Sich beim Rollstuhlbasketball zu verausgaben, macht Marin Spitzl großen Spaß.
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Sich beim Rollstuhlbasketball zu verausgaben, macht Marin Spitzl großen Spaß.

19-Jähriger aus Eichenried braucht einen speziellen Rollstuhl – aber der ist teuer

Marins Traum vom Rollstuhlbasketball

Marin Spitzl (19) aus Eichenried leidet von Geburt an unter einer spastischen Zerebralparese. Aber er ist ein Kämpfer. Nun hat er die Chance, in der Bayernliga Rollstuhlbasketball zu spielen. Doch der Weg dahin ist lang, denn der Rollstuhl kostet viel Geld.

Eichenried – „Ich weiß, wie es ist, wenn man am Boden ist“, sagt Marin Spitzl. Der 19-jährige Eichenrieder leidet von Geburt an unter einer spastischen Zerebralparese, aber er ist ein Kämpfer, immer positiv eingestellt mit einer wahnsinnigen Lebensfreude. Nun hat er die Chance, in der Bayernliga Rollstuhlbasketball zu spielen. Doch der Weg dahin ist lang, denn der Rollstuhl kostet viel Geld.

Marin Spitzl hat bei seiner Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten, der das Absterben von Gehirnzellen verursachte. Erst nach Monaten ist aufgekommen, dass er nicht wie die anderen Kinder krabbeln konnte. Erst nach vielen Untersuchungen in verschiedenen Kliniken wurde die Behinderung festgestellt.

„Es wurden Aufnahmen vom Gehirn gemacht, um zu sehen, welche Bereiche betroffen sind“, erklärt Marin Spitzl. „Bei mir ist es hauptsächlich der Bewegungsbereich.“ Daraufhin habe sofort die Ergotherapie begonnen, damit „gesunde Gehirnzellen die Bewegungsabläufe der abgestorbenen Bereiche erlernen und übernehmen können“. Auch auf die Sprache wirke sich die Spastik aus, weshalb auch Logopädie helfen konnte.

Im Laufe seiner Kindheit habe er sich mit Rollatoren und anderen Hilfsmitteln fortbewegt. Die ständige Ergo- und eine Botoxtherapie haben große Fortschritte bei den Bewegungsabläufen ermöglicht. „Die durch die Spastik permanent angespannten Muskeln werden durch Botox entspannt, was die Behandlung erleichtert“, erklärt Marins Stiefmutter Carmen Spitzl (43).

Freuen sich sehr über die Resonanz auf den Spendenaufruf: Marin Spitzl und seine Stiefmutter Carmen.

Auch die Psyche sei für die körperlichen Leistungen wichtig. „Ich muss mobiler werden“, machte sich Marin Spitzl damals bewusst. Mit 13/14 Jahren schaffte er das auch: „Ich konnte mit einem Stock stabil gehen und fuhr gern Fahrrad. Ich war selbstständig und mobil. Es machte Spaß, nicht mehr auf Hilfe angewiesen zu sein.“

Doch mit der Bewegung seien immer häufiger Knieschmerzen eingetreten. „Im Kindesalter wirkt sich die Spastik auch auf das Knochenwachstum aus. Durch Verformungen war keine ausreichende Stabilität auf den Beinen möglich“, erklärt Carmen Spitzl. Im Herbst 2017 musste Marin Spitzl eine achtstündige OP über sich ergehen lassen. „Sein ganzes linkes Bein wurde zerlegt“, beschreibt sie den Eingriff. „Es wurden Nervenbahnen neu gelegt, das Knie gedreht, Sehnen verlängert und die Ferse neu geformt.“

Die ersten zwei Tage nach der OP sei er abwärts der Hüfte gelähmt gewesen, da Medikamente den Eintritt der Spastik im operierten Bein verhindern sollten. „Ich hatte Physiotherapie und Massagen, und ich musste in einem Spreizkeil schlafen, damit die Sehnen gedehnt werden.“

Ich war plötzlich ein kompletter Pflegefall.

Marin Spitzl über seine erste Operation im Herbst 2017

Die kommenden sechs Wochen seien eine schreckliche Zeit gewesen, mit heftigen Schmerzen und Schlafmangel. Auch psychisch habe er stark gelitten – „ich war plötzlich ein kompletter Pflegefall“. Er habe stark abgenommen, nur noch 38,5 Kilo gewogen. Es sei festgestellt worden, dass im Bein ein Nervenschaden verursacht worden sei, da ein Nerventunnel zu eng gewesen sei. „Ich bereute die Operation, wollte mein altes Leben zurück“, erinnert sich Marin Spitzl. Carmen Spitzl denkt zurück: „Es war ein gutes, neu geformtes Bein, aber für ihn war es ein Fremdkörper.“

Nach sechs Wochen sollte das andere Bein operiert werden, jedoch habe Marin Spitzls Zustand dies nicht zugelassen. „Ich kam in eine Aufbau-Reha, erhielt Ernährungsberatung und einen Personal Trainer“, erzählt er. Doch bei der Reha habe er keine Motivation gehabt, sich zurück ins Leben zu kämpfen. „Ich wusste, dass ich fast magersüchtig war, aber mir war das egal, ich habe mein altes Leben vermisst.“

