Zufrieden mit sich: Professor Matthias Dose.   Foto: Lang

Dose geht in Ruhestand

Vom Maoisten zur Psychiater-Koryphäe

Taufkirchen – Keiner hat die Entwicklung des Isar-Amper-Klinikums Taufkirchen in den vergangenen, mehr als 20 Jahren, so stark geprägt wie er. Als Ärztlicher Direktor und vielseitig interessierter Intellektueller hat Professor Matthias Dose aber auch das kulturelle Leben der Vilsgemeinde nachhaltig bereichert. Mit 65 Jahren geht er jetzt in Ruhestand.

Am heutigen Freitag ist seine offizielle Verabschiedung.Der Mediziner will nach München ziehen, dort Bücher schreiben.  Einen Wissenschaftskrimi und eine Abhandlung zum Thema „Woher kommt die menschliche Gier“ hat er sich vorgenommen. In Taufkirchen sind sich viele einig: Mit Dose verlässt einer der fähigsten Männer die Vilsgemeinde.

Professor Dose hat das ehemalige Taufkirchener Langzeitkrankenhaus für chronisch Kranke zu einem Akut-Krankenhaus für psychiatrisch/psychotherapeutische Versorgung umgewandelt. Diese große Leistung beansprucht er aber nicht für sich allein. Sie sei zugleich der Verdienst des damaligen Verwaltungsdirektors Wolf-Dieter Neupert und des Pflegedirektors Hermann Schmidt sowie vieler engagierter Mitarbeiter gewesen, betont er. Dose ist bekannt für seine Bescheidenheit – und für seine guten Manieren. Als gut erzogener Sohn eines Offiziers und einer schwäbischen Pfarrerstochter stellt er sich noch mit einem angedeuteten Diener vor.

Doses Lebensweg ist kein gradliniger.  Mitten in der Pubertät entschied er sich, nicht mit den viel umherziehenden Eltern nach Paris zu gehen. Er wollte lieber als landwirtschaftlich interessierter 14-Jähriger als so genanntes „Miterziehungskind“ auf einem Gutsbetrieb mit Brauerei in Eichhofen bei Regensburg leben. Dort wuchs er mit Berthold auf, „einem gleichaltrigen, damals etwas verschrobenen Einzelgänger, der schon Sartre las und sich für Jazz interessierte“, erzählt er Dose. „Ich war damals noch Pfadfinder, Waldläufer und Kuhstallgänger.“ Eichhofen wurde ihm ein Stück Heimat – und Berthold bis heute bester Freund.

Für Gerechtigkeit auf Barrikaden gegangen

Die christlich-protestantische Erziehung im Elternhaus und die Zeit in Regensburg haben Dose entscheidend geprägt. Schon immer habe er sich für Gerechtigkeit eingesetzt, sei auch auf die Barrikaden gegangen, erzählt er.  Sich gegen Widerstand vor allem mit seiner unwahrscheinlichen Eloquenz und seinem fundierten Fachwissen sowie einer großer Allgemeinbildung durchzusetzen, hat er schon jung gelernt. Vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges und der 68er Jahre hielt Dose als Medizinstudent den Maoismus und die Kulturrevolution für eine Alternative. Zehn Jahre lang war er aktiv im kommunistischen Kader, wurde damals sogar im Spiegel zitiert. Später zeigte er sich einmal mit seinem alten Mao-Outfit bei einem Faschingsball. Allerdings sieht er sein politisches Engagement heute nicht mehr als sein Ruhmesblatt. „Aber es gehört zu meinem Leben.“

Seine Ideale und Vorstellung versuchte er in den folgenden Jahre verstärkt auf beruflichen Feld umzusetzen, was ihm sehr erfolgreich gelang.  1978 legte er sein Staatsexamen in Köln ab. Er war Stipendiat am Max-Planck-Institut, approbierte 1980 und promovierte ein Jahr später in München. Es folgten vier Jahre als wissenschaftlicher Assistent, drei Jahre als Oberarzt, drei Jahre als stellvertretender Direktor in Ansbach, seine Habilitation 1992 an der TU in München und im Februar 1993 die Anstellung in Taufkirchen als Ärztlicher Direktor.

