Drohne, mit der Eier-Kapseln auf den Maiszünsler geworfen werden.
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Modernes Fluggerät mit biologischer Ladung: Diese Drohnen werfen Kapseln über den Feldern ab.

RWG überfliegt erstmals Felder mit Drohnen, die Kugeln mit natürlichen Feinden abwerfen

Mit Eier-Bomben gegen den Maiszünsler

  • Henry Dinger
    VonHenry Dinger
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„Seit den 90er Jahren ist der Maiszünsler der Hauptschädling beim Mais“, sagt Helmut Pflügler von der Raiffeisen-Waren GmbH Erdinger Land (RWG). Dem Kleinschmetterling rückt man nun mit modernem Gerät auf die Pelle: Die RWG überfliegt erstmals Felder mit einer Drohne.

Lengdorf - Helmut Pflügler, Spartenleiter Pflanzenschutz bei der RWG Erdinger Land, erklärt, dass der Maiszünsler weltweit jährlich etwa vier Prozent der Ernte vernichtet. „Davon könnten etwa 60 Millionen Menschen ernährt werden“. Im Frühsommer, wenn es etwa 15 bis 20 Grad Außentemperatur hat, werden die Schädlinge aktiv. Die Zünsler-Weibchen legen zwischen 400 bis 1000 Eier in Gruppen von etwa 50 Stück an den Blattunterseiten der Maispflanzen ab.

Nach zehn bis 14 Tagen schlüpfen die Raupen und fressen die Pflanzen an. Ob Blüten, Kolben oder Stängelmark – nichts bleibt von den Raupen verschont. Durch die offenen Stellen dringen Pilze ein, die Pflanzen werden geschwächt und gehen kaputt. Der befallene Mais taugt nichts mehr als Futter, sondern höchstens noch für die Biogasanlage.

Um die Zünsler zu bekämpfen, können die Landwirte die Chemiekeule schwingen. Aber die kann nicht mit voller Kraft zuschlagen, da die Insektizide nicht einfach aufs Feld zu bringen sind. Die Bulldogs würden mit ihren Rädern im Maisfeld viel Schaden anrichten, da es dort keine Fahrspuren gibt.

Dieses Feld bei Lengdorf ist dank Schlupfwespe und Drohne vom Zünsler verschont geblieben. Projektleiter Andreas Brand (l.) und Helmut Pflügler, Spartenleiter Pflanzenschutz bei der RWG Erdinger Land, zeigen die gesunden Pflanzen.

Eine wesentlich effizientere Methode ist es, den Zünsler von seinen natürlichen Feinden bekämpfen zu lassen, beispielsweise von Trichogramma-Schlupfwespen. Das sind sogenannte Ei-Parasiten, die nach der Paarung ihre Eier in die Eier der Maiszünsler legen, die sie von innen auffressen. Die Zünsler-Eier werden dadurch zerstört. Aus den Eiern der Wespen schlüpfen neue Schlupfwespen, die sich wieder Zünsler-Eier suchen. Das geht so lange, bis sie keine Gelege mehr finden. Die Schlupfwespen leben etwa eine Woche.

Um die Wespen aufs Feld zu bringen, werden die Wespeneier in Kugeln aus Maisstärke oder Cellulose gepackt und im Mais verteilt. Die Kugeln zersetzen sich vollständig. Um die Verteilung im Mais zu optimieren, werden seit diesem Jahr bei der Raiffeisen-Waren GmbH (RWG) Erdinger Land erstmals seit diesem Jahr im östlichen Landkreis Erding Drohnen eingesetzt.

Um den richtigen Zeitpunkt dafür zu ermitteln, werden Licht- oder Phäromonfallen eingesetzt, die die Flugaktivitäten des Falters per Monitoring überwachen. Dann geht’s zur Sache. Überflogen wird das Feld je nach Maisaufkommen und Stärke des Befalls ein- oder zweimal. Alle sieben Meter wirft die Drohne GPS-gesteuert eine Kapsel ab.

„Bei einem geplanten einmaligen Überflug werden pro Hektar 100 Kugeln mit jeweils 2200 Eiern verteilt“, erklärt Projektleiter Andreas Brand. Bei einem zweimaligen Flug sind es pro Termin im Abstand von zwei Wochen nur 1100 Eier pro Kapsel. Da aus 90 Prozent der Eier eine Larve schlüpft, tummeln sich dann drei Tage nach der Ausbringung bis zu 200 000 Schlupfwespen auf einem Hektar Maisfeld.

Wie Brand erklärt, wurden in diesem Jahr knapp 1600 Hektar Mais auf diese Weise von der RWG vor dem Zünsler geschützt. Die RWG kann aufgrund von Kooperationen auf eine Drohnen-Flotte von 15 Koptern und etwa 20 Piloten zugreifen. Dadurch kann auch flexibel aufs Wetter reagiert werden, denn zu kalt sollte es nicht sein.

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