So könnte das Kernnetz, also das Lengdorfer Ortszentrum zwischen Kreuzberg und Bergfeld einmal mit Regionalwärme versorgt werden. Grafik:: FEiks/Riedl/Obermeier
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So könnte das Kernnetz, also das Lengdorfer Ortszentrum zwischen Kreuzberg und Bergfeld einmal mit Regionalwärme versorgt werden.

Geplantes Nahwärmenetz

Wärme aus Lengdorf für Lengdorf

Die Genossenschaft Regionalwärme steht in Lengdorf kurz vor der Gründung. 115 Hausbesitzer sind schon zur Mitgliedschaft bereit, weitere Interessenten werden aber durchaus noch gesucht.

Lengdorf – Die Genossenschaft Regionalwärme Lengdorf steht kurz vor der Gründung. Aktuell wird davon ausgegangen, dass 115 Lengdorfer bereit sind, Mitglied zu werden und ihre Häuser mit der Abwärme aus den Biogasanlagen in Hauzenöd und Mehnbach zu heizen. Um das Projekt noch wirtschaftlicher zu gestalten, werden weitere Hausbesitzer gesucht, die sich beteiligen.

„Da es aus wirtschaftlicher Sicht nicht möglich ist, dass 115 Hausbesitzer ein Netz hochziehen, das das Potenzial hat, ganz Lengdorf zu versorgen, bitten wir Interessenten, sich unbedingt in den nächsten Wochen zu melden“, erklärt Mitinitiator Franz Obermeier und ruft zur Teilnahme auf. In einer Online-Veranstaltung ließen sich rund 100 Teilnehmer von ihm über den technischen Aspekt des Projekts unterrichten. Ingenieur Christian Feiks stellte die Machbarkeitsstudie vor, Max Riedl informierte über genossenschaftliche Belange.

Dass die Vorteile der Regionalwärme auf der Hand liegen, darin waren sich die Initiatoren einig: „Die Wärme kommt aus der Region, die Wertschöpfung bleibt in der Region. Für 6500 Euro Genossenschaftsanteil, einen monatlichen Grundbetrag von 25 Euro und einen Nettowärmepreis von unter sieben Cent pro Kilowattstunde, bekommt ihr ein Nahwärmenetz, den Hausanschluss und die Übergabestation.“ Das endgültige Konzept stehe noch nicht fest, erklärte Obermeier.

Was relativ sicher ist: 500 der benötigten 1200 kW Leistung stammen aus den beiden Biogasanlagen. Dazu kommen zwei Hackschnitzelkessel, die ebenfalls 500 kW liefern können. Um die Spitzenlast zu gewährleisten und eventuelle Ausfälle zu kompensieren, ist ein Ölkessel mit 750 kW geplant. Damit kommen im Normalbetrieb mehr als 70 Prozent der Energie aus den beiden Biogasanlagen, rund 25 Prozent aus den Hackschnitzelanlagen und nur zwei Prozent aus der Ölheizung. „Das sind ganz grob 8000 Liter Heizöl im Jahr“, sagte Obermeier dazu.

Die konkreten Projektkosten konnte er noch nicht nennen. Die Schätzung bewegt sich zwischen 2,9 und 4 Millionen Euro. Die endgültige Berechnung hänge beispielsweise davon ab, ob eine redundante Erzeugung gewählt werde. Dies würde bedeuten, dass der Ölkessel so ausgelegt ist, dass er 100 Prozent der Leistung erzeugen kann. Relevant für die Kosten sei zudem, welche Rohrart verlegt wird.

Da man bei der Regionalwärme Lengdorf auf ein „hochwertiges und langlebiges Netz“ setzt, werden die Leitungen im öffentlichen Grund wohl aus Metall bestehen. Zwar seien Kunststoffrohre kostengünstiger, die Gräben könnten schmäler ausgelegt werden und die Verarbeitung gehe schneller, sie seien aber nicht so druck- und temperaturbeständig wie Metallrohre, informierte Feiks. Außerdem besäßen sie kein Leckage-Erkennungssystem. Auf dieses sollte man bei sechs bis sieben Kilometer Grabenlänge, die für das Kernnetz nötig seien, aber nicht verzichten.

„Die Kosten dafür bleiben gleich. Je mehr Leute anschließen, desto günstiger wird der Preis“, sagte er. Mit dem Kernnetz könnten zunächst das Ortszentrum, die Kreuzbergsiedlung und das Bergfeld erschlossen werden. Versorgt werden sollen neben Ein- und Mehrfamilienhäusern auch kommunale Liegenschaften, Kirche und die Raiffeisenbank.

Das Projekt soll sich aus den Genossenschaftsanteilen in Höhe von voraussichtlich 6500 Euro pro Genossenschafter, einer Förderung, die zwischen 20 und 40 Prozent der Gesamtsumme beträgt, und einem Kredit finanzieren. Geprüft wird derzeit, ob es auch Mittel aus der Dorferneuerung gibt. Auf Synergie mit dem Breitband setzt man beim Verlegen der Rohre.

Mitinitiator Riedl ging abschließend auf die Grundzüge einer Genossenschaft ein. Neben der demokratischen Struktur wie Selbstverwaltung sei auch ausgeschlossen, dass die Mitglieder mit ihrem Privatvermögen haften, betonte er. Ganz wichtig aber sei, dass jedes Mitglied unabhängig von Immobilienbesitz nur eine Stimme in der Vollversammlung habe, und der Rest an Gewinnen an die Mitglieder zurückgeführt werde.

Jetzt wünscht man sich bei der Regionalwärme Lengdorf ganz viele Menschen wie die Familie, die von dem nachhaltigen Projekt so überzeugt ist, dass sie ihre erst fünf Jahre alte Heizung stilllegt und Mitglied der Genossenschaft wird.

ANNE HUBER

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