Hier hat Dose in weiser Voraussicht 1998 Vorschlägen des Bezirks zugestimmt, eine Frauenforensik mit anfangs 36 Betten auf dem Klinikgelände zu installieren. Offen und ehrlich versuchte er die vielen Gegner von der Notwendigkeit der Einrichtung zu überzeugen.  2011 wurde der 22 Millionen Euro teuere Neubau in Betrieb genommen. Die Klinik für forensische Psychiatrie hält heute 154 Budgetbetten für strafrechtlich untergebrachte Patientinnen auf sieben Stationen vor. Durch diese Maßnahme konnten im Laufe der Jahre allein für die Forensik 150 neue Vollzeitstellen der verschiedenen Berufsgruppen geschaffen und damit Standort und Bestand der Klinik für die nächsten Jahre gesichert werden. Mit fast 600 Mitarbeitern ist das kbo Isar-Amper-Klinikum heute der zweitgrößte Arbeitgeber in Taufkirchen.

Dose ist seit 1985 Gründungsmitglied und war bis vor kurzem Landesvorsitzender der Huntington-Gruppe Bayern.  Deshalb war ihm das Huntington-Zentrum-Süd in Taufkirchen eine weitere Herzensangelegenheit. Vor zehn Jahren wurde die 20-Betten-Station eingerichtet. Sie ist damit die nächstgelegene spezialisierte Behandlungsstätte der Huntington-Erkrankung für den süddeutschen Raum. Die Taufkirchener Klinik ist auch eine akademische Lehreinrichtung der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Technischen Universität München. Regelmäßig unterrichtet Dose hier Medizinstudenten und bringt ihnen kompetent und unterhaltsam sein Wissen näher.

Integration von Patienten

Dose gehört zudem dem wissenschaftlichen Beirat von „Autismus Deutschland“ an und gilt als Koryphäe für Erwachsene auf diesem Gebiet. Die Integration der Patienten in die Gesellschaft war ihm ebenfalls ein großes Anliegen. Er gründete mit Gleichgesinnten den Verein „Soziale Verantwortung in Eigeninitiative“, kurz Sovie. Als Vorsitzender hat sich Dose hier viele Jahre für die Wiedereingliederung der psychisch Kranken in die Arbeitswelt eingesetzt. Durch das Sovies-Café und kulturelle Veranstaltungen, wie „Jazz im Park“ – Dose ist durch seinen Jugendfreund Berthold auch ein eingefleischter Jazz-Kenner – hat er die breite Bevölkerung auf das Klinikgelände gelockt und das Miteinander gefördert.

Ein Arzt zum Anfassen

„Zu meiner Vorstellung von Psychiatrie gehört es, das Maß an geschlossener Unterbringung und Stationen auf ein Minimum zu reduzieren und die Klinik auch nach außen ein- und durchsichtig zu machen“, sagt er. Dose hat keine Standesdünkel. Er ist ein Arzt zum Anfassen, ein geselliger Mensch, der am gesellschaftlichen Leben der Gemeinde immer und gerne teilnahm, der durch seine unterhaltsamen Beiträge beispielsweise bei der jährlichen Bierprobe zum Volksfest Maßstäbe setzte.  Auch selber hat Dose immer wieder Lese- und Konzertabende mit seinen Freunden im Wasserschloss veranstaltet. Unvergesslich sind hier seine Schubertiaden.

Wenn es gewünscht sei, werde er auch gerne weiterhin mit seinem Freund Klaus von Saucken in Taufkirchen auftreten, sagt Dose bescheiden und: „Dass in den letzten 20 Jahren was Gutes gemacht wurde und ich Anteil daran habe, damit bin ich zufrieden.“

Birgit Lang

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