritt weiter: „Man sieht echt so wahnsinnig vui neie Sachen, wenn man unterwegs is. Aber wos ma scho a sieht is, wia schee das die oiden Sachen dahoam san.“

Die beiden Drehorte für den szenischen Part des Films waren der Mayr-Wirt in Erding und das Gasthaus Scharl in Thann bei Lengdorf. Ihre Szenen in der Toilette hat Kabarettistin Monika Gruber folgendermaßen kommentiert: „I hob mi no nie so lang in am Klo aufghalten wia an dene zwoa Dog.“

Auf die Frage, ob es auch bei ihr einen Moment gegeben hat, an dem sie alles hinschmeißen wollte, um einfach auszureißen, sagt die Gruberin: „Den Moment habe ich ungefähr jede Woche, wenn ich aus Versehen bei ,Anne Will‘, ,Maischberger‘ oder Herrn Lanz hängen bleibe oder auch nach einem Termin beim Steuerberater.“

Gut 200 000 Euro hat der Film bislang gekostet. Julian und Thomas Wittmann haben zahlreiche Sponsoren gefunden, die ihnen bei der Finanzierung helfen. Jetzt hoffen die Brüder darauf, dass das Roadmovie ein Erfolg wird. Dazu beitragen will auch die Erdinger Band „DeSchoWieda“, die die Musik beisteuert.

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