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Helferschwein hilft wo immer Not am Mann ist

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Von: Wolfgang Krzizok

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Mit einem Gabelstapler befüllt Harry Hoyler vom Verein Helferschwein einen 40-Tonner mit Hilfsgütern für die Ukraine, hier Babybetten. Erst kürzlich war er wieder unterwegs – allerdings im Flutgebiet im Ahrtal. Wir waren alle schockiert, dass so etwas in Deutschland möglich ist. Harry Hoyler über die Zustände ein Jahr nach der Flutkatastrophe Betten für Ukraine, Baustoffe im Ahrtal Hilfe vor Ort bleibt Kerngeschäft
Mit einem Gabelstapler befüllt Harry Hoyler vom Verein Helferschwein einen 40-Tonner mit Hilfsgütern für die Ukraine, hier Babybetten. Erst kürzlich war er wieder unterwegs – allerdings im Flutgebiet im Ahrtal. © Wolfgang Krzizok

Der Moosinninger Verein Helferschwein unterstützt Bedürftige in der Ferne und daheim.

Moosinning – An vielen Fronten ist der Moosinninger Verein Helferschwein um seinen rührigen Vorsitzenden Harry Hoyler derzeit unterwegs. Zuletzt war er mit einem Hilfstransporter im Ahrtal, Anfang nächster Woche rollt wieder ein 40-Tonner in die Ukraine.

Harry Hoyler sitzt auf dem Gabelstapler und hebt Krankenhaus- und Kinderbetten in einen Lastwagen, der bereits zur Hälfte mit Lebensmitteln gefüllt ist. „Bald ist er voll, dann geht’s wieder in die Ukraine“, sagt er und erzählt dann, dass er gerade erst aus dem Ahrtal zurückgekehrt sei. „Furchtbar“ sei es dort – immer noch. Auch ein gutes Jahr nach der verheerenden Flut „sieht es aus, als hätten Bomben eingeschlagen. Die Leute fühlen sich allein gelassen.“

Er hatte es nicht glauben wollen, dass auf den Konten von Hilfsorganisationen zig Millionen von Spenden liegen, die nicht ausbezahlt werden. „Diese so genannten Hilfsorganisationen warten, ob die Versicherungen bezahlen, die Versicherungen warten, ob Gelder fließen – so deutet einer auf den andern, und die Menschen dort sind die Leidtragenden“, schimpft der Eichenrieder.

Mit ein paar Freunden war Hoyler ins Ahrtal aufgebrochen – mit einem 40-Tonner, den die Firma Damböck zur Verfügung gestellt hatte – voll mit Baumaterialien, gestiftet von der Firma Hasit (Spritzbeton und Fugenmörtel) und Baustoffe Auer (Fliesenkleber). Unternehmer vor Ort hatten Lager eingerichtet, wo gespendete Hilfsgüter dann verteilt werden sollten, doch mussten diese auf Anweisung des Landkreises zum Teil wieder abgebaut werden.

„Eine Firma hatte außerdem Container mit Duschen für 300 Helfer aufgestellt, aber die Kreisverwaltungsbehörde wollte das nicht, und sie mussten nach kurzer Zeit wieder weg“, empört sich Hoyler, der zudem von einer „überdurchschnittlich hohen Selbstmordrate in der Gegend“ spricht. In Walporzheim habe er gesehen, wie ehrenamtliche Helfer alte Leute, die noch kein richtiges Dach über dem Kopf haben, mit Essen versorgt hätten. Auch das habe ihn „sehr erschüttert“.

Was ihn ebenfalls fassungslos macht: „Zwei Tage nach der Flut waren viele Chinesen mit Geldkoffern unterwegs, einen Notar im Schlepptau, und haben versucht, Grundstücke zu kaufen. Unglaublich!“

Er habe einige Zeit gebraucht, um die Eindrücke zu verarbeiten: „Wir waren alle schockiert, dass so etwas in Deutschland möglich ist.“ In Erbstadt habe man die Baumaterialien abgeladen, dort wurden sie in einem Mercedes-Autohaus gelagert, „und die Leute können dort mitnehmen, was sie brauchen“. Das war aber nur der erste Teil der Helferschwein-Mission.

Ein Bekannter, Rüdiger „Brocki“ Brockmann, und seine Frau Katharina, hatten den Kontakt zum Paderborner Brüderkrankenhaus St. Joseph hergestellt. Dort würden unter anderem Krankenbetten stehen, die entsorgt werden müssten, weil sie den deutschen Standards nicht mehr entsprechen. „Da haben wir dann zwölf Krankenbetten, Notfallliegen, Kinderbetten, Nachtkastl und Matratzen für die Ukraine bekommen“, erzählt Hoyler. „Das geht jetzt alles direkt in die Frontgebiete, da gibt es viele verwundete Soldaten und auch alte, kranke Leute.“ Darüber hinaus werden auch wieder andere Hilfsgüter an Bord sein.

Er ist sichtlich gerührt, als er erzählt, wie groß die Spendenbereitschaft nach wie vor sei. „Der Hap Ki Do Club Lechfeld hat zum Beispiel Lebensmittel im Wert von gut 5000 Euro geschickt, der Freisinger Land e. V. massenweise eingekochte Dosen, und die Firma Januschkowetz eine Palette mit Rasierern“, führt er einige Beispiele an.

Ganz wichtig ist Hoyler der Hinweis, dass der Helferschwein e. V. nicht nur an die Ukraine denkt. „Alleine dieses Jahr haben wir schon rund 40 000 Euro an Organisationen in der Umgebung gespendet“, betont er ausdrücklich. Unter anderem an: Lichtblick Hasenbergl, Stiftung Kinderklinik Schwabing, Ein Herz für Rentner e. V., Schneiderhof Gnadenhof, Aktion Brücke – Obdachlosenküche, Stiftung Schneekristalle, Elterninitiative Krebskranke Kinder, die Leseraktion des Erdinger Anzeiger Licht in die Herzen sowie diverse Lions Clubs.

„Unser eigentliches Kerngeschäft werden wir natürlich nicht vernachlässigen“, verspricht der Vereinsvorsitzende, der schon wieder über den nächsten Hilfstransport ins Ahrtal nachdenkt. „Der Winter steht vor der Tür, und die meisten Leute dort haben noch weder Fenster in ihren Häusern, geschweige denn funktionierende Heizungen“, weiß Hoyler, den am meisten aufregt, dass bei den Entscheidungsträgern immer wieder von „unbürokratischer Hilfe“ die Rede ist, aber letztlich doch nichts passiert. „Unbürokratisch ist für mich das Unwort des Jahres“, schimpft er. „Einer schiebt dem anderen den Schwarzen Peter zu.“

Handtücher, Decken und Bettzeug würden im Flutgebiet dringend gebraucht. Ebenso wie übrigens in der Ukraine, wo laut Hoyler noch dazu kommt, „dass die Russen auf ihrem Rückzug überall die Stromversorgung kaputt machen“. So ist für ihn klar, dass die Menschen dort neben Betten, medizinischen Geräten, Schlafsäcken und Decken „vor allem warme Winterkleidung brauchen“.

Diese Sachen will er demnächst sammeln und im Oktober in die Ukraine bringen – und vielleicht geht es vorher auch noch einmal ins Ahrtal.

„Aber jetzt müssen wir erst einmal diesen Lkw voll machen, der bald in die Ukraine fährt“, sagt Hoyler, steigt wieder auf seinen Gabelstapler und lädt mit seinen Helfern die nächsten Betten auf.

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