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Tonnen von Hilfsgütern für Ukraine gebracht, 28 Flüchtlinge gerettet

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Von: Wolfgang Krzizok

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Alles gut gegangen (v. l.): Felix Sproll, Melanie Weiß, die ukrainischen Flüchtlinge Elie und Tetiana Romanovskaya sowie Olga Parsiak, außerdem Oliver Frank, Armin Landshammer und Roland Hefter. Beim Abschied fließen Tränen An Grenze überall Maschinenpistolen Vier warten noch in Polen
Alles gut gegangen (v. l.): Felix Sproll, Melanie Weiß, die ukrainischen Flüchtlinge Elie und Tetiana Romanovskaya sowie Olga Parsiak, außerdem Oliver Frank, Armin Landshammer und Roland Hefter. Beim Abschied fließen Tränen An Grenze überall Maschinenpistolen Vier warten noch in Polen © Wolfgang Krzizok

50 Stunden Kälte, Schlafmangel und Strapazen: Der Helferschwein-Konvoi ist zurück.

Eichenried – Alle Teilnehmer des Helferschwein-Konvois mit Hilfsgütern für die Ukraine sind von ihrem Einsatz wohlbehalten zurückgekommen. Fast alle. Vereinsvorsitzender und Organisator Harry Hoyler weilte am Freitag noch an der Umladestation in Polen. Er, seine Frau und zwei Begleiter werden erst heute zurückerwartet.

Im Laufe des Freitags treffen alle Hilfsfahrzeuge wieder ein. Das letzte rollt gegen 15 Uhr am Abfahrtsort in Eichenried ein – am Steuer Roland Hefter. Mit im Bus fünf Helfer und drei ukrainische Flüchtlinge, die erleichtert sind, in Sicherheit zu sein.

Der Erdinger Armin Landshammer und seine Arbeitskollegin Melanie Weiß steigen aus. „Jetzt waren wir 50 Stunden unterwegs und haben nur ein paar Stunden geschlafen“, meint Hefter, und fährt mit seinen anderen Passagieren gleich weiter nach München. Weiß kullern die Tränen übers Gesicht, als sie sich von den Mitfahrern verabschiedet. „Es war unglaublich emotional“, sagt sie.

Am Mittwoch sind insgesamt 40 Fahrzeuge in Richtung Polen aufgebrochen. „Nach rund 15 Stunden Fahrt via Görlitz waren wir gegen 6 Uhr morgens im Hotel in Polen, und gegen 11.30 Uhr hat uns der Roland schon wieder abgeholt“, erzählt Weiß. „Nach zwei Stunden Fahrzeit waren wir am Umladeplatz.“

Dort herrscht erst einmal Chaos, wie es Landshammer beschreibt. „Da war noch kein Stapler da, und die Helfer hatten schon angefangen, alles mit der Hand abzuladen.“ Eine Heidenarbeit. „Die haben zu sechst 300 bis 400 Kilo schwere Paletten runtergehoben – der Wahnsinn“, meint er kopfschüttelnd.

Wichtig ist, Medikamente und hochwertige medizinische Geräte in eine Halle zu bringen. Darunter fünf Sauerstoffgeräte mit Zubehör, die die Firma Linde, Arbeitgeber von Weiß und Landshammer, gespendet hat.

Per Menschenkette werden die Hilfsgüter umgelagert. „Eigentlich hätten schon vier 40-Tonner da sein sollen, aber es gab Probleme an er ukrainischen Grenze“, erzählt der Erdinger. „Als die Lkws und ein Stapler da waren, ging es viel schneller.“

Am Abend fährt der „Hefter“-Transporter, in dem sich drei Fahrer regelmäßig abwechseln, schon wieder zurück – via Slowakei. „Da sind wir fast vier Stunden im Schnee Serpentinen gefahren“, berichtet Weiß. „Und es war saukalt im Auto.“

Gegen Mitternacht erreicht man ein Flüchtlingslager nahe der slowakisch-ukrainischen Grenze. „Da wird dir schon mulmig, wenn du überall Soldaten mit Maschinenpistolen stehen siehst. Das war echt beklemmend“, beschreibt Landshammer.

„Und da sind die Leute, darunter viele Kinder, 20 oder 30 Stunden zu Fuß unterwegs gewesen. Unglaublich.“ Drei Flüchtlinge werde aus der Kälte mit an Bord genommen – Bekannte des Münchner Stadtrats Felix Sproll, der mit dem Trio stets in Kontakt ist.

Der Reisebus, der Teil des Konvois ist, hat zuvor schon 20 Flüchtlinge aufgenommen, in einen weiteren Transport steigen fünf Personen ein. „Die Leute waren zunächst skeptisch, weil der Bus von keiner offiziellen Hilfsorganisation kam. Sie hatten Angst, an Menschenhändler zu geraten“, erzählt Landshammer. Aber die Sorgen der Flüchtlinge können schließlich zerstreut werden.

Via Bratislava geht es weiter nach Österreich und schließlich wieder heim nach Deutschland. „Bis auf das Frühstück im Hotel haben wir uns eigentlich nur von Wurstsemmeln ernährt“, sagt Weiß und muss lachen. Richtig geschlafen hätten sie vielleicht sechs Stunden – und vielleicht das eine oder andere Nickerchen im Auto gemacht. „Jetzt heim, duschen, essen, schlafen“, sagen Landshammer und Weiß, als sie sich verabschieden und in ihre Autos steigen

Harry Hoyler steht unterdessen immer noch am Umladeplatz in Polen. Er wartet, bis das letzte Hilfspaket auf dem Weg in die Ukraine ist. Und übersieht dabei, dass alle Helferschwein-Fahrzeuge schon weg sind. Jetzt muss ihm geholfen werden. Ein kurzes Telefonat, und noch am Freitagabend bricht ein Spezl auf, um die Eichenrieder abzuholen. » MÜNCHEN

10 000 Euro Spende

Das Leid der Menschen in der Ukraine hat einen Tegernseer Unternehmer, dessen Betrieb im Landkreis Erding viele Aufträge hat, nicht mehr zur Ruhe kommen. „Ich konnte nicht mehr schlafen, weil mir die traurigen Bilder nicht mehr aus dem Kopf gingen“, sagt der 57-Jährige, der lieber anonym bleibt. Spontan überwies er 10 000 Euro an die Helferschweine. Dabei bleibt es nicht. Denn auch sämtliche Sprit- oder Mautkosten für den nächsten Hilfstransport übernimmt der Unternehmer. Wer finanziell helfen will, kann auf die IBAN DE02 7004 0041 0213 4054 00 seine Spende an den Verein Helferschwein überweisen.

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