Sexuelle Gewalt im Rathaus Moosinning

Ex-Vizebürgermeister zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt

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Erding/Moosinning - Wegen sexueller Nötigung mit Gewalt in zwei Fällen ist der frühere 2. Bürgermeister von Moosinning, Manfred Renner, zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte zwei Angestellte zu Zungenküssen genötigt. Die Opfer leiden bis heute.

Die Szene – grotesk: Manfred Renner saß auf der Anklagebank des Erdinger Amtsgerichts und vermied jeden Blickkontakt zum Publikum. In dem saßen Gemeinderatskollegen aus Moosinning, nicht aber Bürgermeisterin Pamela Kruppa. Der im November wegen des Prozesses zurückgetretene Vize-Bürgermeister ließ seinen Anwalt Martin Paringer reden. Renner äußerte sich kaum, und wenn, dann kaum hörbar.

An den Vorwürfen gegen den 63-Jährigen gab es nichts zu deuteln: Laut der von Staatsanwältin Jennifer Schäfer verlesenen Anklage hatte Renner am 2. und 16. April 2015 zwei Rathausangestellte sexuell bedrängt, indem er unter Gewaltanwendung Zungenküsse verabreichte. Zu der Zeit war der Politiker vom Bürgerblock Moosinning Vertreter der Mutter gewordenen Kruppa – also Dienstherr seiner Opfer.

Der erste Fall spielte sich nach Ermittlungen der Kripo Erding und der Staatsanwaltschaft Landshut in der Kaffeeküche des Rathauses ab. Renner ging mit einer Angestellten, die Geburtstag hatte, dorthin, um sich Kuchen zu holen. Renner schloss die Türe, umklammerte die Frau und versuchte sie zu küssen. Sie wich aus und machte deutlich, dass sie das nicht wolle. Da wurde Renner gröber: Er umklammerte sie, griff ihr an Oberkörper und Gesäß und steckte seine Zunge in ihren Mund. Sie versuchte vergeblich, sich mit den Händen zu schützen. Dann ließ er von ihr ab.

Zum anderen Fall kam es laut Schäfer zwei Wochen später im Büro des weiteren Opfers im Keller des Rathauses. Renner kam herein, umschloss den Kopf der Frau mit seinem Arm und zog sie zu sich. Die Untergebene presste die Lippen aufeinander, wurde aber dennoch geküsst.

Mehrmals wurde in der Verhandlung vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Björn Schindler deutlich, dass das erste Opfer bis heute unter den Folgen leidet. Die Staatsanwältin und die Kripo-Beamtin im Zeugenstand berichteten, dass die Frau weiter in Behandlung sei, das Trauma habe, ihren Geburtstag nun immer mit einer Sexualstraftat in Verbindung bringen müsse und sogar von einigen Kollegen als Verräterin geschnitten werde. Sie hatte sich als Nebenklägerin eine Anwältin genommen.

Paringer erklärte zu Prozessbeginn, dass sein Mandat alles zugebe und bereue. Er habe beiden eine finanzielle Wiedergutmachung angeboten – erfolglos. Die Offerte stehe. Weiter sagte der Anwalt, dass Renner ein gebrochener Mann sei – alle Ämter einschließlich das des Vize-Bürgermeisters sei er los, im Dorf sei sein Ruf ruiniert. Nach dem Rücktritt hatte der dreifache Vater einen Herzinfarkt erlitten und leidet (wieder) an Depressionen. Die Ehe soll vor dem Ruin stehen.

Die Staatsanwältin erkannte keine minderschweren Fälle. Renner sei wegen seiner unsittlichen Annäherungen gefürchtet gewesen. Es habe sich sogar ein drittes Opfer aus früheren Zeiten gemeldet. Nicht zuletzt habe Renner, mittlerweile Rentner, Gewalt angewendet. Schäfers Plädoyer: Zwei Jahre Haft auf Bewährung und eine Zahlung von 10 000 Euro etwa an ein Frauenhaus.

Der Verteidiger pochte auf verminderte Schwere. Renner habe sich entschuldigt und Wiedergutmachung angeboten. Paringers Vorschlag: ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung.

Schindler verurteilte Renner zu 20 Monaten Haft, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. In der Tat seien es keine minderschweren Fälle gewesen. Allseits gewürdigt wurden Geständnis und Reue. „Damit habe Sie den Opfern die neuerliche Aussage erspart.“ Renner sei bis dato nicht vorbestraft gewesen. Auch den zerstörten Ruf des 63-Jährigen berücksichtigte der Richter. Renner muss zudem alle Kosten tragen und unabhängig vom Täter-Opfer-Ausgleich 5000 Euro an den Weißen Ring zahlen. Renner nahm das Urteil an, es ist rechtskräftig.

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