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Der Sattelzug-Fahrer musste nach rechts ausweichen, um einen Frontalcrash zu vermeiden.

30-Jähriger vor Gericht – 4000 Euro Strafe und 19 Monate Führerscheinsperre

FTO: Rowdy überholt elf Autos - dann knallt‘s

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Wegen eines waghalsigen Überholmanövers auf der FTO stand ein Erdinger (30) vor Gericht. Die erhoffte Milde versagten ihm Richter und Staatsanwalt. Dafür gab es eine Gardinenpredigt.

Erding/Moosinning – Die Flughafentangente Ost ist eine der unfallträchtigsten Straßen im Landkreis. Vor allem Überholer verursachen hier immer wieder schlimme Kollisionen. Deswegen gilt seit einigen Jahren auf der über 30 Kilometer langen Nord-Süd-Achse ein fast durchgängiges Überholverbot.

Um das scherte sich am 20. Januar dieses Jahres ein 30-Jähriger nicht. Auf Moosinninger Flur überholte er gegen 14.30 Uhr eine Kolonne mit gleich elf (!) Fahrzeugen. Ein Himmelfahrtskommando, das prompt in einem Unfall mündete. Jetzt kam es zum Prozess.

Staatsanwalt Anselm Schmidt warf dem Maschinenanlageführer vor, das Manöver auch dann nicht abgebrochen zu haben, als ein Sattelzug im Gegenverkehr nahte, der mehrmals aufblendete. Der Fahrer musste nach rechts aufs Bankett ausweichen, um einen mutmaßlich tödlichen Unfall zu vermeiden. Beim Einscheren rammte der 30-Jährige den Wagen einer Frau, die ein Schleudertrauma und Verletzungen an der Schulter erlitt. All das zeichnete eine Kamera im Führerhaus des Sattelzugs genauestens auf – im Prozess ein wichtiges Beweismittel.

Dem Erdinger war daraufhin ein Strafbefehl über 100 Tagessätze zu je 40 Euro, also 4000 Euro Gesamtstrafe, sowie eine 19-monatige Führerscheinsperre ins Haus geflattert. Der Erdinger fühlte sich zu streng bestraft und legte Einspruch ein. Der wurde nun am Amtsgericht Erding unter dem Vorsitz von Richter Björn Schindler verhandelt.

Er machte gleich zu Prozessbeginn deutlich, dass der Angeklagte nicht viel zu erwarten habe. „Mit dem Strafbefehl waren wir ohnehin eher nett“, meinte Schindler. Mehrfach führte ihm der Richter vor Augen, wie fahrlässig und lebensgefährlich das Manöver gewesen sei. „Sie sollten sich jeden Tag vor dem Schlafengehen bei wem auch immer bedanken, dass das nicht schlimmer ausgegangen ist.“ Es hätte auch eine Familie mit Kindern treffen können.

Schindler riet, den Einspruch zurückzuziehen. „Denn die Geldstrafe könnte hier auch höher ausfallen, sogar eine Gefängnisstrafe kommt in Betracht.“ Das sagte der Richter mit Blick ins Bundeszentralregister. 2012 war der damals 22-Jährige wegen einer ähnlichen Rambo-Fahrt schon einmal mit einer Geldstrafe belegt worden. Auch Staatsanwalt Schmidt ließ durchblicken, dass er sich eine höhere Strafe gut vorstellen könne.

Der Angeklagte erklärte, es sei ein Fehler gewesen, den er bedauere. Das Überholmanöver habe er aber in einem Bereich gestartet, wo es (noch) erlaubt ist. Er heirate in drei Wochen und brauche den Führerschein. Schließlich gingen er und sein Anwalt Martin Paringer vor die Tür. Als beide wieder hereinkamen, zog der Erdinger seinen Einspruch zurück. Es bleibt bei den 4000 Euro Strafe. Von den 19 Monaten Führerscheinentzug sind schon drei vorbei. ham

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