Mathias Lohmeier,Kreisvorsitzender des BDM, befürchtet eine Welle von Hofaufgaben. Foto: Weingartner

Milch- und Schweinefleischpreis im Keller: "Bauern steht das Wasser bis zum Hals"

Eibach - Der Preisverfall bei Milch und Schweinefleisch ist seit Jahresanfang dramatisch. „Die Zukunft unserer Landwirtschaft steht jetzt auf dem Spiel“, warnt der Kreisvorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Mathias Lohmeier.

„Schweinebauern sterben lautlos, im Gegensatz zu den Milchbauern“, erklärt Lohmeier im Gespräch mit der Heimatzeitung. Viele Schweinebetriebe hätten ohne Unterstützung ihres Berufsverbandes in letzter Zeit schon still und leise aufgegeben müssen, während sich die BDM-Milchbauer gegen das Höfesterben wehren. Der BDM als Standesvertretung seiner Mitglieder macht derzeit mächtig öffentlichen Druck, um Politik und Verbraucher auf die „extreme wirtschaftliche Situation“ der Milcherzeuger aufmerksam zu machen.

Als Einziger habe der BDM bisher „ein schlüssiges Konzept gegen die Milchkrise vorgelegt“, meint Lohmeier. Das Hauptproblem sei viel zu viel Milch am Markt in der EU. Deshalb müsse ein auf EU-Ebene verpflichtendes Milchmarkt-Krisenmanagement mit befristeter Milchmengensteuerung installiert werden. Dies werde aber von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und EU-Agrarkommissar Phil Hogan abgelehnt. Für das BDM-Konzept haben tausende Bauern bei den Großdemonstrationen in München (BDM) und zuletzt in Brüssel (European Milk Board) am Rande der EU-Agrarministersondersitzung teilweise massiv demonstriert. Lohmeier war selbst auf beiden Demos dabei.

Geplant sind 500 Millionen Euro als Sofortprogramm für zinsgünstige Darlehen zur Überbrückung für Einkommensausfall von derzeit rund 1000 Euro pro Kuh im Jahr. Direktzahlungen können die EU-Mitgliedsstaaten sofort (statt November) an die Landwirte auszahlen, und 81 Millionen Euro sollen in die Absatzförderung und Markterschließung fließen. Das BDM-Konzept wurde abgelehnt.

Mit dem Maßnahmenpaket der EU-Agrarminister ist der BDM nicht zufrieden. Das Problem „der viel zu schnell wiederkehrender Krisen“, werde damit überhaupt nicht gelöst, kritisieren Lohmeier und der BDM-Bundesvorsitzende Romuald Schaber unisono. „Es fehlt den Ministern an Weitsicht und Problembewusstsein“, klagte Schaber in Brüssel deutlich: „Dieses Verhandlungsergebnis werden die Milchviehhalter nicht akzeptieren.“

Lohmeier erklärt, viele Bauern, die ein Darlehen bräuchten, „bekommen doch von der Bank gar kein Geld mehr“, angesichts ihrer finanziellen Lage und wenig Aussicht auf einen „fairen Milchpreis“. Und wie soll der Kredit jemals zurückgezahlt werden, bei den zu erwarteten Milchpreisen, fragt der Kreisvorsitzende? Die Antwort: „Selbst noch mehr arbeiten, einsparen wo’s geht und keine neue Investitionen“. Das könne kein Landwirt auf Dauer durchhalten. Viele werden aufgeben, der Grund sei für die Landwirtschaft dann oft verloren. Zudem bereite die Milchkrise größeren Betrieben große Probleme, weil trotz Verlusten die Lohnkosten bleiben.

Das Höfesterben werde sofort die nachgelagerte Agrarwirtschaft empfindlich treffen, betont Lohmeier. Arbeitsplatzverluste und Firmenaufgaben seien die Folgen. Und die Pflege der bayerischen Kulturlandschaft, Grundlage vieler Tourismusgebiete, werde leiden. „Und sollten wir jetzt noch die Milchmärkte in Schwellenländern durch billige Milchproduktexporte kaputt machen, kommen von dort noch mehr Flüchtlinge“, warnt Lohmeier

Mindestens 40 Cent (je Kilo Milch) fordern die Milchbauern, um halbwegs kostendeckend produzieren zu können. Im Norden und Osten Deutschlands werden Preise schon länger um 25 Cent, in anderen EU-Ländern noch weniger gezahlt. Tendenz weiter fallend.

Es stehe in Bayern eine Welle der Hofaufgaben bevor, glaubt Lohmeier, denn „den Bauern steht das Wasser bis zum Hals“. In Brüssel „brannte es den ganzen Tag“, berichtet der Kreisvorsitzende. Besonders Jungbauern aus Belgien seien extrem aggressiv im Kampf ums Überleben.

Erwin Schöpges, Vizepräsident der Milcherzeugergemeinschaft Belgien, warnte kürzlich in Eibach: „Wenn sich Deutschland weiter sperrt, wird es Krieg geben und einige Länder werden deutsche Produkte aus den Regalen nehmen.“

Hermann Weingartner

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