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Ministerium nimmt SPD-Idee vom Gleis

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Im Herzen des Fliegerhorsts soll der neue Kreuzungsbahnhof entstehen. Schon jetzt führt ein Gleisstrang von Erding aufs Gelände (roter Pfeil). Die S-Bahn soll aber unterirdisch einfahren. Luftbild: (Seeholzer)
Im Herzen des Fliegerhorsts soll der neue Kreuzungsbahnhof entstehen. Schon jetzt führt ein Gleisstrang von Erding aufs Gelände (roter Pfeil). Die S-Bahn soll aber unterirdisch einfahren. Luftbild: (Seeholzer)

Landkreis - Der Vorschlag der Stadtrats-SPD, die Walpertskirchener Spange in einem großen Bogen nordöstlich von Erding auf den Fliegerhorst zu führen und im Nordosten des Areals einen Bahnhof für S- und Regionalbahn zu bauen, ist vom Tisch. Das Wirtschaftsministerium lehnt das klar ab.

Im Dezember hatte Hans Schmidmayer, SPD-Fraktionschef im Stadtrat, eine alternative Planung zur Nord- und Südvariante des S-Bahn-Ringschlusses von Erding zum Flughafen vorgestellt. Um sich den teuren Tunnel am Wasserturm sowie den aufwändigen doppelstöckigen Kreuzungsbahnhof im Süden des Fliegerhorsts zu sparen, regten die Genossen eine Einschleifung der Regionalbahn nördlich von Williamsville an. Den Bahnhof, an dem sich S- und Regionalbahnen treffen, wünschte sich die SPD im nordöstlichen Teil des Militärareals, das verkehrsgünstig gut zu erreichen wäre. Hintergrund war die Ankündigung des Bundesverteidigungsministeriums, den Fliegerhorst aufzulösen.

Bürgermeister Max Gotz (CSU) war zwar von Anfang skeptisch. Um aber alle Chancen zu wahren, stellte er die Alternativplanung gemeinsam mit Schmidmayer im Wirtschaftsministerium zur Überprüfung vor.

Nun liegt die Antwort vor. Gotz stellte sie gestern Abend rechtzeitig vor der Sonder-Bürgerversammlung am Donnerstag kommender Woche in der Stadthalle in einer Pressekonferenz vor. Das Nein fällt deutlich aus. Hans-Peter Göttler, Leiter der Verkehrsabteilung, nennt gleich fünf Gründe, warum sein Haus dagegen ist. An erster Stelle verweist er auf den Zeitplan, der aufgrund neuer Prüfungen nicht mehr einzuhalten wäre. Das hieße: Die Finanzierung aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) würde auf tönernen Füßen stehen. Das Förderprogramm läuft 2019 aus, einen Ersatz gibt es bislang nicht.

Zweitens hat Göttler vom Bundesverteidigungsministerium die Auskunft bekommen, dass derzeit überhaupt noch nicht feststehe, wann die für den SPD-Vorschlag - zusätzlich - erforderlichen Flächen frei werden. Eine Entbehrlichkeitserklärung, wie sie für sie bisherige Planung vorliegt, könne noch nicht abgegeben werden.

Zum Dritten befürchtet man im Wirtschaftsministerium, dass ein zentrumsferner Verknüpfungsbahnhof weniger intensiv angenommen würde. Göttler macht klar, dass dann die Gefahr drohe, dass es in Erding gar keinen Regionalbahn-Halt geben könnte.

Viertens verweist Göttler auf den Konsens zwischen Bundesverkehrs- und bayerischem Wirtschaftsministerium bezüglich der Förderung beider Trassen aufgrund des Nutzen-Kosten-Faktors. Er liegt in beiden Fällen über Eins, was für die Rentabilität spricht. Diese Übereinkunft wäre durch eine gravierende Neuplanung obsolet. „Die Planungszeit und die dafür eingesetzten Mittel wären dann verloren“, heißt es.

Nicht zuletzt wird auf den Arten- und Biotopschutz verwiesen. Das neue Planungsgebiet wird ökologisch als sehr sensibel eingestuft. Das war auch bei der Nordumfahrung so.

Gotz erklärte, ihm sei eine Prüfung des Vorschlags am Herzen gelegen. Dennoch begrüße er die Antwort, weil man mit der Entscheidung über Nord- oder Südtrasse nun zügig vorankommen könne. Eine Zerschneidung des Fliegerhorsts hätte zudem die städtebauliche Überplanung schwieriger gemacht.

Von der SPD hat Gotz gehört, dass sie in der Bürgerversammlung noch einmal für ihre Idee werben wolle. „Im Endeffekt wird aber allen klar sein, dass das nicht realisierbar ist.“ Aus München hat er den Hinweis, dass bei einem flüssigen Verfahren der Antrag auf Planfeststellung in eineinhalb Jahren eingereicht werden könnte. Das Eisenbahnbundesamt bräuchte dann zirka zwei Jahre bis zum Planfeststellungbeschluss. „Damit bestünde Baurecht“, so Gotz.

Positiv wertete er die Aussage von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), dass Mittel, die für den gestorbenen zweiten Stammstrecken-Tunnel vorgesehen waren, in den Bahnknoten München fließen sollen - also auch in den Ringschluss. Gotz’ Fazit: „So weit waren wir noch nie.“ ham

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