Breitbandausbau

Telekom erschließt jetzt doch ganz Lengdorf

Die Deutsche Telekom rudert zurück. Sie wird jetzt doch das Breitbandnetz in einzelnen Ortsteilen von Lengdorf ausbauen. Bürgermeisterin Gerlinde Sigl hatte den Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz (CSU) um Hilfe gebeten.

Lengdorf Die Überraschung im Lengdorfer Rathaus war groß, als die Telekom Ende März 2017 auf Nachfrage der Verwaltung mitteilte, dass kein weiterer Eigenausbau geplant sei. Schließlich lag der Kommune eine schriftliche Zusage für den Eigenausbau aus dem Jahr 2014 vor. Auf der sicheren Seite wähnte sich die Gemeinde auch deshalb, weil die Telekom bei einer Infoveranstaltung zugesichert hatte, dass das schnelle Internet bis Februar/März 2017 in den Ortsteilen verfügbar sei.

Im Rahmen des zweiten Markterkundungsverfahrens 2016 hatte sich dann herausgestellt, dass die Telekom ursprünglich vorgesehene Eigenausbaugebiete gestrichen hatte. Für Inner- und Außerbittlbach, Daiglspoint und Furtarn baute Lengdorf weiterhin auf die Telekom, die bereits Lengdorf-Ort und Niedergeislbach erschlossen hat. Für das Gebiet Obergeislbach, Kopfsburg und Badberg, wo es zu Problemen zwischen dem Internetanbieter 4steps und der Telekom gekommen war, hatte die Gemeinde bereits umdisponiert: Die Ortsteile wurden vorsorglich in das aktuelle Förderprogramm des Bundes aufgenommen. 4steps besitzt in diesem Bereich das Recht auf Kollokation und darf den Hauptverteiler mitbenutzen.

„Ich bin eigentlich nicht der Typ, der sich gleich an die Politik wendet“, sagte Sigl zu dem Schritt, den sie nach Erhalt der ablehnenden Auskunft im März unternommen hatte. Sie schilderte Andreas Lenz, der für ihre Partei im Bundestag sitzt, die Sachlage und bat ihn um Unterstützung. Die Antwort der Telekom fiel nach der Anfrage des Abgeordneten an die Konzernspitze für die Gemeinde positiv aus. In der Kommunikation zwischen Unternehmen und Kommune sei es offenbar zu Missverständnissen gekommen, hieß es. Zudem liege es in der Natur der Sache, dass sich Ausbauplanungen in den Zeitabläufen ändern könnten, teilte Telekom-Vorstandsmitglied Niek Jan van Damme dem Abgeordneten mit. Der Sprecher der Telekom-Geschäftsleitung bestätigte ausdrücklich, dass die Telekom entsprechend ihrer Aussage aus dem Jahr 2014 plane, die betreffenden Ortsteile auszubauen.

Unkompliziert gestaltet sich die Breitbandförderung durch den Bund. Der Zuwendungsbescheid, den die Kommune Anfang August erhalten hat, beläuft sich auf rund 1,1 Millionen Euro. Zu der Summe, die 50 Prozent der Gesamtbaukosten deckt, kommt die Kofinanzierung des Freistaats in Höhe von 603 336 Euro. Rund 400 000 Euro Kosten bleiben damit der Gemeinde. Die Maßnahme umfasst 20 Kilometer Tiefbau. 159 Kilometer Leerrohre werden neu geschaffen und 360 Kilometer Glasfaser verlegt. „Nach Ende der Maßnahme werden 248 Haushalte und 30 Unternehmen zuverlässig mit Bandbreiten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde versorgt“, heißt es dazu im Rathaus. Die Gemeinde wird bei dem Verfahren von der Firma MRK-Media aus München unterstützt.

Bürgermeisterin Sigl rechnet damit, dass bis zum Jahresende die Vergabe erfolgt ist. Sollte alles glatt laufen, dann dürften auch die restlichen Außenbereiche bis Ende nächsten Jahres über schnelles Internet verfügen. „Dann sind die letzten weißen Flecken verschwunden“, freuten sich die Gemeinderäte.

Anne Huber

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