Die richtige Menge macht’s: Davon ist Hermann Jäger (l.) überzeugt. Auf steigende Preise für die Milcherzeuger hoffen hingegen Aufsichtsratschef Josef Eicher, Vorstandsvorsitzender Simon Selmeier und Geschäftsführer Heinrich Gärtner (v. l.). foto: oldach

Molkereigenossenschaft Erding: Niedrigere Preise, weniger Milchbauern

Erding - 31 Cent bekommen die Landwirte im September für ein Kilogramm Milch. Doch die Verantwortlichen der Molkereigenossenschaft Erding wollen nachverhandeln.

Deutliche Worte fand Simon Selmeier, Vorstandsvorsitzender der Molkereigenossenschaft Erding, bei der Generalversammlung im Stiftungszelt am Mittwoch zum Milchpreis. „Ich denke, wir müssen da nachreden, Hermann. Wir können bei 31 Cent nicht mehr liefern“, sagte er zu Milchwerk-Chef Hermann Jäger, dessen Unternehmen seit Juli 2005 die Milch der Landkreis-Milcherzeuger zu Käse verarbeitet.

Ins gleiche Horn stieß Josef Eicher, Aufsichtsratschef der Molkereigenossenschaft. „Unser Preis passt überhaupt nicht mehr“, sagte er und führte ein Beispiel an. So koste trotz sinkender Milchpreise die 125-Gramm-Kugel Mozzarella in den Discountern unverändert 56 Cent. „Irgendwo muss das Geld hingehen, nur die Bauern kriegen es nicht“, klagte er.

Selmeier fordert einige Cent pro Kilogramm mehr, um angesichts der explodierenden Futterkosten einigermaßen kostendeckend produzieren zu können. Heuer haben die Landwirte durchschnittlich 33,44 Cent pro Kilogramm Milch bei Tageslieferung erhalten (Januar bis August). Bei einer Zwei-Tages-Lieferung packt das Milchwerk Jäger noch einmal 0,15 Cent pro Kilogramm drauf. 2011 erhielten die Landwirte im Jahresschnitt noch 35,64 Cent.

Auch die Zahl der Mitglieder, respektive der Milcherzeuger im Landkreis, sinkt. Zum Jahresende 2011 gab es noch 249 Milcherzeuger (639 Mitglieder). Zum Vergleich: Im Jahr 2007 lieferten noch 305 Bauern das weiße Lebensmittel (786 Mitglieder). Die Milchlieferung betrug 52,7 Millionen Kilogramm (2007: 55,8 Mio.).

Ein Problem sind Lieferungen über das Milchkontingent hinaus. Europaweit hat sich die Lage laut Selmeier jedoch verändert: „Die Milchmenge geht hier wöchentlich um zwei Prozent zurück.“ In Italien liegt der Rohstoffwert pro Kilogramm bei 39 Cent, bezogen auf 3,6 Prozent Fettgehalt. In der Milch der Erdinger Bauern betrug der Durchschnittsfettgehalt 4,19 Prozent. Berücksichtige man die Transportkosten nach Italien, wo Jäger viel absetzt, komme man trotzdem nicht auf den niedrigen Milchpreis.

„Die Milchpreise haben sich in ganz Europa seit einem Jahr um 20 bis 25 Prozent verringert“, erklärte Jäger. Grund sei die zu große Milchproduktion: „Erst wenn die Milchmenge wieder dauerhaft unter den Verarbeitungskapazitäten liegt, kann sich der Milchpreis festigen.“

Das Milchwerk Jäger in Haag/Oberbayern verarbeitet eine Million Liter Milch am Tag. Nach Beendigung der Umbauarbeiten im Werk sollen dort täglich sogar 1,4 Millionen Liter verkäst werden. (do)

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