Rathauschefin Michèle Forster vor ihrem Büro.
+
Rathauschefin Michèle Forster vor ihrem Büro.

100 TAGE IM AMT

Lengdorfs Bürgermeisterin Michèle Forstmaier: Spagat zwischen Entwickeln und Bewahren

Seit 100 Tagen ist Lengdorfs Bürgermeisterin Michèle Forstmaier im Amt. Und sie ist schon gefordert, etwa im Gewerbegebiet und was dort entstehen soll.

Lengdorf – Michèle Forstmaier hat während der ersten Monate ihrer Amtszeit als Lengdorfer Bürgermeisterin bereits viele Erfahrungen sammeln können. „Die Vielfalt der Dinge, mit denen man es täglich zu tun hat, ist sehr interessant und spannend“, sagt sie über ihre Arbeit im Rathaus.

Die Frage, ob in der 2800-Einwohner-Gemeinde Discounter, Hotel und Tankstelle im geplanten Gewerbegebiet entstehen sollen, bestimmt auch das aktuelle Tagesgeschäft der Verwaltung. „Ich habe den Vertrag übernommen, jetzt muss geprüft werden, wie er umzusetzen ist“, sagt sie. Details des Vertrags könne sie der Bevölkerung nicht nennen, das verbiete ihr die Gemeindeordnung, sagt sie. So gut sie viele Argumente der Kritiker verstehen könne, gebe es andererseits aber viele Lengdorfer Bürger, die sich einen Discounter im Ort wünschten. „Für mich gilt, was ich bereits im Wahlkampf gesagt habe, dass wir den Spagat schaffen müssen zwischen der Weiterentwicklung und dem Bewahren des Bestehenden“, betont sie.

Doch Forstmaier hat noch andere Probleme, die sie aktuell beschäftigen. „Für den Anfang sind es viele schwierige Themen, die dringend anstehen, das macht es nicht ganz leicht“, sagt sie über fehlende Plätze in der Kinderbetreuung und Kläranlage. Weil man die notwendige Erweiterung des Kindergartens nicht so schnell schaffen werde, müsse eine Zwischenlösung gefunden werden. „Wir brauchen eine schnelle Lösung für nächstes Jahr“, sagt sie. Froh ist sie über die Unterstützung durch den Verein Bockhörnchen und das Isener Kinderland, in dem einige Kinder aus Lengdorf einen Platz gefunden haben. Und dann gibt es noch die Kläranlage, für die die wasserrechtliche Genehmigung im nächsten Jahr ausläuft. „Ich gehe davon aus, dass wir erweitern müssen, wie genau wird im wasserrechtlichen Bescheid stehen, den wir neu beantragen müssen.“ Relativ problemlos sei der Breitbandausbau, den ihre Vorgängerin und der frühere Gemeinderat auf den Weg gebracht haben. Und auch bei der Digitalisierung der Schule sei man auf einem guten Weg, berichtet die Bürgermeisterin.

Ein großes Thema bliebe dagegen Corona. „Bei der Einkommensteuer kann es durchaus zu Minderungen kommen“, befürchtet sie. Die wirtschaftliche Lage der Betriebe im Ort sei gut. „Ich habe von keinem Unternehmen gehört, das in eine wirtschaftliche Schieflage geraten ist“, sagt Forstmaier, vielmehr seien deren Auftragsbücher voll. Da bei der Gewerbesteuer die Staatsregierung versprochen habe, die Fehlbeträge aufzufangen, würden sich eventuelle Mindereinnahmen nicht zu Lasten der Gemeinde auswirken. Zwar hofft die Bürgermeisterin vor allem für die Kinder und Eltern der Gemeinde, dass es nicht zu einem erneuten Lockdown kommen werde. Sollte das gesellschaftliche und soziale Leben aber wieder heruntergefahren werden, „muss man damit zurecht kommen“. Den ersten Lockdown hätten die Lengdorfer Bürger gut verkraftet. „Ich denke, dass sich viel im familiären Umfeld abgespielt hat“, meint sie dazu, dass die Angebote für Einkaufshilfen so gut wie nicht angenommen worden seien. Extra nachgefragt habe sie, ob es wegen Homeschooling zu Problemen gekommen sei. Da die Schule im ständigen Kontakt mit den Eltern gewesen sei, sei es jedoch nicht zu gravierenden Problemen gekommen, so Forstmaier.

Doch auch am Rathaus selbst ist Corona nicht spurlos vorbeigegangen. Am deutlichsten habe sich die Pandemie bei den Eheschließungen bemerkbar gemacht, bei denen höchstens zehn Personen anwesend sein durften. Um den Auflagen gerecht zu werden, hat die Kommune die Trauungen in den Schulungsraum des neuen Geräteshauses der Feuerwehr verlegt. Auch ihre erste Trauung hat Forstmaier bereits hinter sich, allerdings in Zusammenarbeit mit Rathausmitarbeiterin Anna Hölzl. Aufregend sei es trotzdem gewesen, denn Trauungen seien für sie eine ganz besondere Ehre. „Es ist wichtig, dass man die Traurede passend und ansprechend macht, da macht man sich schon viele Gedanken“, sagt die 49-Jährige. Insgesamt habe sie sich ihr Amt so vorgestellt, meint sie. Überrascht habe sie die Vielzahl der Anrufer, die ihr die diversen Anliegen persönlich vortragen wollten. Und ganz positiv überrascht sei sie auch von ihrer Familie, die stolz auf sie sei. „Auch wenn meine Söhne merken, dass die Mama nicht mehr ganz so viel für sie da ist.“

Anne Huber

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Geheimplan für Airport-Arena: Manipulation? Riesen-Projekt am Flughafen - Kritiker warnen vor Kollaps
Geheimplan für Airport-Arena: Manipulation? Riesen-Projekt am Flughafen - Kritiker warnen vor Kollaps
Angela Aschers Geheimmission mit König Ludwig II.
Angela Aschers Geheimmission mit König Ludwig II.
Erdingerin in München vermisst: Polizei gibt Entwarnung
Erdingerin in München vermisst: Polizei gibt Entwarnung
Corona: Fünf neue Infektionen
Corona: Fünf neue Infektionen

Kommentare