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Das Wasser ist sein Element: Lutz Prauser schwimmt hunderte Kilometer im Jahr und kennt nicht nur im Landkreis Erding jeden Weiher und See. 

55-Jähriger aus Buch am Buchrain hat ein Buch geschrieben

„Kann Sport nicht ausstehen“ - trotzdem schwimmt Lutz Prauser hunderte Kilometer im Jahr

Eigentlich kann er Sport nicht ausstehen, sagt der Bucher Lutz Prauser über sich selbst. Und dennoch schwimmt er hunderte Kilometer im Jahr - und hat darüber auch ein Buch geschrieben.

Buch am BuchrainEin abgerissener Hosenknopf in einem Berliner Hotelzimmer gab die Initialzündung. „Es war wie in einem schlechten Film“, erinnert sich Lutz Prauser: „Der alberne Knopf flog quer durchs Zimmer, die Hose stand offen und ich hatte einen Termin.“ Er betrachtete sich im Spiegel, fand sich zu schwer, zu träge und zehn Jahre älter, als er war. „Sport muss her“, lautete die einzige Option.

Schwimmen im Neoprenanzug, sobald die Gewässer 15 Grad haben

Das ist jetzt acht Jahre her. Seitdem schwimmt der 55-Jährige zwei- bis viermal in der Woche 3,5 Kilometer. Im Winter im Hallenbad, sobald die Gewässer 15 Grad haben, schlüpft er in seinen Neoprenanzug und stürzt sich ins kühle Nass. „Draußen zu schwimmen ist einfach viel schöner, als die Bahnen in Bädern runter zu reißen“, sagt Prauser und gesteht: „Ich kann Sport nicht ausstehen.“ Der Wahlbayer aus Westfalen ist seit rund 20 Jahren mit seiner Frau und den beiden mittlerweile erwachsenen Töchtern in Buch am Buchrain zuhause.

„Ich brauche keinen Trainer, der mir reinredet“

Eigentlich sei das Schwimmen eine „Wiederentdeckung“ gewesen, denn es hatte Prauser schon als Kind Spaß gemacht. Er beschloss, die Sache für sich ganz alleine anzugehen. „Ich brauche keinen Trainer, der mir reinredet. Und schwimmen kann ich, wann und so oft ich will.“

Nachdem Prauser anfangs die Schwimmbäder im Landkreis und bei den Nachbarn erkundet hatte, nahm er sich 2015 zum Ziel, sämtliche Seen im Stadtgebiet München und im Landkreis Erding zu erkunden. So kraulte er sich in jenem Sommer durch 25 verschiedene Seen. Das machte ihm so viel Spaß, dass er die folgenden Jahre seinen Radius erweiterte. „Mittlerweile kenne ich sie alle, vom Ammersee bis zum Tachinger See.“

Sein Geheimtipp ist der Langbürgner See im Chiemgau. „Dort gibt es viele Buchten, er ist komplett von Wald umgeben und für Motorboote gesperrt. Da er relativ flach ist, sind die Temperaturen meist angenehm.“ Prausers Suche ging soweit, dass er auf Google Maps nach blauen Flecken forschte. „Das war oft überraschend gut, natürlich waren auch Flops dabei.“

„Schwimmen auf Zeit ist nicht mein Ding“

Obwohl er auch schon mal an Wettbewerben teilgenommen hat, ist Schwimmen auf Zeit nicht sein Ding. „Mir sind die Wettkämpfe zu sehr professionalisiert. Bei mir ist das Schwimmen reiner Genuss.“ Oder vielleicht doch nicht ganz? Denn für 2018 hatte er sich vorgenommen, die 600-Kilometer-Marke zu knacken, was ihm am 1. Weihnachtsfeiertag dann auch gelang. Dieses Jahr wird er es wohl nicht schaffen, prognostiziert er. Das sei nicht weiter schlimm, denn solche Ziele würden die Menschen auch unsozial machen.

„Wenn mich meine Frau letztes Jahr beispielsweise gefragt hat, ob wir ins Kino gehen wollen, hab’ ich geantwortet ,Nein, ich muss schwimmen.‘“ Einladungen zu Grillabenden bei Freunden habe er ebenso abgelehnt und keine Bücher gelesen. „Mit solchen Zielen macht man sich selbst viel Druck.“

Prauser schreibt seine Erlebnisse in einem Internet-Blog auf

Ein Außenstehender fragt sich eh, woher der Teilzeit-Angestellte bei einem Medienunternehmen die ganze Zeit nimmt. Denn er schwimmt sich nicht nur durch sämtliche Seen, sondern schreibt seine Erlebnisse auch in einem Internet-Blog auf. Vor kurzem hat er ein Buch herausgebracht, mit dem Titel „Bahn frei“. Wichtig ist Prauser: „Ich gebe in dem Buch keine Trainingstipps oder dergleichen. Ich erzähle einfach, was mir bei meinen Schwimmausflügen so alles passiert.“

Da sind skurrile Geschichten ebenso dabei wie ärgerliche, lustige oder peinliche. Sie handeln beispielsweise von „Arschlochkindern, die am Ufer mit Steinen nach Schwänen schmeißen“, von aufgeschlitzten Badehosen über dem Wertesten oder von Harndrang im Neoprenanzug.

Täglich grüßt das Murmeltier

Einerseits würden sich da bestimmt Schwimmer wiedererkennen, aber Prauser glaubt, dass sich die Geschichten auch auf andere Sportarten übertragen lassen. „Halt mit anderen Vorzeichen.“ Beispielsweise wenn er schildert, wie der innere Schweinehund manchmal überlistet werden muss oder wenn er beim Training im Hallenbad immer wieder denselben Menschen begegnet, frei nach dem Film „Täglich grüßt das Murmeltier“. Oder wenn er beschreibt, wie die verschiedenen Jahreszeiten riechen.

Zwei bis drei Badehosen pro Jahr

Prauser ist inzwischen Experte in Sachen „Buxen“, wie er seine Badehosen nennt. Auch darüber schreibt er auf seinem Blog. Zwei bis drei würde er pro Jahr verschleißen. Wer glaubt, ein Schwimmer brauche kaum Ausrüstung, den belehrt Prauser eines Besseren. „Ich habe mal die Gegenstände in meiner Tasche gezählt. Es waren 50.“ Mit dabei hat er immer zwei Badehosen, zwei Schwimmbrillen, Handtuch, Ohrstöpsel, Unterwasserkamera, Badekappen, Getränke, Riegel, Magnesium, Pflegemittel, Flip-Flops, Badeschuhe, Wasserthermometer, Handpaddel und seinen Neoprenanzug. Mittlerweile fühlt sich Prauser nicht mehr zu schwer, zu träge und auch nicht mehr zehn Jahre älter. Er ist sich sicher: „Solange ich kann, werde ich das Schwimmen nicht mehr aufgeben.“

Prausers Blog

Unter www.zwetschgenmann.de kann man Prausers Geschichten verfolgen - und auch sein Buch bestellen.

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