1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Lengdorf

Zwei Frauen, ein Ziel: 100 Kilometer zu Fuß

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Stolz darauf, dass sie ins Ziel gekommen sind: Viktoria Petri (l.) und Barbara Leiner mit ihren Finisher-Urkunden.
Stolz darauf, dass sie ins Ziel gekommen sind: Viktoria Petri (l.) und Barbara Leiner mit ihren Finisher-Urkunden. © Birgit Lang

„Ich war noch nie so stolz auf mich“, sagt Viktoria Petri. Denn endlich hat sie sich bewiesen, dass sie 100 Kilometer am Stück innerhalb von 24 Stunden gehen kann. Das Schönste dabei war, dass sie es zusammen mit ihrer besten Freundin geschafft hat.

Taufkirchen Seit 40 Jahren ist Viktoria Petri mit Barbara Leiner befreundet, obwohl sie „unterschiedlicher nicht sein könnten“, wie sie betont. „Wir haben gesagt, wir gehen für jedes Jahr zweieinhalb Kilometer. Und wir haben uns vor dem Start geschworen, dass wir nicht aufhören: Zammbrecha oder durchs Ziel gehen.“

Bereits im Mai hatten sie es das erste Mal probiert. Mit ihrem Mann Wolfgang, ihrer Freundin Barbara, deren Mann Peter und Sohn David sowie einem seiner Freunde beteiligte sich Viktoria Petri am Mega-Marsch, der von München nach Mittenwald führte. „Da haben wir aber bei Kilometer 67 in Kochel aufgehört, weil das Gelände einfach so wahnsinnig anspruchsvoll war. Nur bergauf und bergab auf Single-Trails, wo ein Haufen Wurzeln waren und du ständig hast aufpassen müssen“, erzählt Petri, die als Betreuerin bei Sovie’s Wohnen in Taufkirchen beschäftigt ist. Zwei andere Taufkirchener hätten diesen Marsch aber geschafft, Daniela und Attila Bischof, erzählt sie voller Respekt. Auch auf die erreichten 67 Kilometer sei sie schon stolz gewesen. „Das ist ja auch was, was nicht jeder kann, aber irgendwie wollten wir doch wenigstens einmal Finisher sein und bis zum Schluss gehen.“

Als die 53-jährige Taufkirchenerin einen anderen Veranstalter entdeckte, der den Mammutmarsch in München anbot, konnte sie ihre Freundin schnell zum Mitmachen begeistern. Dieses Mal war es ein Rundkurs. „Das war schon mal gut, weil wir uns um keine Übernachtung kümmern mussten, wie in Mittenwald“, berichtet Petri. Mit der S-Bahn fuhren die beiden nach Tutzing. Bereits um 13 Uhr waren sie im Stadion, erst um 16 Uhr wurde gestartet. Das sei gut gewesen, weil sie sich noch in den Schatten legen und ausruhen konnten. Dabei stellten sie fest, dass unter den insgesamt 1730 Startern viel weniger Frauen als Männer und in ihrer Altersklasse keine 20 Frauen dabei waren. „Wir haben schon gemerkt, wie sie uns von oben bis unten musterten und dachten uns, gut, dann sprechen wir uns in 24 Stunden wieder.“ Und sie behielten Recht: Letztlich waren es 288 Finisher – „und wir waren dabei“.

Die Strecke führte am Starnberger See und Ammersee vorbei. Dennoch sei die Landschaft beim Megamarsch schöner gewesen, findet die 53-Jährige und fügt an: „Du gehst ja auch in der Nacht, da sieht man eh nicht viel. Irgendwann ist dir die Landschaft scheißegal. Du willst nur noch, dass Schluss ist“. Für die 100 Kilometer brauchten die beiden laut Urkunde 20:39 Stunden, wobei sie knapp zwei Stunden Pause an den fünf Verpflegungspunkten einlegten. Beim vierten Verpflegungspunkt kamen sie um 6 Uhr in der Früh an. „Wir gingen in die kleine Wirtschaft rein und dachten uns, so muss es in einem Lazarett ausschauen. Überall hingen sie rum“, erzählt Petri weiter. Die beiden Freundinnen hatten vorab schon vereinbart, nur kurz was zu trinken, „denn wenn du sitzen bleibst, kannst du nicht mehr weiter“.

Das Anlaufen sei schon immer schwierig gewesen. Die letzten fünf, sechs Kilometer verloren sich die beiden auch noch. Auf einmal tat sich vor Petri eine ganz gerade, staubige Kiesstraße auf, kein Schatten, die Sonne brannte herunter. „Ich dachte mir, ich leg mich jetzt hin und weine. Da denkst dir dann schon: Hast einen Vogel, warum tust du dir das an?“ Dennoch hielten beide durch. Sie telefonierten miteinander und machten einen Treffpunkt aus, um gemeinsam ins Ziel zu gehen. „Ich hab so heulen müssen vor Glück beim Zieleinmarsch. Unsere Männer standen schon dort und haben uns gleich ein ganz kaltes alkoholfreies Weißbier gegeben. Das ist ja das Allerbeste, wenn du Sport gemacht hast. Ah, war das schön“, schwärmt sie. „Und dann haben wir die Schuhe ausgezogen und gemeint, uns trifft der Schlag. Brutal. Offene Wunden an der ganzen Seite und an den Zehen. Ich hab das gar nicht gespannt beim Gehen. Ich konnte drei Tage keine normalen Schuhe mehr anziehen, ich kam mir vor wie Bigfoot.“

Bei ihrer 50-jährigen Freundin, einer studierten Elektro-Ingenieurin, die seit einiger Zeit Halbmarathon läuft, sei es noch schlimmer gewesen. Petri war früher nie sportlich, ist aber mittlerweile gut im Training. Sie geht täglich lange Strecken mit ihrem Hund, ansonsten fährt sie jeden Meter mit dem Rad. Drei Mal in der Woche geht sie auch noch ins Fitness-Studio. Außerdem ist sie die vergangenen drei Jahre bei der Wallfahrt nach Tuntenhausen mitmarschiert. Als Vorbereitung hatten sie vier 20-Kilometer-Märsche absolviert. „Aber das hat nichts gebracht“, sagt Petri.

Ihr nächstes Ziel ist der Mammutmarsch in Hamburg 2019, „weil ich glaube, dass es dort keine Berge gibt“, meint die 53-Jährige grinsend. „Aber davon muss ich Barbara erst noch überzeugen.“ Außerdem wollen die beiden mit ihren Männer Deutschland von unten nach oben durchwandern, in Etappen, versteht sich.

Auch interessant

Kommentare