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Sprechen einmal im Monat über Belletristik: Der Lengdorfer Literaturkreis, in der Mitte Rita Langheinrich, die diesen vor drei Jahren gegründet hat. 

Literaturkreis Lengdorf: Weder elitärer Zirkel noch literarischer Salon

Seit drei Jahren treffen sich Literatur-Liebhaberinnen und ein Bücherfan einmal monatlich in Lengdorf und diskutieren über Belletristik. Sie verraten auch, welche beiden Romane ihnen in letzte zeit am besten gefallen haben.

Lengdorf – Ob Klassiker oder Neuerscheinung – die Mitglieder des Lengdorfer Literaturkreis beschäftigen sich seit drei Jahren mit Belletristik verschiedener Epochen, Länder und Stilrichtungen. Gänzlich unakademisch, dafür locker und persönlich wird dabei einmal monatlich über Literatur gesprochen. „Wir sind weder ein elitärer Zirkel, noch literarischer Salon“, betont Rita Langheinrich,    die    als    passionierte
(Viel-)Leserin den Literaturkreis gegründet hat. „Es geht auch nicht darum, eine Deutschstunde zu halten“, sagt die frühere Regierungsschuldirektorin, der man – beruflich gesehen – eine gewisse Affinität zum Unterrichten nachsagen könnte. Ihrer Stellung im Literaturkreis täte man damit aber unrecht: Langheinrich ist zwar gut vorbereitet und gibt Hintergrundinformationen, lässt aber nach kurzer Einführung die Teilnehmer, an diesem Abend ein buntes Häufchen von neun Frauen, zu Wort kommen und die Diskussion mäandern.

„Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen stand auf dem Programm des Literaturkreises. Bis auf zwei Besucherinnen hatten es alle gelesen. Manche mit viel Spaß zum wiederholten Mal, andere sind mit etwas Mühe in den Gesellschaftsroman eingestiegen, der vor immerhin 233 Jahren erschienen ist. Dementsprechend vielfältig waren die Meinungen: enorme Beobachtungsgabe und Wortwitz, Leichtigkeit und eine emanzipierte Haltung bescheinigte ein Teil der Frauen dem Roman und seiner Autorin. Anstrengend und enttäuschend fand ihn eine andere Teilnehmerin. Schließlich einigt man sich darauf, dass der Roman im Spiegel seiner Entstehungszeit gesehen werden muss und damit mehr ist, als ein Liebesroman – ein Eindruck, den man aus den zahlreichen Verfilmungen erhalten könnte. Von der Sprache („wunderschön“ und „sprachgewaltig, wie es heute nicht mehr möglich wäre“) kommen die Frauen auf den Wert einer guten Übersetzung zu sprechen und denken über den Titel nach. Dass Vorurteil nicht nur negativ konnotiert sein muss, sondern auch eine Vorsortierung sein kann, die hilft komplexe Lebenszusammenhänge zu bewältigen, kommt dabei ebenso zur Sprache wie die Frage, ob man als Deutscher stolz auf seine Nation sein darf.

„Man sieht die Bücher aus einem anderen Blickwinkel“, und „man liest Bücher, die man niemals alleine gelesen hätte“ – das ist es, was die Frauen am Literaturkreis besonders schätzen. Im Fall von „Stolz und Vorurteil“ ist nicht nur beides eingetreten, auch, dass es am spannendsten bei unterschiedlicher Meinung sei, hat sich in der angeregten Diskussion bewahrheitet. Und auch, dass man sich als Gruppe gut verstehe, kann man als Gast bestätigen: Der Umgang untereinander ist freundlich, alle Meinungen sind willkommen, falsch und richtig gibt es nicht. Damit nicht alle Teilnehmer die Bücher der Liste selbst kaufen müssen, erwirbt die Bücherei die Titel und reserviert sie für ein halbes Jahr für den Literaturkreis. „Eine tolle Symbiose“, schwärmt Langheinrich über die Zusammenarbeit mit der Bücherei. Dass die Bücherei am Abend des Literaturkreise eine halbe Stunde extra für die Teilnehmer geöffnet ist, wird ebenso sehr geschätzt. „Ganz toll ist auch, dass wir uns hier im Pfarrheim treffen können“, lobt Langheinrich das Entgegenkommen von Pfarrer Josef Kriechbaumer.

Obwohl man bei der Teilnehmerzahl fast an die Grenze gestoßen ist, steht der Literaturkreis neuen Besuchern offen. Auch Männern, betonen die Frauen. Bislang wird der Kreis nur von einem Mann regelmäßig besucht.

Das nächste Treffen ist am Montag, 10. Februar., ab 19.30 Uhr im Pfarrheim. Besprochen wird „Herkunft“ von Sasa Stanisic. Das autobiografische Buch erzählt, wie Stanisic aus Bosnien nach Deutschland kam. Der Roman, der mit dem Deutschen Buchpreis 2019 ausgezeichnet wurde, behandelt Themen wie Krieg und Demenz und stellt die Frage, wie verlässlich Erinnerungen sind. (Anne Huber)

Literaturtipps:

des Lengdorfer Literaturkreises:

Beide Romane stammen von Frauen, einer spielt in der Pseudoidylle einer Vorstadt in Ohio, der andere in Süditalien.

Celeste Ng: „Kleine Feuer überall“ und Francesca Melandri: „Eva schläft“.

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