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Ein Spiel-Altar für die Buben, Puppen für die Mädchen: Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts lagen diese Gaben in bürgerlichen Kreisen gerne unter dem Christbaum. Heike Kronseder, Leiterin des Museums Franz Xaver Stahl, präsentierte die historischen Stücke.

Baumschmuck und Geschenke anno dazumal

Ein Mini-Altar unter dem Christbaum

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Erding - Heute hängt man Kugeln und elektrische Lichter an den Christbaum, darunter liegen Technik, Bücher & Co. Doch wie sahen Baum und Präsente früher aus? Heimatkundlerin Sandra Angermaier und Historikerin Heike Kronseder wissen es.

Was Kinder früher zu Weihnachten bekommen haben, kann man sich in Zeiten von Tablets, Spielekonsolen & Co. kaum mehr vorstellen. Doch Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts war es in bürgerlichen Kreisen durchaus üblich, dass Buben einen kleinen Altar unter dem Weihnachtsbaum fanden. Heike Kronseder weiß auch, warum: „Das war ein pädagogisches Spielzeug, mit dem die Kinder früh an den Beruf des Priesters herangeführt werden sollten“, erzählte die Historikerin gestern im Franz-Xaver-Stahl-Museum. Als 22. Türchen im Adventskalender des Katholischen Bildungswerks wurde Spielzeug präsentiert, das zu Stahls Kindheit auf dem Gabentisch lag. Im Salon des Hauses hat Kronseder allerlei Spielzeug anno dazumal aufgebaut – darunter auch eine Puppenküche, quasi das weibliche Pendant zum Altar. Denn auch hier steckte mehr dahinter, als den reinen Spieltrieb zu befriedigen. „Die Mädchen wollte man damit zur Haushaltsführung erziehen“, sagte Kronseder. Der Mini-Altar stammt zwar nicht aus dem Nachlass der Familie Stahl. Doch es wurden viele weitere Spielsachen des jungen Franzl (1901-1977) und seines Bruders Josef dort sorgsam aufbewahrt – in erster Linie Nützliches. So hat der junge Franz etwa von seinen Großeltern Lernspiele, ein Skizzenbuch und Malfarben bekommen. Aber auch eine Steinschleuder und Bauklötze waren dabei. Verschenkt wurden zudem Puppen, Kinderbücher und Holzschnitzereien wie Kasperl- und Pferdefiguren, aber auch blecherne Umhängedosen zum Sammeln von Gräsern oder Schmetterlingen lagen unter dem Christbaum.

Heimatkundlerin Sandra Angermaier zeigte im Frauenkircherl Varianten des Christkindes als Christbaumschmuck wie beispielsweise das so genannte Prager Jesukindl mit Krone und prächtigem Gewand.

Doch woher kommt eigentlich der Brauch, zu Weihnachten einen Baum ins Haus zu stellen? Schon die alten Römer haben ihr Heim zum Jahreswechsel mit immergrünen Zweigen bestückt. Den geschmückten Baum gibt es auch schon recht lange. „Der Christbaum hat seinen Ursprung im mittelalterlichen Paradiesspiel, das am 24. Dezember in der Kirche aufgeführt wurde“, erklärt Heimatkundlerin Sandra Angermaier. Sie hat Weihnachtsbaum, Baumschmuck und dem Christkind eine kleine Ausstellung im Frauenkircherl gewidmet. Zum mittelalterlichen Paradiesspiel, in dem an Adam, Eva und den Sündenfall erinnert wurde, gehörte ein immergrüner Baum als Paradiesbaum. „Er war von einem Zaun umgeben, der symbolisch das Hier vom Dort trennte“, erzählt Angermaier. Geschmückt wurde der Baum mit Äpfeln, später auch mit Oblaten, Kerzen, Gebäck und Nüssen. Aus der Form des Apfels hat sich schließlich um 1830 die gläserne Christbaumkugel entwickelt. „Um den Baum paradiesischer zu machen, hat man zum Beispiel auch Pfauen-Figuren, teils mit echten Federn, aufgehängt“, sagt Angermaier. Auch Papierrosen und später Lametta als Erinnerung an glitzernde Eiszapfen wurden zur Zierde. Daneben dienten zahlreiche Varianten des Christkindes als Baumschmuck. Das konnte ein Prager Jesulein aus Glas sein, ein Kindl aus Wachs, Samt und Goldbrokat, kleine Christkinder mit Porzellanköpfen und Wattekleidern oder auch Springerle in Form des Fatschenkindls.

Vroni Macht

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