Unter Beisein vieler Ortsvorsitzender zeichnete VdK-Kreisvorsitzender Hermann Bredenkamp (l.) Rudolf Ways als Ehrenvorsitzenden aus. Unser Bild entstand noch vor den Corona-Beschränkungen.
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Unter Beisein vieler Ortsvorsitzender zeichnete VdK-Kreisvorsitzender Hermann Bredenkamp (l.) Rudolf Ways als Ehrenvorsitzenden aus. Unser Bild entstand noch vor den Corona-Beschränkungen.

Auszeichnung

Rudolf Ways wird VdK-Ehrenvorsitzender: Stimme für soziale Gerechtigkeit

Der VdK-Kreisverband hat Rudolf Ways zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Seine Verbindung zum Sozialverband bestand schon früh. Ein Porträt.

Eichenried– Von Kleinkind an Halbwaise, im Berufsleben Kämpfer für Aufstieg und Anerkennung, im gesellschaftlichen und politischen Leben Stimme für soziale Gerechtigkeit: Rudolf Ways, der in diesen Tagen 77. Geburtstag feiert, ist in vielfältiger Weise ein bekanntes Gesicht, weit über seine Heimat Moosinning hinaus. Kürzlich wurde er, genauso wie sein Halbbruder und Amtsvorgänger Georg Ways, zum Altbürgermeister von Moosinning ernannt. Und der VdK-Kreisverband ehrte ihn noch vor der Corona-Krise als Ehrenvorsitzenden.

Wie tief und lange Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg sich auf das Leben auswirkten, erlebte Ways von Geburt an. 1943 kam er in Erding zur Welt, seinen Vater Georg lernte er nie kennen. Er fiel, als sein Sohn eineinhalb Jahre alt war. Ways’ Mutter Maria fand Arbeit und sozialen Halt in der Bäckerei ihres vormaligen Schwagers, Anton Ways wurde zum Stiefvater. Durch ihn bestand früh eine Verbindung zum VdK.

Stiefvater Anton war nach dem Krieg Ortsvorsitzender in Moosinning

Heute allgemein als Sozialverband tätig, wurde dieser zwei Jahre nach Kriegsende als Verband der Kriegsbeschädigten, Hinterbliebenen und Sozialrentner gegründet. Stiefvater Anton, selbst als Soldat schwer verwundet, wurde Ortsvorsitzender in Moosinning. Zunächst Mitglied, seit 2002 Ortsvorsitzender und von 2010 bis 2018 Kreisvorsitzender, bekam Rudolf Ways viele Schicksale von Menschen, „die um ihre Jugend betrogen wurden“, geschildert.

Während der 50er und 60er verbrachte er beim Fußball unbeschwert Zeit mit Freunden. Ehrgeiz kam zum Spaß hinzu, in den 70ern stieg er mit seiner Mannschaft bis in die Landesliga auf. Später übernahm er als Vize, dann als 1. Vorsitzender Verantwortung beim FCM.

Miterleben einer aufbegehrenden Jugend und Studentenschaft

Wegweisend für Ways’ berufliches und politisches Leben waren acht Jahre, die er in München verbrachte: Als gelernter Maschinenschlosser bildete er sich auf dem zweiten Bildungsweg fort und begann ein Studium zum Bauingenieur. Verbunden mit dem Umstand, dass er in München bei Verwandten wohnen konnte, war das Miterleben einer aufbegehrenden Jugend und Studentenschaft. Auf die Straße ging er unter anderem für eine Aufwertung seiner Ingenieurschule. Mit Erfolg: Die damaligen Ingenieur- wurden Fachhochschulen.

Zweifel an der alleinigen Gültigkeit konservativer Ansichten kamen ihm spätestens an der Berufsschule. Einblick in die Ideen der Sozialdemokraten bekam er von der Familie mütterlicherseits. Der Großvater war seit den 1920er Jahren SPD-Mitglied, ein Onkel wurde in der Oberpfalz SPD-Bürgermeister. Beide waren ihm „aufrechte, ehrliche, hilfsbereite und sozial eingestellte Vorbilder“.

Kandidat für den Gemeinderat: Viel Zuspruch, aber kein Platz im Gremium

Dreimal in Folge kandidierte er für den Moosinninger Gemeinderat – mit viel Zuspruch, aber ohne Platz im Gremium. Grund war eine heute nicht mehr bestehende Regelung, wonach keine engeren Verwandtschaftsverhältnisse unter den Räten bestehen durften. Halbbruder Georg holte auf der CSU-Liste stets mehr Stimmen. 1996, nach einer Periode, stellte Georg sich nicht mehr zur Wahl und Rudolf wurde Bürgermeister. Sein Sieg als „Außenseiter“, wie er selbst sagt, war überraschend, die erste von zwei Perioden wegen der Minderheit seiner Partei im Rat „ein Kampf“. 2008 unterlag Ways Pamela Kruppa (CSU): „Ich musste die Erfahrung sammeln, wie man eine Wahl auch verlieren kann.“

Hoffen auf steigendes Ansehen der Pflegenden sowie deren Entlohnung 

Ways’ Wirken im VdK-Orts- und Kreisverband betrifft das Betreuen der Mitglieder und die Organisation gemeinsamer Aktionen. Mit solchen wies der VdK frühzeitig auf Missstände hin: „Vor zehn Jahren haben wir schon vor Altersarmut gewarnt, einen Mindestlohn gefordert und wissen schon lange, dass Pflegekräfte mehr Anerkennung verdienen.“

Sein Erfahrungsschatz in der Sozialpolitik verleiht Ways dennoch kein Rezept für die gegenwärtige Situation, mögliche Folgen der Pandemie kann er nur abwägen: „Wenn es schnell vorübergeht, muss man befürchten, dass die Leistungen in dieser Krise schnell wieder vergessen sind. Ich wünsche mir, dass das Ansehen der Pflegenden sowie deren Entlohnung steigen und nicht wieder andere unberechtigt Gewinne aus dieser Krise ziehen.“

Fünf Enkel haben ihm die Kinder Gabriele und Stefan geschenkt. Seine Frau Magdalena hat er 1972 geheiratet, seither lebt er in Eichenried. Als Familie stehen sie zusammen, „unsere Kinder schauen auf uns, dass wir heil durchkommen“. 

Fabian Holzner

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