Doch dann kam der Wendepunkt: „Es war Samstag, und in Eichenried fand der Faschingsball des Burschenvereins statt. Auf einmal kam mein Papa maskiert herein und wollte mit mir zum Ball.“ Trotz wenig Begeisterung ging der damals 16-Jährige mit Vater Thomas zum Fest. „Als ich dort war und die Leute auf der Tanzfläche sah, stellte ich mir vor, auch in der Menge zu sein“, erinnert sich Marin Spitzl. „Auf einmal kam eine Freundin und fragte, ob ich mit ihr tanzen will.“ Sie habe ihn mit in die Menge genommen, dann seien weitere Freunde hinzugekommen. „Sie sagten mir, ich sollte weiterkämpfen. Das hat mir die Augen geöffnet und viel Kraft gegeben.“ Auch Stiefmama Carmen Spitzl ist begeistert von der Unterstützung der Jugendlichen: „Sie haben ihn aus dem Rollstuhl gehoben, ihn gestützt, dass er mit ihnen tanzen konnte.“

Ab da habe Marin Spitzl seine Kraft wieder gefunden, zusätzliche Übungseinheiten absolviert und nach sieben Wochen Reha wieder mit dem Rollator gehen können. „Ich wurde im Ort richtig beliebt, und meine Freunde waren immer für mich da“, freut er sich. „Sie sind sich gar nicht bewusst, wie sie Marins Leben verändert haben. Es ist unbeschreiblich“, meint Carmen Spitzl.

Sie haben mir gesagt, dass sie stolz auf mich sind.

Marin Spitzl über die Unterstützung durch seine Freunde beim SV Eichenried

Im März 2018 wurde er am zweiten Bein operiert. Marin Spitzl schaffte es, wieder mit Stöcken zu gehen. Bei seinen Freunden vom SV Eichenried habe er oft der Mannschaft zugesehen. „Sie haben mir gesagt, dass sie stolz auf mich sind, und ich habe als Edelfan sogar ein Trikot bekommen.“

Diesen Sommer hat Marin Spitzl seinen Realschulabschluss an der Ernst-Barlach-Realschule in München absolviert und nun eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement bei Wurzer Umwelt in Eitting begonnen. In der Schule sei er lange und auch sehr erfolgreich im Schachteam gewesen. „Ich habe dann aber gemerkt: Jetzt brauche ich etwas Körperliches.“

Der Universitäts-Sportclub München bot ein Wahlfach an Marin Spitzls Schule an, an dem er teilnahm. Das Rollstuhlbasketballteam habe in ihm Talent gesehen. „Im Verein zu spielen, war noch mal eine andere Nummer. Es hat mir so viel Spaß gemacht, mich zu verausgaben“, sagt er voller Begeisterung und erklärt: „Rollstuhlbasketball ist ein sehr anstrengender Sport, da man mit der einen Hand dribbeln muss und mit der anderen den Rollstuhl anschiebt.“

Aktuell spielt Marin Spitzl in einem Leihrollstuhl, der ist aber viel zu breit für ihn. „Ein Sportrollstuhl muss eng sitzen wie ein zweiter Körper“, erklärt er. Ein Schutzrahmen schütze vor Crashs, Stützräder sollen das Stürzen verhindern, und ein Bügel dient zur Beinsicherung, denn: „Wir krachen zusammen, wir fallen um und überschlagen uns auch mal.“ Der maßgefertigte Sportrollstuhl im Wert von 9000 Euro würde dringend benötigt, vor allem, da Marin Spitzl vom Vorstand des Vereins eingeladen worden sei, in der Bayernliga zu spielen.

Die Resonanz ist unglaublich, wir können es nicht in Worte fassen.

Marins Stiefmutter Carmen Spitzl über die Spendenaktion

Von der Krankenkasse bekomme er dabei keine Unterstützung. Auch ein 4000 Euro teures Liegebike zum Trainieren der Beine hatte sich die Familie für Marin Spitzl zugelegt, ebenfalls ohne Hilfe der Kasse. Seinen Führerschein will der junge Mann ebenfalls machen. Auch hierbei übernehme die Kasse keine Kosten für Gutachten oder ein umgebautes Auto. „Doch ich bin ein Kämpfer, ich lasse mich von so etwas nicht aufhalten“, sagt Marin Spitzl. So kam ihm die Idee eines Facebook-Spendenaufrufs für den Rollstuhl.

„Dann ging etwas los, was wir nie gedacht hätten“, staunt Carmen Spitzl noch immer. Andreas Lenz, Bundestagsabgeordneter der CSU, der Marin Spitzl schon seit einiger Zeit auf seinem Instagram-Account verfolgt, rief online zum Spenden auf. Der Pfarrverband St. Anna im Moosrain unterstützt Marin Spitzl mit 500 Euro aus dem Sozialetat. Die Erste, Zweite und AH-Mannschaft des SV Eichenried sammelten für ihren Edelfan 950 Euro und konnten mit einer Spendenbox den Betrag auf 1030 Euro steigern. Über den Online-Aufruf wurden bisher rund 6000 Euro gespendet. 300 Euro kamen vom Burschenverein, 100 Euro von der Bürgerschaft und 500 Euro von Mooseisen Eichenried.

„Die Resonanz ist unglaublich, wir können es nicht in Worte fassen“, sagt Carmen Spitzl. „Meine Art ist es, immer positiv zu sein und daran zu glauben, dass man seine Ziele erreichen kann“, erklärt Marin Spitzl. Sein größter Traum ist es, an den Paralympics teilzunehmen. Diesem Ziel kann er mit seinem eigenen Sportrollstuhl ein gutes Stück näher kommen.

Lea Warmedinger

Spenden

Wer Marin Spitzl unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende auf das Konto mit der IBAN DE52 7025 0150 0029 7024 53 tun.

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