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Diskussionsbedarf: Auch Fritz Gruber (links am Rednerpult), Vorsitzender der Jagdgenossen im Bauernverband, forderte höhere Streckenzahlen bei Wildschweinen.

Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossen

Tausende Wildsauen auf der Abschussliste

Die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest treibt auch die Landwirte im Landkreis Erding um. Bei der Versammlung der Arbeitsgemeinschaft Jagdgenossenschaften im Bayerischen Bauernverband forderten sie deutlich höhere Abschusszahlen von Wildschweinen.

Lengdorf Weil Schwarzwild im begründeten Verdacht steht, die Afrikanische Schweinepest (ASP) zu verbreiten, wollen die Bauern des Landkreises alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Sauenbestand zu dezimieren. Auch derzeit noch verbotene Nachtzielgeräte, revierübergreifende Drückjagden und der sogenannte Saufang sollen zum Einsatz kommen, damit verhindert werden kann, dass Wildschweine erkranken und die tödliche Seuche an Hausschweine weitergeben. Dass sich trotz der jährlich abgeschossenen Tiere – 200 sind es derzeit in den Wäldern des Landkreises – der Bestand schnell erholt, führte Andreas Tyroller von der Hauptgeschäftsstelle Oberbayern des Bayerischen Bauernverbands (BBV) als Hauptargument für höhere Abschusszahlen ins Feld.

Diese „dringende und drastische Bestandsreduzierung“ sei durch verschiedene Maßnahmen zu erreichen: Beschränkung der Kirrung und strukturelle Bejagung, darunter verseht Tyroller die gezielte Entnahme von Bachen als „Hauptzuwachsträger und Intelligenz“ vor der Drückjagd. Außerdem revierübergreifende Drückjagden und Erntejadgen, Frischlingsfang und Lebendfallen, um den Abschuss ganzer Rotten zu ermöglichen. „Keine Maßnahme ist die allein seligmachende, sie brauchen das ganze Klavier“, sagte Tyroller. Er rief die Bauern außerdem auf, den Jagdschein zu machen, um selbst auf die Jagd auf Sauen gehen zu können.

Michael Hamburger, Vizechef des Bauernverbands im Landkreis, rechnete vor, dass zu wenig Tiere im Kreis Erding geschossen würden. „Ich schätze, dass 800 Wildschweine da sind“, sagte er. Gehe man von einer Vermehrungsrate von 300 Prozent aus, sei am Jahresende mit 3200 Sauen zu rechnen. Künftig müssten demnach 2400 Wildschweine geschossen werden, um den Bestand klein zu halten und ASP auszuschließen.

Ganz so drastisch sahen es weder Landrat Martin Bayerstorfer noch Ulrike Scharf, Ministerin für Umwelt und Verbraucherschutz. Die ASP bezeichnete Scharf als „Gefahr, die vor unserer Haustür steht“ und „ausgesprochen ernste Angelegenheit“. Eine „wichtige Anreizfunktion“ ist für sie die Abschussprämie in Höhe von 20 Euro für abgeschossene Frischlinge, Überläufer und Bachen. 1,5 Millionen Euro stellt ihr Ministerium 2018 dafür bereit.

Zu wenig, befand Hans Schwimmer, der frühere BBV-Kreisobmann. Der Topf würde allein von Franken ausgeschöpft, befürchtete er. Denn dort gebe es bis zu 20 Mal mehr Wildschweine als beispielsweise in Erding.

Der Landrat möchte dem „unwahrscheinlich hohen Gefährdungspotenzial“ durch ein „Bündel von Maßnahmen“ begegnen. Dazu gehören für ihn die Arbeitsgruppe, sich im Landratsamt formiert habe und die Erleichterung von Straßensperrungen bei Drückjagden oder die Genehmigung von Nachtzieltechnik.

Großer Diskussionsbedarf bestand bei rund 150 Besuchern. Bernhard Hartl fragte nach der Einsatzmöglichkeit von (derzeit noch zu teuren) Drohnen. Um Nachtzielgeräte ging es Sabine Berger, während Schwimmer sogar den Einsatz des Militärs ins Auge fasste. „Wenn ihr es nicht im Griff habt, müssen uns andere helfen“, sagte er.

Einen schweren Stand hatte bei der Versammlung Thomas Schreder, Vorsitzender des Kreisjagdverbands, und verantwortlich für 550 der 600 ehrenamtlichen Landkreisjäger. Er versicherte, dass die Jäger alles tun würden, um genug Wildschweine zu schießen. Schreder appellierte an die Jagdgenossen und die Jagdpächter, sich nicht auseinanderzudividieren lassen. Sein Hinweis, dass der Mensch das größte Risiko bei der Übertragung der Seuche darstelle, war hingegen kaum Gegenstand der Diskussion. Lediglich Bayerstorfer wies darauf hin, „dass auch wenn die Wildschweinpopulation gegen Null geht, wir nicht gewappnet sind, dass keine ASP kommt“. Das Virus, das 2014 zum ersten Mal bei einem Wildschwein in Estland gefunden wurde und sich rasant im Baltikum und Polen verbreitet hat, wird nämlich in erster Linie durch Lastwagen, Handel und Saisonarbeiter übertragen, sind sich Experten einig. Da auch Hausschweine an ASP erkranken können, stellt es eine wirtschaftliche Gefahr für Schweinehalter dar. Durch sein Auftreten in Tschechien, wo eine erkrankte Wildschweinpopulation erfolgreich in Quarantäne genommen worden konnte, ist es näher an Deutschland gerückt.

Anne Huber

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