Heute Jahreshauptversammlung

Lufthansa-Beben: 22.000 Jobs vor dem Aus - Münchner Milliardär bestürzt Mitarbeiter

  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
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Am Münchner Flughafen haben mehrere Hunderte Lufthansa-Beschäftigte für das geplante Rettungspaket demonstriert. Viele fürchten um ihren Arbeitsplatz.

  • Die Corona-Krise hat die Lufthansa in Turbulenzen gebracht.
  • Vor der Hauptversammlung der Aktionäre am Donnerstag haben Lufthansa-Mitarbeiter am Flughafen München demonstriert.
  • Münchner Milliardär und Großaktionär Heinz Hermann Thiele (Knorr Bremse) drohte den Einstieg des Staats und damit die Rettung der Airline zu verhindern.  

München - Einige sind den Tränen nahe, andere wütend: Teilweise seit Jahrzehnten sind etliche Mitarbeiter bei der Lufthansa angestellt, jetzt stehen sie auf der Freifläche am Munich Airport Center und demonstrieren: für ihre Zukunft.

22.000 Stellen sollen im Konzern wegfallen, das ist jetzt schon klar. Am Donnerstag könnte aber die Entscheidung über die Zukunft von mehr als 100.000 Beschäftigten fallen – und zwar virtuell. Die Hauptversammlung der Aktionäre entscheidet über die Annahme des neun Milliarden schweren staatlichen Rettungspakets. Alle Blicke richten sich dabei auf den Milliardär Heinz Hermann Thiele (Knorr Bremse), der als größter Aktionär mit einem Anteil von 15,5 Prozent den Staatseinstieg alleine verhindern könnte. Er hat bei der Aktionärsversammlung eine Sperr­minorität.

Im schlimmsten Fall könnte es auf eine Insolvenz hinauslaufen, sagt Jens Hofmann von der Technik Gewerkschaft Luftfahrt, die gestern in München und an drei weiteren Flughäfen zum Protest aufrief. Etliche Lufthanseaten, die sich vor dem Terminal 2 versammeln, verkneifen sich Kommentare zu Thiele. Flugbegleiter Nikolaus Moehren sagt: „Ich wünsche mir, dass er heute sieht, wer hinter der Lufthansa steht.“ Offenbar ist Thiele mittlerweile bereit einzulenken.

Hinter der Lufthansa stehen Familien und Schicksale

Hinter der Lufthansa stehen Familien und Schicksale. Man spürt vor Ort: Die Mitarbeiter eint ein Teamgeist, das Wir-Gefühl, zu etwas Großem zu gehören. Der Stolz der Lufthansa-Crew, die jetzt am Boden um Fassung ringt, ist auch an vielen Schildern zu sehen. „Wir alle sind das Herz der Lufthansa“, steht da. Oder: „Rettet unsere Lufthansa“. Gewerkschafter Hofmann glaubt noch an das Gute. 750 Techniker sind allein in München bei der Lufthansa beschäftigt. Depressiv sei die Stimmung nicht. Noch nicht.

Flugbegleiter Nikolaus Moehren.

Nikolaus Moehren hantiert nun mit einem Megaphon und versucht die Menge zu ordnen, denn am Nachmittag trudeln immer mehr Lufthansa-Mitarbeiter auf die große Freifläche des Airport Centers. Angemeldet wurden 400, genehmigt nur 200, am Ende sind es sicher knapp 1000 Leute, die für ihr Unternehmen Flagge zeigen – und zittern. Auch die vornehme Welt des Konzerns ist da: Die Flugkapitäne mit ihren drei Streifen am Ärmel stehen in voller Uniform auf dem Platz. „Bis letzte Woche war ich nicht besorgt, das hat sich jetzt geändert“, sagt David Stauber, Senior First Officer an Bord von Langstreckenmaschinen. Sein letzter Flug ist schon lange her: San Francisco. Das war im Februar. 

Flughafen München: Einschnitte drohen

Die Lufthansa hat in München 14.00 Beschäftigte. Auch viele Firmen sind vom Konzern abhängig, so wie E.I.S Aircraft: Sie wartet die Innenausstattung der Lufthansa-Jets. Auch der Flughafen hätte an einer längeren Lufthansa-Krise zu schlucken, denn es gibt eine strategische Partnerschaft: Lufthansa war am Bau des Terminals 2 sowie am Satellitenterminal finanziell beteiligt. Zukunftsprojekte wie die Erweiterung des Satelliten (Grafik) sind aktuell kaum denkbar.

Lufthansas Eurowings: Fragwürdige Gutscheine

Die Wut der Lufthansa-Kunden ist überall im Internet zu lesen – denn seit Monaten verspricht der Konzern, das Geld für während der Corona-Krise ausgefallene Flugtickets zurückzuzahlen. Angekommen ist bisher wenig. Ganz anders ging Eurowings vor: In vielen Fällen hat die Billig-Fluglinie aus dem Hause Lufthansa ihren Kunden in vergleichbaren Fällen sofort Gutscheine geschickt, die in den kommenden Monaten eingelöst werden können. Rechtlich ist das aber nicht haltbar: Per Gesetz muss die Airline den Preis ersetzen.

Coronavirus - Flughafen Köln/Bonn

Lufthansa: Das passiert auf dem Flugmarkt

Corona hat die Flugbranche durcheinandergewirbelt. Wochenlang blieben die großen Airbusse am Rollfeld stehen, jetzt demonstrieren die Mitarbeiter. Überall herrscht Job-Angst aufgrund ausgefallener Flüge und Reisen. Auch auf den Flugmarkt wird sich das auswirken, glauben Experten. Nicht nur, dass in den nächsten Wochen und Monaten insgesamt weniger Flüge angeboten werden. Das Reisen wird für die Kunden wohl auch teurer – vielleicht sogar um bis zu 50 Prozent. Zunächst gehen Experten zwar davon aus, dass die Preise sogar noch sinken dürften – so könnten die Airlines Kunden anlocken. 

Aber: Langfristig müssen die Passagiere wohl mit Preisanstiegen rechnen. Das würde insbesondere dann gelten, wenn Plätze im Flieger wegen Hygiene-Regeln frei bleiben müssten – oder wenn die Nachfrage stark sinken sollte, weil Passagiere Angst vor der Enge haben. Die Branchenriesen würden dann wohl ihre Preise anziehen, um die Verluste auszugleichen. (Dirk Walter)

Fliegen trotz Corona? Ein Selbstversuch zeigt, warum sich viele das nicht antun werden

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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