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Badespaß im kühlen Nass: Die künstliche Insel im Kronthaler Weiher in Erding bleibt.  

Debatte: Andere Kommunen setzen auf Warntafeln

Moosinning mottet die Badeinsel ein

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Aufgrund eines aktuellen BGH-Urteils hat sich die Haftung der Gemeinde für Unfälle an Badeweihern deutlich verschärft. Aus diesem Grund wurde die Badeinsel im Moosinninger Weiher entfernt. Andere Kommunen setzen aber weiterhin auf Eigenverantwortung und Warntafeln und lassen die Badeinseln weiterhin draußen.

Landkreis – Die Badeinsel im Moosinninger Weiher gibt es nicht mehr. Aus Haftungsgründen wird die Gemeinde das Spiel- und Spaßgerät, auf dem vor allem Kinder herumgetollt sind, nicht mehr in Betrieb nehmen. „Die Haftung der Gemeinde für Unfälle an Badeweihern hat sich aufgrund eines aktuellen BGH-Urteils deutlich verschärft“, teilte Bürgermeisterin Pamela Kruppa (CSU) in der jüngsten Gemeinderatssitzung mit. Deshalb werde die Insel nicht mehr aufs Wasser gesetzt. Andere Gemeinden wollen sich den Badespaß jedoch nicht verderben lassen und setzen dabei auf eine entsprechende Beschilderung und Eigenverantwortung.

Im Jahr 2010 hatte sich ein damals zwölfjähriges Mädchen in Koblenz im Seil einer Boje bei einer Badeinsel verfangen und war minutenlang unter Wasser, bis dies von der Badeaufsicht bemerkt wurde. Das Mädchen hat irreparable Hirnschäden davongetragen und ist ein Pflegefall. Die Familie hatte die Gemeinde auf Schadenersatz und Schmerzensgeld verklagt. Der BGH hat nun tatsächlich einen grob fahrlässigen Pflichtverstoß bei der Badeaufsicht festgestellt.

„Für die Gemeinden bedeutet dieses Urteil, dass sie verpflichtet sind, an ihren Badeseen während der Betriebszeiten lückenlos Badeaufsichten bereitzustellen, was für uns aber schlichtweg zu teuer ist“, erklärt Moosinnings Bürgermeisterin. Die DLRG habe zwar in Moosinning einen Stützpunkt, aber hier handle es sich um ehrenamtliche Helfer, die sich zwar vorbildlich einbrächten. „Aber man kann nicht verlangen, dass sie von früh bis spät abends aufpassen – bis der letzte Badegast weg ist.“

Im Thenner Weiher locken die 50 Meter vom Ufer entfernten blauen Pontons weiterhin Schwimmer an. „Bei uns bleibt die Badeinsel am Kronthaler Weiher drin“, stellt auch Günther Pech von der Stadt Erding fest. Man wisse sehr wohl um die Haftungsfragen, aber es gebe ja die kommunale Haftpflicht. Erdings Wasserwacht-Urgestein Walter Rauscher sieht ebenfalls keinen Grund, die Insel zu entfernen. „Da wird doch den Leuten der Spaß genommen“, sagt er. „Wenn man sieht, wie viele Leute da immer auf der Insel sind und ihre Gaudi haben, das ist der Wahnsinn.“ Für den 73-Jährigen steht fest: „Es gibt doch im Endeffekt nichts, wovon keine Gefahr ausgeht. Es kann immer was passieren.“

Die Wasserwacht Erding sei natürlich nicht ständig am Kronthaler Weiher anwesend, „aber ein Bademeister im Schwimmbad kann auch nicht ständig überall sein“, stellt er fest. Rauscher setzt auf die Eigenverantwortung der Menschen und auch auf eine entsprechende Beschilderung: „Wenn Tafeln mit entsprechenden Geboten oder Verboten aufgestellt werden, dann ist jeder selbst schuld, wenn ihm was passiert.“ Rauschers Fazit: „Ich finde das Ganze übertrieben, und ich bin gespannt, wie es weitergeht.“

Die Insel im Finsinger Badeweiher ist sogar das ganze Jahr über im Wasser, berichtet die Finsinger Wasserwacht-Ortsvorsitzende Lydia Saalfrank. Sie habe von der Gemeinde noch nichts gehört, dass die Badeinsel entfernt werde. „Du kannst nicht alles verbieten“, sagt sie. „Und wenn selbst Schilder nichts nützen, was soll man machen?“ Die Wasserwacht könne schließlich nicht immer anwesend sein.

Ähnlich sieht es Florian Siegl. „An keinem See kann es eine Betreuung rund um die Uhr geben“, sagt der Chef der Wörther Wasserwacht. Seine ehrenamtliche Truppe ist an den Wochenenden und Feiertagen immer von 12 bis 18 Uhr im Einsatz. Ihn ärgert das BGH-Urteil. „Immer wird ein Schuldiger gesucht. Man sollte mal den Leuten ins Bewusstsein bringen: ,Hey, ihr seid selbst verantwortlich‘.“

Die Mentalität der Menschen werde immer schlimmer. So habe sich vergangenes Jahr etwa eine Mutter darüber aufgeregt, dass die Steine im Uferbereich nass und zu rutschig seien. „Ich habe ihr erklärt, dass es nun mal ein Naturweiher ist und man da nichts machen könne.“ Auch habe es schon Beschwerden über den Bewuchs gegeben, oder dass das Schilf im Wasser zu scharf sei und man sich daran schneiden könnte. So etwas mache ihn komplett fassungslos, sagt Siegl.

Ein anderes Beispiel sei der Holzsteg. „Der wenn nass ist, dann ist er halt rutschig, und wenn von uns früher einer hingefallen ist, denn hat man ihm gesagt: ,Pass auf, lauf nicht so schnell‘.“ Heute kämen sofort Beschwerden mit der Aufforderung, die Gemeinde müsse was machen.

„Es ist mittlerweile echt dramatisch geworden. Wenn das so weitergeht, würde ich als Gemeinde irgendwann als Konsequenz den Weiher komplett sperren, bevor mich jemand verklagt“, stellt Siegl fest. 2018 hatte er die Idee, ein Schild aufzustellen mit der Aufschrift: Das Ertrinken im Weiher ist verboten. „Aber das hat mir die Gemeinde nicht genehmigt.“

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