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Zum Dorfratsch mit deftigen Versen hatten Maibaum (Thomas Gneißl) und Kastanie (Sepp Brummer) ins Maibaumstüberl eingeladen. Sie richteten die Wiflinger sauber aus – und blickten hum orig aufs Dorfgeschehen. 

40 Jahre Gartenbau- und Verschönerungsverein Wifling 

G’salzene Gstanzl von Baum zu Baum

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Maibaum und Kastanie im Zwiegespräch: Anlässlich seines 40-jährigen Bestehens hatte der Gartenbau- und Verschönerungsverein Wifling zum Dorfratsch eingeladen. Thomas Gneißl und Sepp Brummer schauten in der Rolle der beiden Hölzer in derben Reimen aufs Dorfgeschehen.

WiflingKönnten die Kastanie und der Maibaum am Wiflinger Dorfplatz sprechen – was würden sie wohl erzählen? Vom ehemaligen Bauerndorf, von dem heute fast nichts mehr übrig ist? Von Bahnstation, Tankstelle, Sägewerk und Brauerei, die es einst in dem kleinen Ort gab? Oder würden sie über die Wiflinger und ihre Marotten sprechen, sie ausrichten, ein bisserl lästern?

Was es über Wifling und seine Bürger alles zu berichten gibt, brachten am Freitagabend Wörths Bürgermeister Thomas Gneißl, selbst ein Wiflinger, und der Vorsitzende des örtlichen Gartenbau- und Verschönerungsvereins, Sepp Brummer, zu Gehör. Sie nutzten das Maibaumstüberl, um mit einem deftigen Dorfratsch das 40-jährige Bestehen des Vereins zu begehen.

Mit ihren Verserln hatten sie als Maibaum und Kastanie bereits beim 25. Geburtstag der Gartler ordentlich eingeschenkt. Mit bayerischen Rauten im Gesicht und einem bunten Gockel auf dem Kopf schlüpfte Gneißl in die Rolle des Maibaums. Die Kastanie verkörperte Brummer geschmückt mit Blättern, Blüten und brauner Farbe im Gesicht: „Mia leb’n in Wifling City, und drunt vom Dorfplatz, do kemma mia her.“

Die Texte hatte mit äußerst spitzer Feder federführend Bürgermeister Gneißl geschrieben. Der machte sich zwar am Ende nach vielen g’salzenen Gstanzln doch ein bisserl Sorgen um seine politische Karriere. Aber die Wiflinger haben Humor und konnten herzhaft drüber lachen. Auch wenn tatsächlich der eine oder andere eine ziemliche Spitze einstecken musste.

Da schreckte Gneißl nicht einmal vor seiner eigenen Frau Agnes zurück. „Jetzt ist sie schon so lang bei uns, doch an der Integrationsbereitschaft lässt sie es nach wie vor fehlen. Man hört sie auch nach Jahrzehnten noch oberpfälzisch bellen“, erzählte er und ahmte sogleich den Dialekt nach. „Des gibt Ärger“, kam der lachende Zwischenruf der Gattin.

Besonders gelacht wurde, als Gneißl vom Erfinder der ersten Wiflinger Bulldog-Waschanlage erzählte, die es vor fünf Jahren sogar in die Schlagzeilen der Heimatzeitung geschafft hatte: „Vollautomatisch, sanft und biologisch sollte der Reinigungsgang sein. So steuerte er sein Gefährt zu einem Vollbad kurzerhand in einen Fischteich hinein.“

Mit ihren deftigen Sprüchen nahmen sich die beiden Redner auch gegenseitig aufs Korn. So machte sich Gneißl über Brummers Frisur lustig („a Kopf so wia a Deo-Roller“), und Brummer wiederum stellte beim Bürgermeister fest: „Die vielen Weißwürscht und süßen Torten zu den Geburtstagen machen ihn träge und fett“. Zwischendrin erlaubten sich Maibaum und Kastanie auch kritische Töne im Hinblick auf die Entwicklung ihres Orts: „Anstelle von derbem und profundem Stammtischgeschnatter hört man im Bräustüberl heut nur noch Nähmaschinengeratter.“ So manches Mal wünsche man sich da zurück in die gute alte, gemütliche Zeit.

Und die Hochwasser-Problematik? Die sei im Moment „ein wichtiges und recht dominierendes Thema. An Damm durchs Sempttal woll ma bauen und unsere Gemeinde als Speichersee hernehma“, sagte Brummer.

Humorig war auch der Rückblick auf 40 Jahre Verschönerungsverein. „Es war 1977, da verdienten sich die Wiflinger in der Gemeinde an großen Respekt. Waren sie es doch, die die Tradition des Maibaumaufstellens wieder zum Leben erweckt. Ein Jahr drauf gründete sich aus der Maibauminteressengemeinschaft der Verschönerungsverein. Und jetzt – jetzt samma endlich wer. Denn früher, da kannte Wifling kein Schwein“, sagte Gneißl.

„Dieser Verein hat eine lange Tradition und ist quasi Wiflings Herz“, meinte Vereinschef Brummer. Wobei: „Brummer Sepp und Gartlervorstand, ja eigentlich ist diese Kombination a fürchterlicher Schmarrn, denn vom Gartenbau hat der so viel Ahnung, wia a Goldfisch vom Radlfahr’n“, sagte Gneißl. Weidenflechtkurs, Schneebar, Radldog, Obstbaumschnittkurs – „das Angebot ist groß. Ja, Wifling is a Weltmacht. Da rührt sich was, da ist was los“.

Dafür sorge in Zukunft auch der Vereinsnachwuchs. Warum das so ist, fasste Brummer knapp zusammen: „Mia san mia und entsprechen nicht immer der Norm. Denn mia san aus Wifling, und do san mia dahoam.“

Der Wiflinger Maibaum

wird am 1. Mai ab 11 Uhr aufgestellt. Mittagstisch gibt’s ab 11.30 Uhr.

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