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Po etischer Realist: Der 90-jährige Kunstmaler Wolfgang Martini ist in seinem hauseigenen Atelier in Moosinning immer noch künstlerisch tätig und arbeitet hier an einer Ansicht von Altenerding, die inzwischen Geschichte ist. 

Porträt: Kunstmaler Wolfgang Martini 

Mit Sinn für die Poesie des Augenblicks

Auch mit 90 Jahren wird der Moosinninger Kunstmaler Wolfgang Martini nicht müde, seine Umgebung auf Leinwand festzuhalten. Besonders inspirieren ihn Stadt und Landkreis Erding.

Moosinning– „Die Lange Zeile ist für einen Maler eine Augenweide“, sagt der 90-jährige Kunstmaler Wolfgang Martini. Der gebürtige Berliner, der mit seiner Frau Helene vor 30 Jahren seine Wahlheimat in Moosinning gefunden hat, übt immer noch seinen Herzensberuf aus und hat viele „herrliche Motive im Kopf“.Der Landkreis und vor allem die Herzogstadt inspirieren Martini zu seinen Bildern. Er hat Erdinger Ansichten eingefangen, die sich im Laufe der Zeit verwandelt haben. Doch ihren ländlichen Charme hat der ausgebildete Kunstmaler in seinen Ölgemälden festgehalten.

Seine Galerie im Treppenhaus spiegelt auch das Leben eines Mannes wieder, der viel herumgekommen ist. „Es sind alles Erinnerungen, die ich mitgebracht habe“, erzählt der jung gebliebene alte Herr mit Blick auf seine Arbeiten. Martini ist Weltbürger, arbeitete während seiner Zeit als Lehrer für Elektronik bei der Bundeswehr viel im Ausland, war in Amerika und Frankreich. Er lebte und lehrte vier Jahre lang in Portugal, wo er junge Menschen in ihrer Landessprache in den Grundlagen der Elektronik unterrichtete. Mit Ehefrau Helene hat Wolfgang Martini große Reisen unternommen.

Und immer wieder ist es die Malerei, die ihn im hauseigenen Atelier beflügelt, ihn einprägsame Häuserfassaden, pittoreske Marktszenerien, idyllische Landschaften festhalten lässt. Als genauer Beobachter hat er ein feines Gespür für besondere Orte entwickelt, fängt ihren Zauber ein, vereint die naturalistische Darstellung mit seinem feinen Sinn für die Poesie des Augenblicks, die er als Bildvorlage meist mit der Kamera festhält. „Sollte ich mich selbst charakterisieren müssen, so würde ich mich als einen realistischen Romantiker beschreiben.“

Mit wachem Blick, unerschöpflicher Neugier auf das Leben und viel Optimismus hat Martini schwere Zeiten gemeistert. Er sei glücklich über jeden Tag auf dieser „wunderbaren Welt“. Dabei gehört der Berliner zu den Männern, denen der Krieg die Jugend und eine selbstbestimmte Entfaltung geraubt hat. Er gehört jener Generation an, „die der Krieg daran hinderte, durch eine kontinuierliche Ausbildung zum Wunschberuf zu kommen“.

Dennoch hat er dieses Ziel nie aus den Augen verloren. Seine Eltern unterstützten den künstlerisch begabten Buben früh, förderten sein Talent zum Zeichnen und Malen, ermöglichten ihm in der kargen Zeit Kunstunterricht. Der Vater, aus einer Handwerksfamilie stammend, beharrte allerdings darauf, dass der Sohn einen Brotberuf erlernte, der ihn in unsicheren Zeiten über Wasser hält. So wurde Martini Chemigraf – ein Beruf, der ihn mit dem Gesamtablauf des Buch- und Offsetdrucks vertraut machte und den es heute nicht mehr gibt.

Der 90-Jährige hat viele denkwürdige Entwicklungen und Erfindungen erlebt. „Ich habe den Zeppelin noch fliegen gesehen“, sagt er zum Beispiel. Heute bedient sich Martini der Computertechnik und hat sich in höherem Alter noch Kenntnisse angeeignet. Die Malerei ist in seinem Leben eins konstante Größe.

Früher hat Martini viele Auftragsarbeiten, darunter figürliche Schnitzereien, ausgeführt. „Jetzt arbeite ich nur noch für mich“, meint er lächelnd. Seine letzte große Ausstellung im Frauenkircherl stellte der Maler zu seinem 75. Geburtstag zusammen. Sie sei „sehr gut angekommen“, erinnert er sich. Rund tausend Besucher hätten während einer Woche das Kircherl besucht, um sich von seinen Werken verzaubern zu lassen. 77 Bilder, die viel von Erding im Wandel der Zeit erzählen, hat Martini der Herzogstadt vermacht.

Vroni Vogel

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