Bürgerversammlung Moosinning: Meinungen zum Schulhaus Eichenried

„Wir wollen keine tote Ortschaft sein“

Die Eichenrieder machten ihrem Ärger auf der Bürgerversammlung Luft. Und wieder war das Schulhaus das bestimmende Thema.

Eichenried – Dass die Mehrheitsentscheidung des Gemeinderats, das Eichenrieder Schulhaus zu schließen und stattdessen an das Moosinninger Schulgebäude anzubauen, nicht bei allen Bürgern auf Verständnis trifft, wurde in der Bürgerversammlung erneut deutlich. Einige Bewohner Eichenrieds machten ihrem Ärger Luft. Vor allem um die Zukunft ihres Heimatorts sorgt sich die Eichenriederin Annemarie Limmer. „In Moosinning gibt’s alles, aber wo ist die Zukunft Eichenrieds? Wir sind doch kein Weiler mit zehn Häusern“, richtete sie das Wort im vollen Bürgersaal vorwurfsvoll an die Gemeinderäte.

Nicht nur für ältere Eichenrieder gestalte sich die Alltagsbewältigung aufgrund mangelnder Einrichtungen wie Geschäfte und Apotheken schwierig, unter der Schließung des Schulhauses würden vor allem die Kinder leiden. „Durch die langen Busfahrten geht so viel Freizeit verloren. Die Kinder müssen sowieso schon so viel lernen, und dann sollen sie noch zwei Stunden für den Schulweg verschwenden“, empörte sich Limmer. „Der Bus ist um halb acht da, der Unterricht beginnt um viertel nach acht. Die Schule ist um eins aus, und die Eichenrieder Kinder sind um zwei zu Hause“, begründete sie. Es könne nicht wahr sein, dass derartige Entscheidungen lediglich auf finanzieller Basis gefällt werden. Abschließend appellierte Limmer an die Eichenrieder, zusammenzuhalten. „Wir wollen keine tote Ortschaft sein. Die Vereine werden sich bemühen, dass Eichenried nicht stirbt. Wir wollen weiterleben. Das steht uns zu“, betonte sie und erntete den lauten Applaus zahlreicher Besucher.

Bürgermeisterin Pamela Kruppa könne Limmers Einwände nachvollziehen. Letztlich handle es sich jedoch um einen Mehrheitsbeschluss, den sie zu respektieren und umzusetzen habe. Mit der Busverbindung werde sich der Gemeinderat jedoch ausführlich beschäftigen, versprach Kruppa.

Sein Unverständnis äußerte auch der Eichenrieder Johann Stangl. „Wurde hier vielleicht ein Projekt schöngerechnet und das andere hochgerechnet?“, richtete er das Wort in Bezug auf die für Eichenried geschätzten Kosten von rund 2,8 Millionen Euro und die für Moosinning erwarteten zwei Millionen Euro an die Besucher. Er könne sich nicht vorstellen, dass Folgekosten wie die Instandhaltung des Gebäudes in die Entscheidung einbezogen wurden. „Oberding und Finsing investieren in ihr Schulwesen. Moosinning investiert in das Freizeitgelände. Was wäre da wohl wichtiger gewesen? Die Schule oder der Sport?“, empörte er sich weiter.

Die angespannte Stimmung entging auch Vize-Landrat Jakob Schwimmer nicht. „Eine solche historische Entscheidung drückt sich natürlich in der Stimmung aus. Aber das Leben geht weiter. In einer Demokratie gibt es eben Mehrheitsbeschlüsse“, äußerte er sich zum Thema Schulhäuser.

Julia Adam

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