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Begleitet die Eichenrieder Wallfahrt bereits zum 31. Mal als Pilgerleiter: Diakon Dieter Spöttl (r.), hier bei einer Israel-Reise. 

Interview mit Diakon Dieter Spöttl zur Eichenrieder Fußwallfahrt 

„Ich schöpfe daraus viel Kraft und Energie“

Zum 95. Mal pilgern an Pfingsten Gläubige aus Eichenried nach Altötting. Über diesen jahrzehntelangen Brauch sprachen wir mit Diakon Dieter Spöttl (54), Pilgerleiter der Eichenrieder Wallfahrt.

Herr Spöttl, seit Jahrzehnten ist die Eichenrieder Fußwallfahrt ein Erfolg. Warum pilgern so viele Menschen?

Dieter Spöttl: Ich denke, es gibt nicht den „einen Grund“ dafür. Aber es sind Grundlagen in uns angelegt, die bei einer Wallfahrt zur Geltung kommen können: Der Drang, uns körperlich zu bewegen und die Suche nach etwas, das uns in dieser manchmal unsicheren Welt hält, unserem Dasein einen Sinn und uns Orientierung für ein gelingendes Leben gibt. Daraus ergeben sich unterschiedliche Motive für eine Wallfahrt: individuelle Bitten für nahestehende Menschen oder für sich selbst; der Dank für erhörte Bitten und damit erfahrenes Heil; das Wiederholen der positiven Erfahrung in der Gemeinschaft und die Ausstrahlung des Wallfahrtsorts. Vermutlich vereint der einzelne Pilger mehrere dieser Motive in sich. Pilgern scheint auch eine Art von Frömmigkeit zu sein, die den heutigen Menschen mehr anspricht als andere kirchliche Angebote.

Warum ist die Eichenrieder Fußwallfahrt so erfolgreich?

Spöttl:Die Teilnehmerzahlen sind seit der ersten, mir bekannten Aufzeichnung von 1982 mit knapp 60 Pilgern auf mittlerweile über 200 angewachsen. Offensichtlich ist es unserem Organisationsteam gelungen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die viele Menschen einladen, sich mit uns auf Wallfahrt zu begeben. Dazu gehört auch der Anspruch, stets eine gute Auswahl von Gebeten, Liedern und Texten für den Weg zu finden.

Warum wird an Pfingstsamstag gepilgert?

Spöttl:Aus der Tradition heraus. Soweit ich weiß, startete die Eichenrieder Wallfahrt immer schon am Pfingstsamstag. So konnte man am Pfingstsonntag in Altötting die Heilige Messe feiern und sich dann wieder auf den Heimweg machen. Die Zeit um das Pfingstfest ist für das Wallfahren zu Fuß günstig. Die Tage sind länger und wärmer, aber noch nicht zu heiß. Nicht zuletzt gilt das Pfingstfest als Geburtsstunde unserer Kirche, der Gemeinschaft von Gläubigen, die auch als „pilgerndes Gottesvolk“ bezeichnet wird.

Wie ist die Eichenrieder Wallfahrt entstanden?

Spöttl:Das kann man nicht mehr so genau sagen, denn es gibt nur vage Aufzeichnungen. Ein möglicher Anlass könnte ein Gelübde von Soldaten aus dem 1. Weltkrieg sein, die sich nach ihrer Heimkehr auf eine Dankwallfahrt begeben haben. Im Protokollbuch des Krieger- und Soldatenvereins Eichenried wird im Gründungsjahr von einer Wallfahrt nach Altötting berichtet. Im Laufe der Zeit haben sich immer mehr Menschen angeschlossen.

Was ist der Höhepunkt für die Teilnehmer?

Spöttl: Ich denke das Erreichen des Ziels mit dem Einzug und der Ankunft in Altötting. Der Aufstieg zum Kapellplatz, das Erblicken der Gnadenkapelle und das Ankommen mit der Begrüßung durch einen der Kapuziner bewegen die meisten Pilger tief, was in vielen Gesichtsausdrücken abzulesen ist.

Was ist für Sie das Besondere an der Eichenrieder Fußwallfahrt?

Spöttl: Es ist heuer die 31. Wallfahrt nach Altötting, die ich als Pilgerleiter begleiten darf. Sie hat für meinen Berufungsweg zum Diakon eine wesentliche Bedeutung. Meine positiven Erfahrungen aus den Begegnungen mit Menschen, die sich im Glauben auf den Weg machen, und meine persönlichen Glaubenserfahrungen am Gnadenort von Altötting haben mir den Mut und das Durchhaltevermögen gegeben, den manchmal mühsamen Weg zum Diakonat zu bestehen. Diese Wallfahrt ist für mich auch Anlass, der Mutter Gottes für ihre Fürsprache und dem mitgehenden Gott für sein Geleit in meinem Leben zu danken. Freilich nehme ich auch Bitten und Anliegen mit nach Altötting – meine persönlichen und die von Menschen, die mir mitgegeben werden. Sich immer wieder auf Wallfahrt oder Pilgerreise aufzumachen, auch zu anderen Orten wie Assisi oder das Heilige Land, bedeutet mir sehr viel. Ich schöpfe daraus viel Kraft und Energie.

Ist zum 95-jährigen Jubiläum etwas Spezielles geplant?

Spöttl:Nein. Im Organisationsteam haben wir vor längerer Zeit beschlossen, das 100-Jährige gebührend zu feiern.

Das Gespräch führte Julia Adam.

Die Wallfahrt

startet am Pfingstsamstag um 2 Uhr an der Kirche Eichenried. Auskünfte erteilt Dieter Spöttl unter Tel. (01 74) 7 23 13 88

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