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Auf dem Weg nach Altötting: Zahlreiche Gläubige pilgern jedes Jahr am Pfingstsamstag zur Schwarzen Madonna. Unser Bild ist beim 90-jährigen Jubiläum der Eichenrieder Wallfahrt vor acht Jahren entstanden.

Eichenrieder Wallfahrt entfällt wegen Corona

Anliegen an die Gottesmutter per E-Mail und Brief

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Weil die Eichenrieder Wallfahrt nach Altötting heuer wegen Corona ausfällt, pilgert Diakon Dieter Spöttl  stellvertretend für die Gläubigen. Im Gepäck hat er deren Anliegen an die Gottesmutter. 

Eichenried– Manche pilgern, um Hilfe in einer schwierigen Lebenslage zu erbitten; andere machen sich aus Dank, eine besondere Herausforderung in ihrem Leben gemeistert zu haben, auf den Weg. Und für viele ist es einfach Tradition, am Pfingstsamstag nach Altötting zu gehen. Eine Tradition, auf die die Gläubigen aus Eichenried und Umgebung heuer verzichten müssen, denn aufgrund der Corona-Krise wurde die Fußwallfahrt abgesagt.

Eine Wallfahrt stellvertretend für alle Daheimgebliebenen

Als langjähriger Pilgerleiter will Diakon Dieter Spöttl ihnen trotzdem eine Möglichkeit anbieten, ihre ganz persönlichen Anliegen an den Gnadenort zu bringen. „In den Pfingstferien werde ich stellvertretend für alle Daheimgebliebenen eine Wallfahrt nach Altötting unternehmen. Sehr gerne nehme ich dabei ihre persönlichen Anliegen auf dem Weg mit und bringe sie ins Gebet“, erklärt der Eichenrieder. „In Altötting vertraue ich die Anliegen gerne der Fürbitte der Mutter Gottes und des Heiligen Bruder Konrad an. Egal ob es sich um eine Bitte, einen Dank oder ein sonstiges Anliegen handelt.“ Der Diakon betont, dass ihm jeder seine Anliegen bringen dürfe, egal ob regelmäßiger Pilger oder nicht, egal ob aus dem Pfarrverband oder nicht: „Das ist vollkommen offen für jedermann.“

„Mir liegen die Pilger am Herzen“

Die Idee, dass Pilger Anliegen für andere Menschen mitnehmen, die selbst nicht mitgehen können, „ist so alt, wie es Wallfahrten gibt“, sagt Spöttl. Auch bisher sei es immer mal wieder vorgekommen, dass er quasi im Auftrag eine Kerze angezündet oder ein Gebet gesprochen habe. „Die Idee ist also nicht neu, aber heuer ist es dennoch eine ganz besondere Situation“, erklärt der 57-Jährige. „Mir liegen die Pilger am Herzen, die immer mitgehen, und mir ging ständig durch den Kopf, dass man die Wallfahrt nicht einfach ausfallen lassen kann“, erzählt Spöttl. Immerhin würden jedes Jahr zwischen 150 und 200 Gläubige von Eichenried aus nach Altötting pilgern.

Pilgerleiter die Eichenrieder Wallfahrt ist Diakon Dieter Spöttl seit 1983.

„Dieser Ort bedeutet mir sehr viel, und mir war schnell klar, dass ich mich auch heuer auf den Weg machen werde“, berichtet Spöttl. Als er dann auch noch im Radio gehört habe, dass der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer die Anliegen der Gläubigen persönlich zur Gottesmutter bringen will, kam ihm die Idee: „Dann nehme ich doch meine Pilgergruppe einfach auf andere Weise mit und biete an, ihre Anliegen nach Altötting zu bringen.“

Bei den Gläubigen kam das bisher gut an. Kaum hingen die Plakate in den Pfarrbüros, hätten auch schon zwei Personen ihre Anliegen geschickt. Wie viele es noch werden? „Ich warte einfach ab, was sich ergibt.“

Die Eichenrieder Wallfahrt wurde 1922 gegründet

Die Eichenrieder Wallfahrt wurde 1922 gegründet. Seitdem ist sie noch nie ausgefallen, weiß Spöttl – mit Ausnahme der Kriegsjahre, als sie verboten war. Wie sie entstanden ist, kann man nicht mehr ganz genau sagen, denn es gibt nur vage Aufzeichnungen. Ein möglicher Anlass könnte ein Gelübde von Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg sein, die sich nach ihrer Heimkehr auf eine Dankwallfahrt begeben haben.

