Mahnfeuer zur Milchkrise: Milchbauern rund um den BDM-Kreisvorsitzenden Mathias Lohmeier (r.) fordern von der Politik schnelles Handeln. Foto: Weingartner

Preise im Keller

Bei den Milchbauern brennt es lichterloh

Dorfen - Die Milchpreise sind im Keller. Auf die brennenden Probleme der Milcherzeugerbetriebe haben am Sonntagabend landesweit Mitglieder des Bundesverbands Deutscher Milchviehalter (BDM) mit Mahnfeuern aufmerksam gemacht. Auch über Eibach loderten Flammen.

Gestern war der „Tag der Milch“, der heuer für die Milchbauern kein Grund zum Feiern war. Die Milchpreise sind anhaltend im Sinkflug und rutschen überall im Land sogar unter die 30 Cent-Marke pro Kilogramm. Etwa 45 Cent bräuchten die Bauern, um wirtschaftlich produzieren zu können, erklärte der Erdinger BDM-Kreisvorsitzende Mathias Lohmeier vor Berufskollegen beim Mahnfeuer in Eibach. Bei aktuell rund einem Drittel Einkommensverlust „sind wir mitten in einer Milchkrise“. Die treffe wieder das letzte und schwächste Glied der Wertschöpfungskette, die Milchbauern, erklärte der Kreisvorsitzende im Schein des Mahnfeuers. Molkereien und die marktbeherrschenden Einzelhandels- und Lebensmittelketten müssten bei fallenden Milchpreisen ja keine Einbußen fürchten, denn die gäben sinkende Preise einfach weiter.

Der BDM will nicht mehr tatenlos zusehen, wie der Milchpreis immer noch weiter in den Keller geht. Wenn sich die Preise nicht schnell erholten, wonach es nicht aussehe, „werden das einige Betriebe nicht überleben“, mahnte Lohmeier. Da seien die großen Milcherzeuger in der Existenz eher noch mehr gefährdet als kleine. Und Krisenbewältigung durch Vorgaben seitens der Politik, „wachsen oder weichen“, sei ein Irrsinn, der nicht funktionieren werde. Einen Milchboykott wie 2008 wolle Lohmeier nicht mehr unterstützen. Dennoch müssten die Milcherzeuger auf ihre existenzgefährdende Situation jetzt mit Nachdruck aufmerksam machen. Es müsse endlich gehandelt werden, um Milchmarktkrisen künftig möglichst zu verhindern. „Dazu braucht es mutige Politiker“, die Lohmeier momentan aber in keiner Regierungspartei sieht. Die politischen Entscheidungsträger seien dennoch „aufgerufen zum sofortigen Handeln und Sofortmaßnahmen zu ergreifen, angesichts massiv eintretender Liquiditätsschwierigkeiten“ bei den Bauern, fordert Lohmeier.

Als Maßnahmen nannte er etwa die Milchanlieferung im Minimum zeitlich befristet zu deckeln, Anreizprogramme für eine befristete freiwillige Minderung der Milchmenge installieren, das Interventionspreisniveau deutlich über 30 Cent anheben und Zusammenarbeit statt Parteigeplänkel. Und die Molkereien sollten ihren Widerstand gegen ein Milchmarkt-Kontrollmanagement aufgeben und das Marktrisiko selbst übernehmen, statt es auf die Milcherzeuger abzuwälzen. In der Vergangenheit habe der BDM vor katastrophalen Milchmarktentwicklungen gewarnt. „Leider“ seien die Milchbauern von Politik, Verbänden und Molkereiwirtschaft „verraten und verkauft“ worden, weil gemachte Zusagen nicht eingehalten worden seien.

Wenn die Ursachen für die Milchkrisen nicht beseitigt würden, komme es immer wieder zu Milchpreisproblemen, befürchtet Lohmeier. Der BDM habe dazu als einziger ein Milchmarkt-Krisenmanagement vorgelegt. Bei dem Konzept werde der Absturz des Milchpreises frühzeitig erkannt und so könnte mit geeigneten Kriseninstrumentarien sinnvoll gegensteuert werden. Die Geduld mit den Verantwortlichen in Politik und Milchwirtschaft sei zu Ende, sagte der BDM-Kreisvorsitzende abschließend. Er forderte die Berufskollegen auf: „Tretet bei jeder Gelegenheit der Politik auf die Füße.“ Dazu ist schon bald Gelegenheit, wenn Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner am 15. Juni in Grüntegernbach einen Vortrag hält.

Hermann Weingartner

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