Bürgermeister Georg Nagler steht vor dem Zaun der Eichenrieder Kinderkrippe Buntstift-Bande
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Das Haus hinter dem charakteristischen Buntstift-Zaun an der Eichenrieder Ortsdurchfahrt bleibt ab sofort leer. Die Gemeinde hat die Kinderkrippe geschlossen. Die Gründe dafür erläutert Bürgermeister Georg Nagler.

Gemeinde schließt Krippe – Kinder und Personal ziehen nach Moosinning um

Das Ende der Buntstift-Bande Eichenried

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Die Gemeinde Moosinning schließt das Gebäude, in dem die AWO-Kinderkrippe Buntstift-Bande in Eichenried untergebracht war. Kinder und Mitarbeiterinnen haben aber schon eine neue Heimat gefunden.

Eichenried – Seit vielen Jahren ist der knallbunte Zaun aus überdimensionalen Buntstiften ein Hingucker an der Eichenrieder Ortsdurchfahrt. Einen neuen Anstrich könnten die Holzpfähle durchaus vertragen – und auch die Kinderkrippe Buntstift-Bande, die sie einrahmen, müsste saniert werden. Ein Gutachten hat bauliche Mängel festgestellt. Deren Behebung wäre jedoch verbunden „mit sehr hohem Aufwand, der weder aus zeitlichen noch wirtschaftlichen Gründen vertretbar ist“, sagt Bürgermeister Georg Nagler (SPD).

„Die Sicherheit geht einfach vor“

Deshalb, und um die Sicherheit von Kindern und Personal zu gewährleisten, wurde beschlossen, die Einrichtung zu schließen. Das habe man ohnehin vorgehabt – eigentlich jedoch mittelfristig und nicht schon zum jetzigen Zeitpunkt. „So schwer es mir gefallen ist, und das ist natürlich keine schöne Entscheidung – aber die Sicherheit geht einfach vor“, sagt Nagler im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Krippe ist in einem sehr alten Gebäude untergebracht, das einst die Hausmeisterwohnung der Schule beherbergt hat. Sie war im Jahr 2007 zur Krippe umgebaut worden.

„Unglaublicher finanzieller Aufwand“

Bekanntermaßen hat der Gemeinderat vor einigen Jahren beschlossen, das Schulhaus aufzugeben und die Schule mit einer Erweiterung in Moosinning zusammenzuführen. Die Buntstift-Bande konnte weiter betrieben werden. „Damals hatten wir das Gebäude von einem Ingenieurbüro untersuchen lassen“, blickt Nagler zurück. Ergebnis: Wenn einige Maßnahmen ergriffen würden, könne die Genehmigung für den Betrieb der Krippe bis September 2020 aufrechterhalten werden. Zum Ende dieser Frist erfolgte deshalb im August ein neues Gutachten.

Dieses habe ergeben, „dass einige Dinge nicht mehr dem Stand der Zeit entsprechen“. Es gebe bauliche Mängel, die die Standsicherheit erheblich einschränken würden. Zudem seien beim Bau Materialien verwendet worden, die den aktuellen Brandschutzbestimmungen nicht mehr zu hundert Prozent genügen. „Das alles wäre zwar machbar gewesen, und wir hätten auch eine weitere Genehmigung bekommen“, stellt Nagler klar. „Aber wir hätten Brandschutz und Statik mit einem unglaublichen finanziellen Aufwand anpacken müssen.“

Mit der AWO eine „charmante Lösung“ gefunden

Doch es gehe hier um die Sicherheit der Kinder und der Mitarbeiterinnen. „Die Gemeinde stellt dem Träger das Gebäude zur Verfügung, und ich als Bürgermeister bin am Ende in der Verantwortung. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiert, minimal ist: Ich will nur ein Gebäude übergeben, das zu hundert Prozent dem technischen Stand entspricht“, sagt Nagler.

In enger Absprache mit der AWO als Träger („Es gab tolle Gespräche“) habe sich relativ schnell eine „charmante Lösung“ gefunden, so der Bürgermeister: Für alle Kinder der Buntstift-Bande – derzeit sind es sieben, im Oktober kommen drei weitere hinzu – gibt es im AWO-Kinderhaus Am Fehlbach in Moosinning Betreuungsplätze. Auch die beiden Mitarbeiterinnen ziehen übergangslos mit um.

Neue Lösung bringt Vorteile für Eltern und Kinder

„Dadurch ergibt sich für die Eltern sogar noch ein Vorteil“, findet Nagler. „Bisher hatten wir das Problem, dass die Kinder mit drei Jahren die Einrichtung wechseln mussten, weil wir hier nur eine reine Krippe hatten. Da war immer ein Bruch da. Im Kinderhaus ist der Übergang in den Kindergarten direkt möglich.“ Das würde auch von immer mehr Eltern gewünscht.

Apropos: Die betroffenen Eltern seien noch am Mittwoch informiert worden, der Träger habe mit ihnen Gespräche geführt, „was sehr wohlwollend aufgenommen wurde. Das hat mich sehr gefreut“, sagt Nagler.

Die Kinder haben die Krippe schon am gestrigen Donnerstag verlassen. Mit dem Bus ging es nach Moosinning in die neue Heimat, wo die Mädchen und Buben dann das erste Mal von ihren Eltern abgeholt wurden. Nach dem Wochenende schließt die Buntstift-Bande offiziell.

Was passiert mit dem Gelände? Darüber entscheidet der Gemeinderat

Wie es dann mit den leeren Gebäuden von Krippe und Schule weitergeht, darüber macht sich der Gemeinderat schon länger Gedanken. Wie berichtet, waren für das Areal ein Mehrgenerationenhaus oder auch Seniorenwohnen bereits im Gespräch. „Wir brauchen eine zukunftsträchtige Lösung“, sagt Nagler und meint: „Es wäre schön, wenn wir wieder ein Zentrum für Eichenried hinbekämen mit Kirche und Bürgersaal gegenüber sowie dem Fußballplatz in der Nähe.“ Dafür biete sich nun „eine charmante Möglichkeit“ – freilich alles immer mit Blick auf den Haushalt und die Corona-Situation.

Vroni Macht

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