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Viele Glückwünsche zum Geburtstag: Anni Karrer (vorne, M.) im Kreis ihrer Familie und Gratulanten. 

Anni Karrer 90

Vielen Bäuerinnen zu einer Waschmaschine verholfen

Zusammen mit Familie und Freunden hat die ehemalige Lengdorfer Gemeinde- und Kreisrätin Anni Karrer ihren 90. Geburtstag gefeiert.

Lengdorf – Den Blick auf ihre ereignisreichen Lebensjahre fasste sie mit den Worten zusammen: „Ich bin froh, dass mir der Herrgott immer die Kraft gegeben hat weiterzumachen.“ Musste die Jubilarin doch mit dem frühen Tod von Ehemann Josef im Jahr 1968 und fast 50 Jahre später von Sohn Gerhard große Schicksalsschläge bewältigen.

Geboren und aufgewachsen ist die Jubilarin in Lohkirchen in der Gemeinde Fraunberg. Weil es früher geheißen habe, „was vom Bauern kommt, muss beim Bauern bleiben“, hat Karrer keinen Beruf gelernt. Vielmehr hat sie nach der Volksschule zunächst in der elterlichen Landwirtschaft mitgearbeitet und die Hauswirtschaftsschule besucht. Nach der Hochzeit lebte und arbeitete sie zusammen mit ihren Mann auf dem Hof in Gmain bei Lengdorf. Die drei Söhne hat sie dann aber nahezu allein großziehen müssen, denn 1968 ist ihr Mann im Alter von 46 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben.

Bereits 1956, ein Jahr nach der Hochzeit, ist Karrer zur Ortsbäuerin gewählt worden. Türöffner für das Ehrenamt, das sie viele Jahre ausgeübt hat, war ihr Engagement in der Landjugend. „Die haben sich gesagt, wenn sie das eine gut gemacht hat, kann sie das auch“, begründet sie, dass die Wahl auf sie fiel, als das neue Ehrenamt etabliert wurde. Unzählige Bildungsveranstaltungen, Ausflüge und Fortbildungen hat sie in der Zeit als Ortsbäuerin organisiert. Anfang der 60er Jahre war es dann, dass Karrer vielen Bäuerinnen zu einer Waschmaschine verhalf. Weil sie erkannte, welche Arbeitseinsparung die großartige Erfindung bedeutete, hat sie ihre Landfrauen zu Werbeveranstaltungen eingeladen.

Doch Karrer war nicht nur im Bauernverband aktiv, sie engagierte sich auch in der Kommunalpolitik. Von 1978 bis 1990 saß sie als erste Frau im Lengdorfer Gemeinderat, von 1991 bis 2002 gestaltete sie als Kreisrätin die Kreispolitik mit. Daneben fand sie Zeit, regelmäßig für das Landwirtschaftliche Wochenblatt Berichte aus dem Landkreis zu verfassen. Früher hatte sie „oiwei den Stift im Schürzentascherl“, um sich Gedanken schnell notieren zu können. Noch heute sind ihre Gedichte bei Geburtstagen und Feiern der Lengdorfer Senioren beliebt. Doch die Jubilarin hält sich nicht nur geistig fit, für ihre körperliche Fitness sorgt sie durch regelmäßigen Besuch der Damengymnastik.

Besonders gefreut hat sie, dass ihre Mitstreiterinnen aus dem Bauernverband, unter ihnen auch Marianne Rötzer und Anni Hartl, sowie Landrat Martin Bayerstorfer und Bürgermeisterin Gerlinde Sigl ihrer Geburtstagseinladung gefolgt waren. anne Huber

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