Jahreshauptversammlung

Versammlung Kreisjagdverband Erding: "Waidmänner sind auch Naturschützer"

Lengdorf - Die Erdinger Jäger möchten in der Öffentlichkeit stärker als Naturschützer wahrgenommen werden. Das war das große Anliegen von Thomas Schreder, dem Vorsitzenden des Jagdverbandes im Landkreis, bei der Jahreshauptversammlung in Lengdorf.

„Jagd ist Naturschutz, Jagd ist Artenschutz, Jagd ist Kultur und Umweltbildung und ehrenamtliches Engagement. Daneben liefert es noch hochwertiges Wildbret“, fasste Schreder vor zahlreichen Besuchern der Jahreshauptversammlung im Gasthaus Menzinger die Aufgaben und Leistungen der Jäger zusammen. 527 Jäger seien in den 101 Jagdrevieren des Landkreises aktiv und würden - entgegen der landläufigen Meinung - immer mehr Aufgaben übernehmen, die den Naturschutz betreffen. Denn Jagd, so Schreder, sei mehr als die Erfüllung des Abschussplans: „Von unseren Hegemaßnahmen profitieren alle Lebewesen, die es im Ökosystem Wald und Feld gibt“.

Dennoch bereitet dem Kreisjagdchef Sorgen, dass sich die Lebensräume für viele Wildarten im Landkreis verschlechtern. „Wir wissen nur noch aus Erzählungen, dass es viele Rebhühner in der Erdinger Flur gab“, ging er auf den dramatischen Rückgang des heimischen Wildhuhns ein. Obwohl die Erdinger Jäger bereits seit längerem auf die Bejagung des Wiesenbrüters verzichteten, hätten sich die Bestände nicht erholt, konstatierte er.

Auch dem Hasen kämen die Jäger nicht mehr so oft wie früher auf die Spur. Statt zuzuschauen, „wie der Hase im Landkreis ausstirbt“, plädierte Kreisvorsitzender Schreder für eine Optimierung der Lebensraumgestaltung durch so genannte „Hasenapotheken“, also Ackerrandstreifen und Brachflächen.

Denn obwohl „Naturschutz nicht unter der Käseglocke“ stehen brauche, sondern mit Nutzung verbunden sein könne, bedürfe es besonderer Maßnahmen, um die Diversität zu erhalten. Als aktuelles Beispiel für die gemeinsamen Anstrengungen von Gemeinden, Jägern und Landwirten nannte der das Wildland-Naturschutzprojekt im Isental, wo man dafür sorgen wolle, dass Niederwildbestände und Wiesenbrüter wieder hochkommen können.

Aber deutsche Jäger kümmerten sich nicht nur um den Naturschutz, sie würden auch Aufgaben wie Seuchenprävention, Wildunfallverhütung, Wildschadensverhütung und Fallwildentsorgung übernehmen und dem Staat dadurch jährlich 2,2 Milliarden Euro sparen helfen. „Jagd ist kein reines Hobby“, sagte er. So seien die Erdinger Jäger auch bei der außerschulischen Umweltbildung aktiv; mehrere Tausend Kinder seien von Ehrenamtlichen an die Natur herangeführt wurden.

Themen der Jahreshauptversammlung waren auch Biber und Wildschweine. Während die Jäger beim Biber „nicht vorhaben, die Rechnung für das zu zahlen, was andere eingebrockt haben“, und sich gegen eine Aufnahme des Bibers ins Jagdrecht aussprechen, sehen sie sich beim Wildschwein in der Verantwortung. „Das Wildschwein lässt sich nicht ausradieren“, sagte Schreder. Denn die Schweine fänden durch Anbau von Raps und Mais ideale Lebensgrundlagen. „Ich versteh’ die Landwirte, wenn sie sich ärgern, dass ihre Felder umgegraben werden“, erklärte Schreder. Er gab aber zu bedenken, dass sich ohne Jäger der Bestand in einem Jahr vervierfachen würde.

Auch auf Verbrauchersicherheit kam Schreder zu sprechen. So wird der Kreisverband ein Messgerät anschaffen, um Wildbret auf radioaktives Cäsium untersuchen zu können. „Was auf den Teller kommt, muss erstklassig sein“, forderte Schreder. Dass die Erdinger Jäger „der Riesen-Nachfrage nach dem heimischen und hochwertigen Produkt“ nicht nachkommen können, stellte der Vorsitzende zum Schluss der von den Jagdhornbläsern musikalisch stimmungsvoll gestalteten Versammlung fest.

Von Anne Huber

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