Spektakulär: Eine Domino-Aktion startete die Mittelschule Taufkirchen zum Zeichen für Frieden, Toleranz und Mitmenschlichkeit. Foto: Weingartner

Mittelschule Taufkirchen: Dominosteine für den Frieden

Taufkirchen - Mit einem erfolgreichen „Domino-Day“ hat am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien die Mittelschule Taufkirchen eine „schuleigene Friedensbewegung“ in Gang gesetzt. Im Rahmen eines außergewöhnlichen Schulprojekts hat die ganze Schule zu Frieden und Menschenrechtswahrung aufgerufen.

Das Thema Flüchtlinge beschäftigt auch die Mittelschule in Taufkirchen. Die Vils-Gemeinde hat im Landkreis mit die meisten Asylbewerber aufgenommen. Darunter sind Flüchtlingsfamilien, deren Kinder auch die Mittelschule besuchen. Die ganze Schulfamilie überlegte daher, wie man mit den Menschen umgehen soll, erklärten gestern Schulleitung und Organisatoren der Projekttage in einem Pressegespräch mit der Heimatzeitung.

Schnell kristallisierte sich die Flüchtlingssituation als Jahresthema für die Mittelschule heraus, berichtete Rektor Josef Hofstetter. Dies habe nahe gelegen, da sich auch die Schülermitverwaltung (SMV) des Landkreises „Wir sind alle gleich“ als Statement gegen Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auf die Fahnen geschrieben hatte. „Was kann eine Schule tun?“, sei die Frage vor Ort gewesen und dabei klar, „dass es einfache Lösungen nicht gibt“. Wichtig sei der Mittelschule auch, „das Klima von Offenheit und Menschenfreundlichkeit weiter zu kultivieren“ und die gemeinsamen Werte der Schulverfassung „Achtung - Respekt - Wertschätzung - Toleranz“ zu betonen.

Diese Idee der Kreis-SMV sei an der Mittelschule aufgenommen und durch Projekttage unter dem Titel „Wir sind alle gleich - Frieden und Menschenrechte“ fortgesetzt worden. Seit November waren ein Lehrerteam sowie die drei Schülersprecherinnen, Felicia Vilgertshofer, Teresa Pöllner (sie ist auch Landkreisschülersprecherin) und Michaela Reil mit der Projektleitung betraut. Ziel des Projekts sollte sein, Schüler für die Menschenrechtsthematik zu sensibilisieren und in Zeiten von Flucht, Krieg und Fremdenfeindlichkeit ihr soziales Gewissen zu schärfen, erklärte die Projektleitung.

Am Montag war mit einer Schulversammlung auf das Vorhaben eingestimmt worden. Verbindungslehrer Robert Ackermann erklärte die Idee der drei Projekttage, deren Ziel es war, die „Herzensbildung zu stärken“, um weiter gut zusammenleben zu können als Schulgemeinschaft. Angesichts „unfassbarer Gewalt“ gegen Flüchtlingsheime, Flüchtlinge und Helfer, „wollen wir ein gewaltloses Zeichen des Miteinander setzen“. Alle rund 400 Mittelschüler vertieften dann am Dienstag bei Workshops das grundlegende Wissen und sammelten Erfahrungen im direkten Gespräch mit betroffenen Flüchtlingen.

Als krönenden Abschluss der Projekttage fand gestern in der Turnhalle eine großartige „Domino-Aktion“ statt. Der mit Hochspannung erwartete Höhepunkt stand unter der Leitung der Klassen 7 dM und 8 dM und wurde von Lehrer Manfred Stanggassinger präsentiert. In einer eindringlichen Rede wies er darauf hin, „dass jeder Schüler mit seiner Haltung und seinem Tun ein Teil der Bewegung hin zu mehr Mitmenschlichkeit sein kann. Als Symbol für die Friedensbewegung und die Kettenreaktion, die mitmenschliches, achtsames Handeln in der Welt auslöst, steht das Anstoßen der vielen individuell gestalteten Dominosteine, hin zu einer symbolischen Kettenreaktion“.

Hofstetter, Vilgertshofer, Pöllner und Reil gaben den Anstoß für den „Domino-Day“. Unter mehrminütigem Klackern und nur zwei Unterbrechungen fielen die knapp 500 hölzernen Dominosteine - eine Spende der Firma Himolla - um. Jeder Schüler hatte einen Dominostein mit Namen versehen und auf der Rückseite mit Wünschen und Gedanken zur Mitmenschlichkeit gestaltet und aufgestellt. Unter großem Applaus wurden am Ende erfolgreich das Schullogo der Mittelschule Taufkirchen und das „Peace“-Zeichen sichtbar.

Hermann Weingartner

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