Kinder spielen im Wald
+
Spielen und lernen draußen in der Natur: Das soll bald auch in Moosinning möglich sein (Symbolbild).

Gemeinde will Naturkindergarten an den Start bringen – Noch kein Standort fix

„Abenteuer pur“ für Moosinninger Kinder

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
    schließen

Das Projekt Naturkindergarten in der Gemeinde Moosinning nimmt konkrete Formen an.

Moosinning – Das Projekt Naturkindergarten in der Gemeinde Moosinning nimmt konkrete Formen an. In der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend im Bürgersaal Eichenried stellten Gabriele Kemether und Susanne Burghart von der Kinderland plus gemeinnützige GmbH ihr Konzept vor. Die Gemeinderäte sahen es positiv, hatten aber viele Fragen. Einziges Problem: Es gibt noch keinen geeigneten Standort.

Kemether, hauptamtliche Kinderland-Geschäftsführerin, stellte zunächst ihre gGmbH vor. Sie wurde 1996 von einer Elterninitiative gegründet, hat ihren Sitz in Poing und mittlerweile mehr als 400 Mitarbeiter, bei einem Jahresumsatz von rund 14 Millionen Euro. 21 Einrichtungen betreibt Kinderland bereits, 15 im Landkreis Ebersberg, sechs im Landkreis Erding, darunter zwei Naturkindergärten: die Mooswichtel in Erding (Itzling) und die Holzlandwichtel in Schröding.

„Wir arbeiten nach der Grundlage von Maria Montessori, sind aber keine Montessori-Kindergärten“, stellte Kemether fest. Das Kinderland-Prinzip laute: „Wir lassen das Kind Kind sein.“

Für einen Naturkindergarten brauche man einen Bauwagen als Rückzugsort, ein Waldstück und eine Freifläche, etwa eine Wiese, erklärte Kemether und meinte: „Eigentlich nicht viel, wenn man es mit einem normalen Kindergarten vergleicht.“ Zum Thema Covid-19 sagte die Geschäftsführerin, dass die Regierung die Naturkindergärten bereits seit Mai freigegeben habe, denn: „Corona gibt’s im Wald eigentlich nicht.“

Susanne Burghart aus dem Leitungsteam der Erdinger Mooswichtel meinte schmunzelnd: „Eltern müssen schon sehr viel aushalten, denn unsere Kinder sind oft kleine Schlamm-Monster.“ Im Wald gebe es halt „jeden Tag aufs Neue wahnsinnig viel zu entdecken“.

„Das ist die Zeit, so wie wir aufgewachsen sind“, meinte Anneliese Ways (SPD) lachend und fragte, wie es sich mit Impfschutz und Haftpflicht verhalte. „Die Masernimpfung ist Pflicht, eine Zeckenimpfung wird empfohlen“, erklärte Kemether. Eine separate Haftpflicht sei nicht erforderlich.

„Das ist ja Abenteuer pur“, sagte Manfred Lex (CSU) grinsend und fragte, wie es mit Heizung und Wasser aussehe. Der Bauwagen werde mit Holz oder Gas beheizt, entgegnete Kemether. Ein Wasseranschluss sei nicht erforderlich, es stehe lediglich ein Kanister mit Wasser zur Verfügung: „Wir haben und brauchen nicht viel Wasser.“ Die Gemeinde müsse Grundstück, Bauwagen und Heizung stellen. „Und wer trägt das Defizit?“, fragte Lex. Das übernehme der Träger, so Kemether.

Nach den allgemeinen Richtlinien und Vorschriften erkundigte sich Helmut Scharlach (BB) und bekam zur Antwort, dass es eine allgemeine Betriebserlaubnis für Natur- und Waldkindergärten gebe. Bis zu 20 Mädchen und Buben seien pro Kindergarten zugelassen.

Nach dem „Toilettengang“ fragte Andreas Humplmair (CSU). „Wir haben eine Naturtoilette in einem kleinen Holzverschlag, ansonsten haben wir einen Bieslplatz“, erläuterte Burghart. „Wenn wir unterwegs sind, und es muss ein größeres Geschäft verrichtet werden, dann vergraben wir das.“

Was die Betriebszeiten betrifft, so seien diese von 7.45 bis 14.15 Uhr, „denn dann sind die Kinder eigentlich durch und sind ausgespielt“, ergänzte sie auf Nachfrage. Humplmair wollte außerdem wissen, ob denn christliche Feste gefeiert würden, wie etwa der St.-Martins-Tag, Weihnachten oder Ostern, was Burghart bejahte und ergänzte: „Wie christlich die Feste dann ausfallen, das liegt an den Erziehern.“

Das Essen werde reihum von den Eltern gekocht, berichtete Burghart. Prinzipiell laute das Prinzip: „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt.“ Allerdings nehme man freilich Rücksicht auf eventuelle Allergien oder religiöse Vorgaben. Eine Alternative wäre ein Caterer, was wiederum entsprechende Kosten verursachen würde, denn ein separates Budget stehe hierfür nicht zur Verfügung.

Bürgermeister Georg Nagler (SPD) stellte zum Abschluss der Fragerunde noch einmal ausdrücklich fest, dass ein Naturkindergarten „kein Ersatz für einen konventionellen Kindergarten ist, sondern ein alternatives Angebot“.

Die Gemeinde habe bereits ein halbes Dutzend Anfragen erhalten, jetzt brauche man nur noch ein geeignetes Grundstück. Hier ist Nagler zuversichtlich: „Ich stehe gerade wieder in Verhandlungen mit einem Waldbesitzer, und ich denke, das ist eine gute Option“, so der Bürgermeister und versprach Kemether und Burghart: „Das Grundstück schauen wir uns demnächst mal an.“

Auch interessant

Kommentare