Vor Ort diskutierte CSU-Bundestagsabgeordneter und Direktkandidat Andreas Lenz (l.) mit den Obergeislbachern; neben ihm Peter Frank.
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Vor Ort diskutierte CSU-Bundestagsabgeordneter und Direktkandidat Andreas Lenz (l.) mit den Obergeislbachern; neben ihm Peter Frank.

Unterschriftenaktion

Obergeislbach wehrt sich gegen die Bahn

Die Obergeislbacher haben eine Unterschriftenaktion gegen die ABS 38 gestartet. 108 Dorfbewohner haben die Liste signiert, die nun an MdB Andreas Lenz übergeben wurde. Unter anderem geht es um mangelhaften Schallschutz.

Obergeislbach – „Ein Dorf wehrt sich“, sagt Peter Frank. Der Gemeinderat in Lengdorf hatte eine Unterschriftenaktion initiiert, mit der 108 Obergeislbacher ihre Einwände gegen die ABS 38 unterstreichen. Das Schreiben wurde am Samstagnachmittag an den CSU-Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz übergeben. „Ein symbolischer Akt“, so Frank, „der aber den Einsatz und die Wertschätzung für das Dorf widergespiegelt hat“. Rund 50 Mitstreiter waren bei der Übergabe vor Ort.

Nahe der Ortschaft Obergeislbach wird künftig die Walpertskirchener Spange in die Bahnstrecke München–Mühldorf einmünden, deren zweigleisiger Ausbau und Elektrifizierung im Rahmen des Projekts ABS 38 geplant ist. Seit einigen Wochen liegen dafür die Planfeststellungsunterlagen vor. Die Gemeindeverwaltung Lengdorf hat gemeinsam mit den Gemeinderatsmitgliedern Bernhard Hartl und Frank sowie zwei Ingenieuren die Pläne eingesehen. Insbesondere die Themen Regenrückhaltebecken und Einleitung in den Geislbach oberhalb des Ortes, die fehlende Lärmschutzwand sowie die Baustellenzufahrt auf den Ortsstraßen bemängeln die Betroffenen.

Den Obergeislbachern wurde in einer Bürgerinformationsveranstaltung 2016 eine Lärmschutzwand versprochen. „Im Bereich von Obergeislbach sind ab Kilometer 36,1 bis zur Grenze des Planfeststellungsverfahrens keine aktiven Schallschutzmaßnahmen vorgesehen“, erklärte Frank den Sachverhalt und den daraus resultierenden Widerstand.

„Wir fordern, dass ein kompletter aktiver Schallschutz, beginnend am Ende des Troges bis 200 Meter nach dem derzeitigen Bahnübergang, erstellt wird“, heißt es in dem Schreiben, das die Obergeislbacher an die Regierung von Oberbayern richten. Und weiter: „Der aktive Schallschutz muss bereits im jetzigen Planfeststellungsverfahren berücksichtigt werden, da sonst Fakten geschaffen werden, die nicht mehr umkehrbar sind.“

Die Höhe der Schallschutzwände müsse zudem mindestens fünf Meter betragen. Hierbei könnten Schallschutzwände aus Kunststoff verwendet werden – ein Beitrag zur Wiederverwertbarkeit einerseits, zum anderen sind diese in der Regel bepflanzbar, was zu zusätzlicher Lärmminderung führe.

Damit nicht genug. Das geplante Regenrückhaltebecken mit einem Ablauf von 40 Liter pro Sekunde verursacht bei Anliegern des Geislbaches massive Probleme bei Starkregen. Bei einem weiteren Zulauf von 144 Kubikmetern pro Stunde in den Geislbach sei von größeren Überflutungen auszugehen: Aufgrund der Berechnungen mit einer Drosselung von 40 Litern/Sek. würde es bedeuten, dass bei einem Überlauf im Rahmen von Starkregen die Wassermenge zusätzlich und unkontrolliert in den Geislbach gelangt. Das würde die schon prekäre Situation massiv verschärfen. „Hier geht es darum, dass die Örtlichkeit des Regenrückhaltebeckens falsch geplant ist“, sagte Mitorganisator Anton Halbritter.

„Ich sage es nicht gerne, aber ich habe das Gefühl, die Bahn geht über Leichen. Wir müssen uns wehren“, argumentierte Frank. Bislang sei die Akzeptanz der Bahn in Obergeislbach stets gut gewesen, so der Gemeinderat. „Wir leben seit einer gefühlten Ewigkeit mit der Bahn – und wir leben gut mit ihr.“ Denn bei den Planungen damals hätten die Leute noch mitgedacht, meinte Frank. „Es wäre schade, wenn diese Akzeptanz verloren ginge.“

Der Direktkandidat für Erding und Ebersberg beteuerte nach der Übergabe, dass er die Unterschriften direkt an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer weiterleite, zudem schlug er ein Gespräch mit den Verantwortlichen der Bahn vor.

„Der Termin war wirklich okay“, bilanzierte Frank. Und Mitstreiter Christian Maier ergänzte: „Einwände, die man nicht macht, kann man später nicht nachholen.“ Schließlich habe man an der A 94 gesehen, dass einiges verkehrt gelaufen sei. Die Auswirkungen gehen dabei immer zu Lasten der Menschen – egal ob bei der Autobahn oder beim Bahnausbau.

MICHAELE HESKE

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