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Sophie Jägerwar dabei, als ihr Sohn seinen historischen Triumph mit dem niedrigsten Score aller Zeiten feier.

Golf-rekord – Interview mit Stephan Jägers Mutter Sophie

„Mama, hauen wir noch ein Birdie raus?“

Vier Wochen war Sophie Jäger in den USA und hat ihren Sohn Stephan Jäger auf insgesamt vier Turnieren der Web.com-Tour begleitet. Dass sie zum Abschluss ihrer Reise miterleben durfte, wie der 27-jährige Golfprofi mit einer 58er-Runde Golf-Geschichte geschrieben hat (wir berichteten), hätte sie sich nie träumen lassen.

„Das war der Wahnsinn“, sagt sie euphorisch auf der Terrasse des Golfclubs München Eichenried, in dem die ganze Familie seit Gründung des Clubs 1988 Golf spielt. Schließlich wohnen Klaus und Sophie Jäger in Eichenried – und Klein-Stephan, geboren am 30. Mai 1989, hatte zusammen mit seiner älteren Schwester Michaela einen ganz besonderen Spielplatz: den Golfclub München Eichenried.

„Richtig angefangen hat Stephan aber erst, als Hannelore Kofler, die Mutter des heutigen Eichenrieder Geschäftsführers Korbinian Kofler, als Lehrerin am Erdinger Gymnasium in der 5. Klasse Schulgolf angeboten hat. Vorher war Fußball interessanter. Bei seinen ersten Schul-Golf-Meisterschaften im Jahr 2000 hatte er noch ein Handicap von 30. Aber da hat ihn der Ehrgeiz gepackt.“

Eichenrieder Mitglieder der ersten Stunde erinnern sich an den „extrem trainingsfleißigen Stephan“, der täglich auf der Driving Range und auf dem Putting Grün anzutreffen war. „Fleißig und total fokussiert ist Stephan noch heute“, sagt die stolze Mutter.

Wie war das nun auf dem Platz von TPC Stonebrae in der San Francisco Bay, wo Stephan mit dem Score von -30 nach vier Runden gleich noch eine historische Rekordmarke gesetzt hat? „Das war brutal. Es ist ein wahnsinnig schwerer, hügeliger Platz mit teilweise 300 Höhenmetern Unterschied. An drei oder vier Löchern werden die Spieler mit Carts über Schluchten hinweg zu den Abschlägen gefahren. Dazu herrschte noch eine ordentliche Hitze. Die Grüns sind sensationell: sehr groß und total glatt.“

Und was war das Geheimnis von Stephans Rekord-Golfspiel? „Er hat einfach alle Bälle auf 1,50 Meter an den Stock gehauen. Höchstens vier Putts waren länger als zwei Meter. Und dabei hat er oft Driver gespielt.“ Driver vom Fairway? „Ja! Die anderen haben Holz 3 genommen und mein Bub greift zum Driver. Unglaublich!“ Sie erinnert sich, wie sie am Vormittag noch fast allein auf der Runde waren, aber nach den ersten acht, neun Löchern immer mehr Fotografen und Presseleute sich um Stephans Flight scharten. „Die haben gemerkt, da läuft einer heiß. Das könnte eine Sensation werden. Das war dann Wahnsinn, was für ein Presserummel nach dem letzten Putt zur -12 losbrach.“

Jäger hat aber nicht abgehoben, sondern blieb weiterhin extrem fokussiert und hat sich in seinem Rhythmus nicht stören lassen. In den vier Tagen hat er nur ein einziges Bogey gespielt, am ersten Loch des zweiten Tages. Er hat gespielt wie ein Roboter, nicht einen Fehlschlag hat er sich geleistet. Und die Jungs hatten auf der Runde noch Spaß miteinander, haben sich locker unterhalten. Am letzten Tag an der 15 hat er den Arm um meine Schultern gelegt und scherzhaft gefragt: Mama, hauen wir noch ein Birdie raus, oder?“ Jäger war im Flow, alles passte perfekt zusammen. Abzusehen war das eigentlich nicht. Mehrfach hat Stephan bei den Turnieren davor am letzten Tag doch wieder eine Top-Ten-Platzierung verspielt oder gar den Cut verpasst. Angst vor dem Sieg? „Unsinn“, sagt Sophie Jäger. „Wer Golf spielt, der weiß: Es gibt im Golf eben unterschiedliche Phasen. Den Cut nicht zu schaffen, gehört einfach dazu. Stephan weiß, dass er gut Golf spielen kann. Eigentlich ist er ein genialer Putter.“

Wie hoch ist der Anteil von Coach Ken Williams, Head Pro im Golfclub München Eichenried? „Sehr groß. Stephan hat ja in den USA keinen Trainer. Er macht alles mit Ken. Sobald eine Kleinigkeit nicht stimmt, werden Videos hin- und hergeschickt. Ken hat ihn nach seinem Sieg natürlich auch sofort angerufen. Auch Alex Cejka, Arnold Palmer und viele andere haben gratuliert.“

Erst seit vier Wochen hat Jäger einen festen Caddie. Und jetzt, mit dem Preisgeld von 108 000 Dollar kann er sich auch ein neues Auto leisten. „Sein Auto, das er seit zehn Jahren fährt, hat 200 000 Kilometer drauf und fällt schon auseinander. Er ist ja ein Sparhansel und hat immer gesagt: Die Reparatur kann ich mir leisten, wenn ich ein Turnier gewinne.“

Und wie geht‘s jetzt weiter mit der neuen Nummer 20 der Web.com-Tour-Geldrangliste? „Es stehen noch vier Turniere an. Ich hoffe, er etabliert sich unter den Top Ten. Der Sprung auf die PGA-Tour wäre mehr als ich vorher erhofft habe.“

Heidi Rauch

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