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Die Zündapp-Buam in New York

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Von: Anton Renner

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Big Apple, mir san da! Julian und Thomas Wittmann aus Lengdorf haben mit ihren Zündapp-Mofas den Times Square mitten in New York erreicht. Jetzt geht’s westwärts in Richtung Las Vegas.
Big Apple, mir san da! Julian und Thomas Wittmann aus Lengdorf haben mit ihren Zündapp-Mofas den Times Square mitten in New York erreicht. Jetzt geht’s westwärts in Richtung Las Vegas. © privat

Die Zeit auf dem Containerschiff ist vorbei, jetzt sind die Wittmann-Brüder in den USA angekommen. Auf ihre Zündapps müssen sie aber vorerst verzichten.

Lengdorf/New York – „Es gibt hier so viele wichtige Menschen“, hat Schauspielerin Sarah Jessica Parker, der Star aus Sex and the City, über New York einmal gesagt. Das haben jetzt auch Julian und Thomas Wittmann gemerkt. Denn als sie mit ihrem Containerschiff im Hafen von New York angekommen sind, wurden die beiden Bayern nicht von euphorischen Menschenmengen begrüßt, sondern nur von einem starken Regen.

Noch stärker als das Wasser von oben war allerdings der Kulturschock, wie Julian berichtet. Nach zwei Wochen auf dem Atlantik, wo außer den Schiffsmotoren nur Stille zu hören war, dröhnt den Lengdorfer Brüdern jetzt der Sound der Weltstadt an der Ostküste der Vereinigten Staaten in den Ohren. „So ein krasser Gegensatz, das kann man eigentlich gar nicht beschreiben. Wie wenn man aus einem ruhigen Schlaf aufwacht“, beschreibt Julian.

Die Überfahrt nach New York war relativ ruhig und sonnig. Von Amsterdam aus ging es mit dem Containerschiff zunächst nach Liverpool in England und dann weiter nach Halifax in Kanada. Nur einmal wurde es auf dem Containerschiff unruhig – als ein Sturm aufzog. Für die Mägen der beiden Brüder nicht das Optimale. Denn die waren schon von der spärlichen Kost an Bord arg mitgenommen. Über weitere Einzelheiten der Sturmfolgen schweigen sich die Brüder aus.

Der Grenzübertritt gestaltet sich in den Staaten schwierig, wie die Wittmann-Buam im Telefonat mit der Heimatzeitung berichten. Die Zollbeamten hatten große Zweifel daran, dass Julian sich als Student die Reise in die USA überhaupt finanzieren kann. Er wurde intensiv befragt. Beim Nehmen der Fingerabdrücke wurde dann auch noch festgestellt, dass es im Einreisedokument von Thomas Unstimmigkeiten gibt. Bei der Übertragung der Daten ist es offenbar zu einem Fehler bei der Passnummer gekommen. Für kurze Zeit schien die Reise hier zu Ende zu sein. Doch der bayerische Charme – da geht halt immer a bissl was. Und so durften die Brüder letztendlich doch einreisen.

Dabei wäre zuvor schon fast in Halifax Schluss gewesen. Hier hatten die Ausreißer zwar eine entspannte Bekanntschaft mit dem Zoll. Der war in einer kleinen Holzhütte untergebracht, wo die Brüder herzlich begrüßt wurden und ohne großartige Kontrolle das Land betreten durften. Der Weg führte Julian und Thomas gleich in ein Pub. „Doch aus der geplanten kleinen Mahlzeit wurden ein paar Bierchen zu viel und ein packendes Gespräch mit anderen Gästen über das laufende Football-Spiel, sodass wir glatt die Zeit vergessen haben.“ Um 17.57 Uhr dämmerte ihnen im Pub, dass eigentlich um 18 Uhr ihr Containerschiff ausläuft. Julian Wittmann: „Zum Glück war nicht nur der erste Eindruck der Grenzpolizei positiv. Einer der Beamten hat uns quer durch den Hafen zum richtigen Schiff gefahren.“ Dort stellte sich aber heraus, dass der ganze Stress gar nicht nötig gewesen wäre: Das Schiff legte erst um 22 Uhr ab.

Auf ihre Zündapp-Mopeds müssen die Brüder in New York jetzt übrigens noch warten. Die sind nämlich noch auf dem Weg nach Baltimore, wo sie erst nächste Woche beim Zoll abgeholt werden können. Bis dahin leben Julian und Thomas in einem Hostel in den Bronx. Ob da nicht Heimweh aufkommt? Für diese Momente gibt es das Oktoberfest in New York: „Oans, zwoa, gsuffa“ – das geht auch in den Staaten. Auf jeden Fall fallen die beiden mit ihren Lederhosen in New York auf. Mit „I like your pants“, „Ich mag eure Hosen“, hat sie beispielsweise ein Polizist angesprochen.

Am Geldautomaten haben die Brüder die ersten US-Dollar abgehoben und sich eine Handykarte besorgt, um mit Zuhause in Verbindung bleiben zu können. Im Moment organisieren sie ihre weitere, gut 3500 Kilometer lange Reise Richtung Las Vegas. Anfang Oktober stößt das Film-Team zu den Brüdern, das sie dann auf den weiteren Weg in die Wüstenstadt begleitet.

„Bis jetzt ist erstaunlicherweise alles gut gelaufen“, freuen sich die Brüder. Sie haben aber auch „erst“ 1000 Kilometer auf ihren Mopeds verbracht. „40 Kilometer schnell zu fahren, das geht doch relativ schnell“, berichtet Thomas. „Man sitzt halt lang drauf, aber die Zeit vergeht trotzdem. Es ist eine andere Art von Fahren. Man nimmt viel mehr Sachen wahr – riecht zum Beispiel eine Kuhweide.“ Von diesem Duft werden die Brüder auf ihrem Trip wohl nicht viel mitbekommen.

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