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„Hier kann man mit wenig Aufwand viel erreichen“: Musiker Andi Starek (Bild oben, M., mit XXL-Teddy) hat einem Heim im Libanon, in dem syrische und libanesische Menschen mit geistiger Behinderung leben, ein elektronisches Schlagzeug mitgebracht. Für den Verein Orienthelfer setzt sich der Musiker seit Jahren ein – und hatte dieses Mal auch wieder tausende gespendete Kuscheltiere dabei, die er an Grundschulen verteilte.

Andi Stareks ehrenamtliches Engagement für die Orienthelfer 

Zwischen Tränen und Mut

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Mit Leidenschaft engagiert sich Andi Starek im Verein Orienthelfer für Flüchtlinge im Libanon. Dort war der Eichenrieder nach eineinhalb Jahren wieder zu Besuch. Er erinnert sich an schöne und traurige Momente.

Eichenried– Flug ST 4008, planmäßiger Start am Flughafen München um 20.45 Uhr, hat an diesem Sonntag einen ganz besonderen Fluggast an Bord. 1,50 Meter ist er groß, kuschelig weich und dafür gemacht, Kinderaugen zum Strahlen zu bringen. Rami heißt der XXL-Teddybär, der gemeinsam mit dem Eichenrieder Andi Starek die vierstündige Flugreise in die libanesische Hauptstadt Beirut antritt. Nicht im Frachtraum, sondern in der Kabine auf einem eigenen Sitzplatz.

Und Rami ist nicht das einzige Stofftier, das Starek kürzlich für den Verein Orienthelfer in den Libanon gebracht hat: Kistenweise Kuscheltiere, rund 4000 Stück, wurden mit Hilfe der Fluggesellschaft Germania eingeflogen.

Instrumente für Menschen mit Behinderung

Verteilt hat der 48-Jährige, unterstützt von Helfern, die plüschigen Tierchen an Flüchtlingskinder in Grundschulen im Libanon. „Die Schulen sind teilweise in Gebäuden untergebracht wie bei uns“, berichtet er, wieder zurück in Deutschland. Doch es sei überall extrem heiß, die Wasserversorgung mancherorts sehr schlecht – allesamt nicht gerade ideale Bedingungen zum Lernen.

Der Eichenrieder Starek engagiert sich seit einigen Jahren für die Orienthelfer – ein Verein, den Kabarettist Christian Springer ins Leben gerufen hat. Mehrere Male war er schon im Libanon zu Besuch – etwa im Oktober 2015 in der Bekaa-Ebene. Damals hatte er, gemeinsam mit dem Forsterner BRK-Mitarbeiter Phillip Reinhold, in den Flüchtlingscamps große Schulungen im Umgang mit Feldküchen abgehalten.

Die Johanniter und die Bundeswehr hatten dem Verein mobile Kochzeilen spendiert, beim Roten Kreuz in Erding hat Starek, selbst ein gelernter Koch, eine kostenlose Schulung für diese Feldküchen bekommen. „Wir bringen den Menschen vor Ort bei, mit den Küchen umzugehen. So können jetzt viele Leute dort versorgt werden“, erzählt Starek, der mit weiteren Helfern bei seinem jüngsten Besuch wieder eine Feldküche installiert und Leute geschult hat.

Die neue Küche steht in Saadnayel, wo die Orienthelfer das Projekt „Graines et Cinéma“ unterstützen, einen Bio-Bauernhof in der Bekaa-Ebene. Die Feldküche wird in Zukunft für Events mit syrischen Flüchtlingen eingesetzt „und wird unsere Mitarbeiter mit Energie für den Tag auf dem Feld versorgen“, heißt es dazu auf der Internetseite der Orienthelfer.

Eine weitere Feldküche hat Andi Starek (M.) mit nach Beirut gebracht.

Diese haben neben Küchen und Kuscheltieren noch ein weiteres Projekt gestartet: „Wir haben einem Heim für syrische und libanesische Menschen mit geistiger Behinderung ein elektronisches Schlagzeug gespendet“, berichtet Starek. Auch wenn das nur ein Nebenprojekt sei: „Hier kann man mit wenig Aufwand viel erreichen, und für mich als Musiker ist das doppelt schön.“ Die Bewohner des Heims, in erster Linie Kinder, aber auch Erwachsene mit geistiger Behinderung, hätten sich über die Abwechslung sehr gefreut und sofort drauf losgetrommelt. „Das Projekt wollen wir jetzt immer weiter ausbauen“, erzählt Starek – etwa mithilfe von Musikerkollegen, die Instrumente spenden. Speziell weitere Rhythmus-Instrumente sollen folgen.

Zuletzt war Starek vor eineinhalb Jahren in der Bekaa-Ebene zu Besuch. „Damals habe ich den Küchenchef dort eingearbeitet. Der ist mittlerweile Supervisor für die Feldküchen und schult selbst weitere Mitarbeiter“, freut sich der Eichenrieder. Kein Grund zur Freude ist hingegen der unveränderte Kriegszustand in der Region: „Das ist nach wie vor katastrophal. Es kommen immer noch jede Menge Flüchtlinge, daran hat sich nichts geändert. In Syrien ist die Situation nach wie vor sehr schlimm.“

„Da ist mir der Atem gestockt“

Ein Bild der Zustände hat sich Starek auch im Gespräch mit den Flüchtlingen vor Ort gemacht. Unter anderem hat er mit einer syrischen Familie gesprochen. Sohn Ahmad wurde im Krieg schwer verletzt, konnte Dank der Orienthelfer in Deutschland medizinisch versorgt werden. Sein Bruder und neun weitere Familienmitglieder, die im Libanon an der syrischen Grenze leben, werden dort vom Verein mit dem Nötigsten unterstützt. „This help changed our live“, sagt die Familie: „Diese Hilfe hat unser Leben verändert.“

Nicht mehr aus dem Kopf geht Starek die Geschichte einer 17-jährigen Syrerin, die Krankenschwester lernt, um anderen Menschen helfen zu können. „Als sie erzählt hat, dass sie ihren Bruder und ihre Mutter im Krieg verloren hat, hat sie angefangen, bitterlich zu weinen. Da ist mir der Atem gestockt“, sagt Starek, noch immer berührt von dieser Begegnung. „Aber sie hatte so einen Mut und so ein Herz – einfach toll.“

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