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Eingecheckt: Julian (l.) und Thomas Wittmann an Bord des Containerschiffs, das sie nach New York bringt.

Die Zündapp-Buam auf hoher See

Sehnsucht nach Espresso und Schokolad’

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Die erste Etappe ist geschafft: Die beiden Wittmann-Brüder Julian und Thomas haben auf ihrer Reise mit zwei Zündapp-Mopeds nach Amerika Antwerpen erreicht. Dort haben sie auf einem Containerschiff eingecheckt und sind derzeit unterwegs nach New York. Schon jetzt gibt es viel zu erzählen.

Lengdorf/Antwerpen – Ende August sind Julian (25) und Thomas (22) Wittmann mit ihren babyblauen, 50 Jahre alten Zündapp-Mopeds vom Typ C50 Super in das Abenteuer ihres Lebens aufgebrochen. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 40 km/h sind sie seither unterwegs, um Las Vegas in den Vereinigten Staaten zu erreichen. Alma und Berta haben die beiden Brüder ihre Mopeds getauft. Und Alma hat bereits einmal schlapp gemacht: In Rheinland-Pfalz gab es Probleme mit der Schaltung. Julian konnte nicht mehr vom zweiten in den dritten Gang schalten. Die Zündapp musste in die Werkstatt.

Das Problem konnte dort gelöst werden, und dann ging es schon weiter nach Köln. Dort am Dom staunten nicht nur die Wittmann-Brüder, sondern gefühlt auch „10 000 Japaner“ über die bayerischen Abenteurer in Lederhosen. „So vui Leid“, das war den Brüdern „z’vui“. Und so ging es gleich weiter.

Die Brüder wollen auf ihren über 50 Jahre alten Gefährten durch die Vereinigten Staaten tuckern

Ungemütlich ist es schon zuvor in der ersten Nacht nach dem Start noch in Bayern geworden. Denn entgegen der ursprünglichen Planung fuhren die Brüder erst nach Bad Reichenhall, um von dort aus ganz Bayern zu durchqueren. Julian und Thomas haben die erste Nacht in einem uralten Zugwaggon geschlafen. Das Wort „Zug“ hat dort eine ganz andere Bedeutung bekommen: Im Waggon war’s saukalt. Und der Wagen habe „scheinbar noch die Grippeviren aus dem 19. Jahrhundert gespeichert – Thomas hat’s überstanden, mich hat’s leider niedergestreckt“, schreibt Julian in seinem Reisetagebuch. Und so ging’s kränklich in Richtung Belgien weiter. Duschen konnten sich die Abenteurer erst Tage später in Olching, wo die beiden die Nacht bei einer Familie verbringen durften. Über Augsburg fuhren sie dann nach Rheinland-Pfalz. Dort haben die Brüder wegen der erwähnten Moped-Panne nicht nur Pech, sondern auch viel Glück gehabt: Sie lernten die Familie Schneider kennen, schreibt Thomas im Reisetagebuch, von der sie mit einem „Festmahl“ und „wunderbaren Schlafplätzen“ umsorgt wurden. Und was gibt es in einem Weinland? Richtig: Wein! Dem haben die Brüder an diesem Abend offenbar umfangreich zugesprochen – mehr verraten die beiden Lengdorfer nicht.

In Antwerpen angekommen, haben die Wittmanns auf ihrem Containerschiff „angeheuert“. Die Brüder haben eine eigene Kabine. Geladen hat das Schiff „4000 Container und zwei Zündapps“, berichten die Brüder begeistert.

Doch was das Essen angeht, so scheint es, haben sie während der Überfahrt nach New York nicht gerade paradiesische Zustände. Im Video sind beide zu sehen, wie sie in einem Teller mit Nudeln und Hähnchenschenkeln herumstochern. Wenig später zeigen sie ihre Kabinen-Toilette – und die zwei Rollen Klopapier, die ihnen bereitgestellt wurden. „Es gibt irgendwie keine gscheide Verpflegung, nix Siaß, gar nix“, klagt Julian wenig später frustriert und etwas blass um die Nase im Bett liegend. Und Thomas, der gerade auf Deck umherstrawanzt, schiebt nach: „I hätt so gern an Espresso und an Schokolad’ ...“

Das ist bislang die letzte Nachricht, die die Amerika-Eroberer abgesetzt haben – bei einem Zwischenstopp in Liverpool. Während der weiteren Überfahrt auf dem Atlantik nach New York gibt es keine Internetverbindung.

Die Idee zu der ungewöhnlichen Reise ins 11 000 Kilometer entfernte Las Vegas ist im Frühjahr in einem Münchner Biergarten entstanden. Dort übermannte Julian Wittmann ein Drang, in die weite Welt zu reisen. Er erzählte seinem Bruder von dieser Fernwehattacke – so entstand das Projekt, das die beiden „Ausgrissn“ nennen. Der Titel steht für die Suche nach „a bissal Freiheit“. In Amerika wollen Julian und Thomas erleben, wie frei man sich dort wirklich fühle.

Begleitet werden sie von einem Kamerateam, das ihnen im Wohnmobil folgt. Entstehen soll ein Roadmovie, ein Dokumentarfilm, der 2019 in die Kinos kommt.

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