Ein Traditionshaus ist der Mayr-Wirt an der Haager Straße. 1891, vor genau 125 Jahren, hat der Urgroßvater des jetzigen Pächters Andreas Mayr hier eingeheiratet. foto: zs

Mayr-Wirt: Hotel macht zu, Wirtshaus bleibt offen

Erding - Der Mayr-Wirt steht vor einer ungewissen Zukunft: Der Hotelbetrieb wird zum 30. Juni aus Brandschutzgründen eingestellt. Saal und Gaststätte sind nicht betroffen.

Für 70 Stammtische und bis zu 25 Vereine ist der Mayr-Wirt an der Haager Straße die Heimat. Seit Jahren treffen sie sich dort regelmäßig zum Ratschen, Fachsimpeln - oder zum Schießen. Das tun die Königlich-privilegierten Feuerschützen im Schützenstüberl im Keller. Dort dürfen künftig nur noch sie hinein. Als Nebenzimmer kann der Raum nicht mehr genutzt werden.

Dies ist nur eine der Auflagen, die der Brandschutz in dem 65 Jahre alten Gebäude gemacht hat. Eine weitere, die Pächter Andreas Mayr und einige seiner Angestellten viel härter trifft: Zur Jahresmitte, also am 30. Juni, muss der Hotelbetrieb eingestellt werden. 30 Zimmer hat der Mayr-Wirt in seinen Obergeschossen. Das Haus sei in den Jahren 1950/51 errichtet worden und habe Fehlböden, so Mayr. Diese werden im Brandschutz als F0-Decken eingestuft, bieten also überhaupt keinen Feuerwiderstand. „Das ist das Problem“, sagt der Wirt, „weil dort Menschen schlafen“ und im Notfall erst geweckt werden müssten. Vier bis sechs Angestellte seien von der Schließung betroffen, so Mayr.

„Wir können nicht sehenden Auges ein Risiko eingehen“, sagt OB Max Gotz dazu. Die Stadt ist seit August 2009 Eigentümerin des Areals. Sie hatte eine Brandmeldeanlage nachgerüstet und 2014 auch eine Gerüsttreppe außen als Fluchtweg angebracht.

„Das mit dem Hotel ist zu verstehen“, sagt Mayr: „Ich denke aber, dass das andere weiterlaufen wird, bis klar ist, wann abgerissen wird.“ Die Gaststätte bleibt in jedem Fall bis Jahresende in Betrieb. So lange läuft der neue Pachtvertrag zwischen Mayr und der Stadt Erding. Sie hatte in den vergangenen Jahren die Rückgebäude abreißen lassen. Dort befindet sich derzeit ein Parkplatz, der sehr gut angenommen wird. Die Stadt plant, das Gebäude komplett abzureißen und inklusive einer doppelstöckigen Tiefgarage wieder neu zu errichten. Der Stadtrat hatte bekanntlich beschlossen, dass dort unter anderem wieder ein Wirtshaus und auch ein Lebensmittelgeschäft Platz finden sollen. Die Bauzeit wird wohl drei Jahre dauern.

Obwohl das Bauamt in den nächsten Jahren mit der Sanierung der Mittelschule am Lodererplatz, des Bürgerhauses am Rätschenbach und des Hauses an der Landshuter Straße 4 viel zu tun hat, will Oberbürgermeister Max Gotz beim Mayr-Wirt heuer noch Entscheidungen treffen. Er werde dem Stadtrat Pläne vorlegen, wie es weitergeht. Sein Credo: „Wir brauchen erst die Nutzung, dann das Konzept.“

Allerdings schränkt Gotz ein: „Es gibt keinen Anlass für Hektik oder Unruhe.“ Der Pachtvertrag laufe bis Jahresende. „Das muss nicht automatisch heißen, dass das Gasthaus dann zumacht.“ Bevor es leerstehe, sei es sinnvoll, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Wie lange, ist unklar. Die Uhr tickt also für den Mayr-Wirt. Ausgerechnet im 125. Jahr seines Bestehens. (Gabi Zierz)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

SpVgg Altenerding gewinnt Mercur CUP Kreisfinale
In der Verlängerung eines hochspannenden Finales hat die Spielvereinigung Altenerding das Merkur CUP Kreisfinale gegen den TSV Dorfen gewonnen.
SpVgg Altenerding gewinnt Mercur CUP Kreisfinale
Gewerbetage trotz Hitze gut gestartet
Bayerns stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner hat am Samstagmorgen die 1. Erdinger Gewerbetage eröffnet. Trotz hochsommerlicher Temperaturen kamen viele …
Gewerbetage trotz Hitze gut gestartet
Bayernpartei-Kandidat Zimmer für natürliche Geburt
Beim „March of Roses“ in Ansbach haben knapp 100 Teilnehmer ein Zeichen gegen die Missstände in der Geburtshilfe gesetzt. Mit dabei war der Inninger Andreas Zimmer.
Bayernpartei-Kandidat Zimmer für natürliche Geburt
„Scheiß Ausländer“: Polen prügeln Albaner
Zwei junge Polen haben einen albanischen Familienvater zusammengeschlagen. Das Erdinger Amtsgericht verurteilte beide zu Haftstrafen auf Bewährung.
„Scheiß Ausländer“: Polen prügeln Albaner

Kommentare