Aus der Tradition heraus startete die Wallfahrt immer schon am Pfingstsamstag von Eichenried aus zu Fuß und mit der Bahn nach Altötting. So konnten die Gläubigen dort am Pfingstsonntag die Heilige Messe feiern und sich dann wieder auf den Heimweg machen. „Die Teilnehmer kommen aus verschiedenen Orten des Pfarrverbands und der angrenzenden Pfarreien, aber auch aus Orten, die weiter entfernt sind, wie Oberföhring, Germering oder Dachau“, berichtet Spöttl.

Im Oktober 2010 zum Diakon geweiht

Der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne wohnt in Eichenried und wurde am 2. Oktober 2010 in München zum Diakon geweiht. Seitdem ist er Diakon im Pfarrverband Bogenhausen-Süd. Diesen Januar erfolgte zusätzlich die Beauftragung zum Geistlichen Begleiter der Diakone in Ausbildung und deren Familien in der Erzdiözese München und Freising. Pilgerleiter der Eichenrieder Wallfahrt ist Spöttl seit 1983.

„Die Wallfahrt hat für meinen Berufungsweg zum Diakon eine wesentliche Bedeutung. Meine Erfahrungen aus den Begegnungen mit Menschen, die sich im Glauben auf den Weg machen, und meine persönlichen Glaubenserfahrungen am Gnadenort von Altötting haben mir den Mut und das Durchhaltevermögen gegeben, den Weg zum Diakonat zu bestehen“, sagt Spöttl.

Geplant ist eine Ersatz-Wallfahrt im Herbst

Sein Urgroßvater war einst einer der Gründer der Eichenrieder Wallfahrt, lange Zeit hatte er die Pilgerleitung inne. „Ich habe ihn als Kind immer sehr dafür bewundert“, erinnert sich Spöttl, der als Jugendlicher selbst zweimal mit pilgerte, bevor er als junger Mann gefragt wurde, ob er nicht die Leitung übernehmen würde.

Auch wenn sich Spöttl diese Pfingsten alleine auf den Weg macht – geplant wird schon in die Zukunft. „Wir möchten die Wallfahrt nach Altötting im Herbst nachholen, falls die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie es zulassen.“ Ins Auge gefasst hat das Team dafür Samstag/Sonntag, 12./13. September.

Ob und in welcher Form letztendlich die Wallfahrt stattfindet, wird spätestens Mitte August bekannt gegeben. „Ich bin überzeugt, es wird ganz anders werden als die Wallfahrt zu Pfingsten. Alleine schon von der Jahreszeit her, und wir werden nicht ganz ohne Auflagen unterwegs sein dürfen.“

Kontakt zum Pilgerleiter

Die Anliegen können bis spätestens Pfingstsonntag, 31. Mai, ans Pfarrbüro Eichenried, z. Hd. Diakon Spöttl (persönlich), Münchner Straße 38 in 85452 Eichenried geschickt oder dort eingeworfen werden. Daneben ist auch eine Kontaktaufnahme per E-Mail an D.Spoettl@gmx.de, Betreff: Anliegen Altötting, möglich.

100 Jahre Eichenrieder Wallfahrt

Im Jahr 2022 feiert die Eichenrieder Wallfahrt ihr 100-jähriges Jubiläum. Ideen für die Feier gebe es schon einige, sagt Dieter Spöttl. So überlege man, einen Bus für die Wallfahrt zu organisieren, damit auch teilnehmen kann, wer nicht mehr so gut zu Fuß ist. Vielleicht werde es auch eine aktualisierte Auflage der Chronik geben, die zum 80-jährigen Jubiläum erschienen ist. „Und mit Sicherheit werden wir einen Festgottesdienst in Eichenried feiern“, verspricht Spöttl.

vam

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