Die Wirtsleute Franz-Xaver und Therese Maier sind 1897 mit Gästen vor dem Gasthof.
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Zünftig ging’s schon vor weit über einem Jahrhundert zu, wie unser Foto aus dem Jahr 1897 zeigt. Die Wirtsleute Franz-Xaver und Therese Maier (vorne, 2. u. 3. v. l.) verwöhnten ihre Gäste schon damals mit frischem Bier.

Josefine „Seffi“ Maier schließt das Traditionsgasthaus

Die Ära Pelzwirt geht zu Ende: Riesenschnitzel waren der Renner

  • vonDaniela Oldach
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Nach weit über 100 Jahren schließt der traditionsreiche Gasthof Maier in Moosinning seine Türen. Am Sonntagabend wird die letzte Halbe ausgeschenkt.

Moosinning – Ein Schnitzel, das weit über den Tellerrand hinaus reicht, gerne auch gefüllt mit Schinken und Käse als Cordon bleu: In Scharen kommen die Besucher seit Jahrzehnten zum Gasthof Maier, um sich das Riesenschnitzel schmecken zu lassen. Am Sonntag aber endet eine weit über 100-jährige Wirtshausgeschichte: Josefine „Seffi“ Maier schließt das Traditionsgasthaus. „Es war eine Kopfentscheidung“, sagt die 69-Jährige.

Noch gut kann sie sich an ihren ersten Arbeitstag im Gasthof Maier, besser bekannt als Schnitzelwirt oder Pelzwirt, erinnern. Am 3. Dezember 1980 hatte sie ihren ersten Einsatz als Bedienung. Und dabei lernte sie auch ihren späteren Ehemann Johann kennen, der das Unternehmen in dritter Generation führte. Drei Jahre später wurde aus der freundschaftlichen Arbeitsbeziehung eine Liaison, 2003 heirateten die beiden.

Hans Maier, der das Unternehmen in dritter Generation führte, baute es zu einem florierenden Betrieb aus. Nach seinem Tod am 1. März waren Ehefrau Seffi und Tochter Gabi auf sich gestellt. Unterstützt werden sie von Tochter Susi.

Seffi Maier hat die Geschichte des Hauses aber weiter zurückverfolgt. So zeigt eine alte Aufnahme aus dem Jahre 1897 die damaligen Wirtsleute Franz-Xaver und Therese Maier, die Großeltern ihres heuer verstorbenen Ehemannes. Es folgten Hans Maier sen. und Klara Forster, die 1934 Hochzeit feierten und danach drei Kinder bekamen: Seffi Maiers Ehemann Hans (1937), Sohn Franz (1939) und Tochter Marlene (1944). Hans Maier jun. absolvierte eine Metzgerlehre und half immer schon in der Gastwirtschaft sowie in der Landwirtschaft mit, die parallel bis in die späten 1960er Jahre betrieben wurde. Und früher war im jetzigen Biergarten eine Schusterei angesiedelt, die ein Herr Pelz betrieb – daher auch der Name Pelzwirt.

Nach dem Tod von Klara Maier übernahm der älteste Sohn den Betrieb. „Es kamen viele Ausflugsbusse. Und bis 1987 wurden viele Hochzeiten hier gefeiert“, weiß Seffi Maier. „Mein Mann hat alles selbst gemacht“, erzählt sie stolz. Das klassische Hochzeitsmahl bestand damals aus einer Leberspätzlesuppe – natürlich mit selbst gemachten Leberspätzle – einem Lendenbraten mit hausgemachten Spätzle und einer Nachspeise. Und am Abend wurden die Hochzeitsgäste mit einem Riesenschnitzel verköstigt. „Es gab bestimmt rund 25 Hochzeiten im Jahr“, sagt Seffi Maier. Hans Maier stand meist um 5 Uhr früh auf, richtete selbst das Fleisch her und war viele Stunden in seinem Gasthof beschäftigt. Abschalten konnte er beim Sporteln. Zuerst hielt sich der sportliche Gastronom mit dem Laufen fit, später stieg er aufs Rad um.

„Bis zum 5. Oktober 2015 war Hans Maier jeden Tag in der Wirtschaft“, weiß seine Ehefrau. Doch ein Radunfall zwang ihn, kürzerzutreten.

Tochter Susi ist eine gelernte Köchin und managt seitdem die Küche, Tochter Gabi ist im Service tätig. Und Seffi Maier ist überall da, wo sie gebraucht wird. Am 1. März diesen Jahres verstarb Hans Maier im Alter von 83 Jahren. „Wir haben aber immer über unseren Gasthof geredet und auch noch gemeinsam beschlossen, dass wir aufhören“, sagt Maier. Am 17. August ist jetzt Schluss. Die Kegler der KG Moosinning haben nun in Hallbergmoos eine neue Heimat gefunden, der Schützenverein Harmonie Moosinning schießt künftig beim Daimerwirt.

Doch bis am Sonntagabend das letzte Riesenschnitzel serviert, die letzte Halbe Bier ausgeschenkt wird, wird noch Abschied gefeiert. Jeden Tag ist ab 11 Uhr Mittagsbetrieb. Am heutigen Freitagabend feiern die Neuchinger Buam ein letztes Mal, am Samstag sagen die Stammgäste Lebewohl. Und am Sonntag wird mit allen Gästen gefeiert. „Wir sind total ausgebucht“, freut sich Maier. Wie es dann weitergeht, und was mit dem Areal, das sich in Familienbesitz befindet, passiert, weiß sie noch nicht. „Ich muss das erst mal sacken lassen. Und am Montag werde ich ausschlafen.“

Daniela Oldach

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