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Die Besten ihrer Zunft (v. l.): Andreas Schütz, Landrat Martin Bayerstorfer, Sina Bachmaier, Lengdorfs Bürgermeisterin Gerlinde Sigl, Julian Simon Obermaier, Kreishandwerksmeister Rudi Waxenberger, Janik Büscher u nd Umweltministerin Ulrike Scharf.

Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft

So wenige Azubis wie nie zuvor

Lediglich 40 junge Handwerker – und damit sieben weniger als im Vorjahr – haben bei der Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft ihre Gesellenbriefe erhalten. „So wenig wie noch nie“, stellte Kreishandwerksmeister Rudi Waxenberger mit großem Bedauern fest.

Lengdorf Die Kreishandwerkerschaft hatte zur Freisprechungsfeier nach Lengdorf ins Gasthaus Menzinger eingeladen. Die Gesellenbriefe überreichte Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf.

Kreishandwerksmeister Rudi Waxenberger bedauerte in seiner Begrüßung die geringe Anzahl an Absolventen.

Besonders deutlich zeigt sich der Nachwuchsmangel in der Lebensmittelbrache: Heuer gab es jeweils nur einen Bäcker- und einen Metzgerlehrling, der seine Ausbildung abgeschlossen hat. Den Beruf der Bäckerei-Fachverkäuferin haben nur zwei junge Frauen gelernt, keinen Abschluss gab es bei den Metzgerei-Fachverkäufern. Dagegen haben 15 junge Leute den Beruf des Schreiners und 14 das Friseurhandwerk erlernt; auch sieben junge Zimmerer haben den Gesellenbrief in der Tasche.

Auch bei den Ausbildungsplätzen ist der positive Trend des Vorjahrs bereits wieder Makulatur: Waren es 2016 noch 287 junge Leute, die eine Ausbildung in einem der 2487 Handwerksbetriebe des Landkreises begonnen haben, sind es heuer nur noch 261. Für Kreishandwerksmeister Waxenberger liegt der Grund, dass die Zahl der neu eingestellten Auszubildenden im Durchschnitt stetig abnimmt, im ungebrochenen Trend zu Schule und Studium. Dabei sei ein Bachelorabschluss noch lange kein Garant für hohes Einkommen. Es nütze wenig, eine wissenschaftliche Abhandlung über das Einschlagen von Nägeln verfassen zu können, wenn man in der Umsetzung nicht in der Lage sei, „den Nagel auf den Kopf zu treffen“. Handwerker hätten vielen Akademikern voraus, dass sie mit dem Gesellenbrief über ein sicheres Fundament für ihre weitere berufliche Laufbahn verfügen.

Mit der Gleichsetzung von Meisterbrief und Bachelor, mit der eigentlich die berufliche Bildung gestärkt werden sollte, ist Waxenberger nicht einverstanden. Die Defizite, die eine Hochschulbildung beinhalte, „setzen einen Bachelor keineswegs mit dem Handwerksmeister gleich“, betonte er. Nach dem 2013 beschlossenen Deutschen und Europäischen Qualifikationsrahmen entspricht ein Abschluss als Bachelor, Techniker oder Meister dem Niveau sechs; eine berufliche Erstausbildung wird dem Niveau vier zugeordnet.

Einig waren sich die Redner, zu denen neben Waxenberger auch Lengdorfs Bürgermeisterin Gerlinde Sigl und Landrat Martin Bayerstorfer gehörten, in ihrer Einschätzung des lebenslangen Lernens. „Die Technik bleibt nicht stehen, die gesellschaftlichen Herausforderungen gehen weiter“, ermahnte Sigl die Handwerksgesellen, die Freisprechung nicht als „Ende der Fahnenstange“ zu betrachten.

Landrat Bayerstorfer appellierte an die Eltern, den Handwerksberuf „positiv darzustellen“. Oft sei bei der Wahl zwischen beruflicher und schulischer Bildung „der Ehrgeiz der Eltern höher als das Leistungsvermögen der jungen Menschen“. Zwar fänden auch im Landkreis Erding die Handwerker nicht genug Nachwuchs, trotzdem sei Erding „ein Beispiel, wie mit mittelständischen Unternehmen, Handwerksbetrieben und Dienstleistungsbetrieben Wohlstand erreicht werden kann“.

Auch im Hinblick auf die Bundestagswahl appellierten die Redner an die gesellschaftliche Verantwortung der freigesprochenen Gesellen. Da es immer mehr Kräfte gebe, „die nach rechts abdriften“, sei es die Pflicht jeden Bürgers, sich bei den Wahlen für die Demokratie einzusetzen, sagte Waxenberger.

Unterhalten wurden die Besucher der Freisprechungsfeier von Sara Brandhuber. Die sympathische Musikkabarettistin, die heuer den St.Prosper-Kabarettpreis und einen Dialektpreis gewonnen hat, gab Einblicke ins Leben als unverstandene Ehefrau und unbegabte Hobbygärtnerin. Bei „Do dadiat a da“ sang sogar das Publikum mit, auch wenn es im Gegensatz zu der Liedermacherin kein Jodeldiplom aufweisen konnte.

Der vom Obermeister der Schreinerinnung, Martin Vilgertshofer, gefertigte Handwerker-Oscar ging an Zimmerer Janik Büscher (Ausbildungsbetrieb Georg Lippacher, Ottenhofen). Büscher bekam auch den Schlüssel für den VW Up überreicht, den der Jahrgangsbeste der fünf Innungen für ein Jahr von der Kreishandwerkerschaft bekommt. Weitere Innungsbeste sind: Friseurin Sina Bachmaier (Salon h-Kult, Armstorf), Metzger Andreas Schütz (Metzgerei Feckl, Schwindkirchen) und Schreiner Julian Simon Obermaier (Schreinerei Thalmeier, Dorfen).

Anne Huber

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