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Milchbauern bandeln mit der ÖDP an

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EU-Kandidaten auf dem Prüfstand: (v. l.) BDM-Kreisvorsitzender Mathias Lohmeier, Rainer Forster, Klaus Buchner (beide ÖDP) und Johannes Fritz (BDM). Foto: Weingartner
EU-Kandidaten auf dem Prüfstand: (v. l.) BDM-Kreisvorsitzender Mathias Lohmeier, Rainer Forster, Klaus Buchner (beide ÖDP) und Johannes Fritz (BDM). Foto: Weingartner

Taggrub – Wie wird das neu gewählte EU-Parlament die hiesige Landwirtschaft vertreten? Diese Frage stellt sich der Kreisverband des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) vor der Europawahl am kommenden Sonntag. Dazu fühlte der BDM-Kreisvorsitzende Mathias Lohmeier bei den ÖDP-Kandidaten vor.

Lohmeier hat den Spitzenkandidaten für das EU-Parlament, Professor Klaus Buchner, und den Landkreiskandidat Karl Heinz Jobst auf seinen Milchviehbetrieb eingeladen. Vor dem intensiven Gespräch führte Lohmeier seine Gäste durch den Stall, um Betriebsabläufe und gut bäuerliche Praxis zu erklären. Von der Praxis gab sich Buchner dann beeindruckt, der kein Landwirtschaftsexperte ist. Der Spitzenkandidat, hauptberuflich an der Technischen Universität München in der Atomphysik tätig, räumte fehlende agrarpolitische Erfahrungen unumwunden ein und versuchte, das auch nicht zu kaschieren. Er hörte stattdessen dem Landwirt und BDM-Vertretern aufmerksam zu. Die Frage der Heimatzeitung, wie er ohne Fachkenntnisse bäuerliche Interessen im EU-Parlament wahrnehmen würde, beantwortete Buchner einfach: „Ich frage nach.“ Und bei Themen mit Bedeutung für die Milchviehbetriebe werde „der BDM auch in Brüssel mein Ansprechpartner bleiben“, versicherte Buchner.

Der Meinungsaustausch zeigte, dass der BDM und die Öko-Partei viele Gemeinsamkeiten vertreten. Aufgeschlossen zeigte sich Buchner auch für die BDM-Ziele nach dem Milchquotenende (2015) Angebot und Nachfrage auf dem Milchmarkt auch kurzfristig in Deckung zu bringen. Keine so gute Idee seien dazu Pläne, die Brüsseler Politik solle dafür sorgen. Hier müssten sich die Milchbauern um eine eigene Interessensvertretung in der neu geschaffenen Europäischen Marktbeobachtungsstelle für den Milchsektor bemühen. „Milch muss einen angemessenen Preis haben“, forderte Jobst.

Die ÖDP lehnt auch das „geheime und intransparente“ Handelsabkommen TTIP sowie das Freihandelsabkommen für Dienstleistungen (TISA) ab, so die Politiker. Dafür fehle die demokratische Legitimität, zudem drohten der Ausverkauf von Verbraucherrechten und der Abbau unserer hohen Lebensmittelstandards. „Ein Skandal“, meinte Buchner dazu. Über diese Haltung war man sich großteils einig in der Runde von ÖDP und Bauern.

Skepsis und Ablehnung gibt es auch gegen die grüne Gentechnik. Brüssel sei ein Synonym für Bürokratie. Lohmeier erklärte dazu unverständliche Vorschriften im Sinne gut bäuerlicher Praxis bei der Düngeverordnung und Kernsperrfristen für Gülleausbringung. Beide ÖDP-Kandidaten sprachen sich hier dann auch für deutlich freiere und flexiblere Regeln nach guter landwirtschaftlicher Praxis bei der Bewirtschaftung ihrer Felder aus.

Hermann Weingartner

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